Debbie Weil: Corporate Blogging und Angst

20. Januar 2006Seit längerem frage ich mich, woran es wohl liegt, dass Corporate Blogging bei uns in Europa – mit Ausnahmen vielleicht von Frankreich – derzeit kein Thema ist. Dran anschließend interessiert …


Seit längerem frage ich mich, woran es wohl liegt, dass Corporate Blogging bei uns in Europa – mit Ausnahmen vielleicht von Frankreich – derzeit kein Thema ist. Dran anschließend interessiert natürlich auch die Frage, was denn geschehen müßte, damit sich daran etwas ändert.

Als Antwort auf die erste Frage bietet sich als Erklärung – natürlich – die  Angst vor drohendem Kontrollverlust an. Klar, Angst ist immer und überall ein Thema, warum nicht auch in der Kommunikation von Unternehmen? Das kennt man bereits.

Die Frage zwei ist hier schon schwieriger zu beantworten. Debbie Weil hat es versucht. Ihre Antwort machte mich einigermaßen stutzig, ist andererseits aber einleuchtend. Weil sagt, es ist wiederum Angst, die Unternehmen dazu bringen wird, selbst zu bloggen. Angst davor, den Kunden technologisch hinterher zu hinken, sie – bildlich gesprochen – nicht mehr dort abholen zu können, wo sie sich befinden: In der Blogshphere.

Ob dies der Weisheit letzter Schluss ist, sei dahin gestellt. Ich persönlich kann Debbies Überlegungen zwar nachvollziehen, finde die Beantwortung von Angst mit neuerlicher Angst jedoch nicht sonderlich positiv. Angst ist weder ein guter Berater noch ein ausreichend starkes Motiv um vorzbeugen. Das zeigt sich immer dann, wenn Krisen auftauchen und die Unternehmenskommunikation infolge unerledigter Hausaufgaben (Stichwort: Krisen-PR) bei null beginnen muss.

zurück zur Hauptseite / E-Mail

2 Gedanken zu “Debbie Weil: Corporate Blogging und Angst

  1. Hi Georg! Das Wort „sandgestrahlt“ gefällt mir. Und ich gehe mit deiner Sicht zur gängigen PR-Praxis großteils d’accord. Was das Thema Corporate Blogging in Europa angeht, gibt es einige wirklich vielversprechende Ansätze. Corporate Blogs, die seitens der Unternehmen aber lediglich als ein weiteres Tool gesehen werden, Marketing- und PR-Sprech zu verbreiten, werden nicht funktionieren. Sie werden die kommunikative Wirkung nicht entfachen und für die Betreiber uninteressant. Die Hereinnahme von Blogs in die interne und externe Kommunikation von Unternehmen setzt einen Paradigmenwechsel in der Bewertung und Sicht von Kommunikation voraus. Alte, in der Wirtschaft jedoch auch heute noch weit verbreitete Sichtweisen, wie z.B. „Wir reden als Unternehmen nur dann, wann wir wollen…“, funktionieren im Blogzeitalter nicht mehr. Aber Blogs werden nicht wieder verschwinden. Sich aktiv damit auseinanderzusetzen und neue Wege zu gehen ist deshalb ein Gebot der Stunde

  2. Jaja, die PR-Branche und ihre Angst. Die sollten einmal Angst haben, dass niemand mehr abdruckt, dass sie so aussenden. Vielleicht gibt es dann ein Umdenken, dass ehrliche, offene PR der bessere Weg ist.
    Welcher fröhliche Marktbearbeiter auch immer will: ich spendiere ihm gerne meine täglichen Aussendungen … zum Studium, was da alles schief läuft.
    Wenn etwas Großes in einem Unternehmen passiert, lässt es sich ohnehin nicht geheim halten. Ich würde mich über ehrliche PR freuen und nicht nur über sandgestrahlte Texte, die nur einen Teil der Wahrheit behandeln und von niemandem wirklich gebraucht werden.
    Großes lässt sich nicht verheimlichen – egal ob es nun gut oder schlecht ist. Blogs könnten jedoch die Geschwindigkeit erhöhen, mit der Dinge ans Tageslicht kommen. Das ist die künftige Herausforderung der PR-Zunft.
    Warum es keine hier noch keine Corporate Blogs gibt?
    Ganz einfach: Kein Mensch kenn bei uns Weblogs. Und wenn wer das Wort kennt, denkt er automatisch an exhibitionistische Online-Tagebücher. Erst wenn sich das ändert, werden auch Firmen bloggen. Dann wird es zwar auch wieder haufenweise PR-Müll geben, aber dazwischen wird sich mit Sicherheit die eine oder andere Perle finden, die so zur echten Newsquelle für Journalisten wird …