Krisen-PR der Marke Ryan-Air: Transparenz zahlt sich aus

26. Februar 2006 In der PR-Branche heißt es stets "aktiv" zu kommunizieren. Will heißen, beispielsweise in Krisen aus kommunikativer Sicht das Heft selbst in die Hand zu nehmen, anstelle unentschlossen auf die Reaktion …


 Ryanairsale
In der PR-Branche heißt es stets "aktiv" zu kommunizieren. Will heißen, beispielsweise in Krisen aus kommunikativer Sicht das Heft selbst in die Hand zu nehmen, anstelle unentschlossen auf die Reaktion anderer zu warten. Die Ryan Air, Europas führende Billigfluglinie, liefert hierfür nun ein gutes Beispiel. Zwei Journalistinnen vom britischen Channel 4 hatten  bei der Airline als Stewardessen angeheuert um so under cover über den harten Job bei den Billigfliegern zu berichten. Auch der Travelblogger berichtete.

Das Ergebnis: Eine Mängelliste von 20 Punkten (z.B.:. übermüdete Stewards, untragbare hygienische Zustände, Piloten am physischen Limit, etc.). Als Channel 4 Ryan-Air Boss Michael O’Leary mit den Vorwürfen konfrontierte, ließ der sich erst einmal 11 Tage Zeit. Meiner Meinung nach ziemlich lange. Dann antwortete er mit einem 27seitigen Brief und entkräftete darin die Vorwürfe Punkt für Punkt.

Noch bevor der Sender die Story ausstrahlte, ging Ryanair in die Offensive. Die Fluglinie stellte, wie bereits Mark Cuban in seinem Streit mit der New York Timesich habe darüber berichtet die gesamte Korrespondenz mit Cannel 4 online und informierte die Öffentlichkeit, dass alle erhobenen Beschuldigungen an die Luftfahrtbehörden Großbritanniens und Irlands weitergeleitet wurden. Das nenne ich proaktive Kommunikation! Fazit: Trotz Ausstrahlung des Filmes überstand die Fuglinie den Ernstfall völlig unbeschadet. Und für alle, die es genau wissen wollen: Die Ryan Air Aktie stieg nach Ausstrahlung der Channel sogar um 7 Cent. Transparenz zahlt sich also aus!

via: DIE ZEIT (26. Feb. 2006)

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5 Gedanken zu “Krisen-PR der Marke Ryan-Air: Transparenz zahlt sich aus

  1. Na wenn tatsächlich durch die 11 Tage etwas umgesetzt wurde, dann hat es sich auch gelohnt. Da wäre es auch nicht schlimm gewesen, wenn es letztendlich vielleicht ein paar Tage mehr geworden wären.

  2. Ich nehme auch einfach mal an, dass die 11 Tage gut genutzt wurden und es zeigt sich ja, dass sich das ausgezahlt hat. Immer richtig liegt die Kommunikation von Ryanair allerdings auch nicht. Dafür bleiben die ganzen hintergrundstrukturen einfach oft zu undurchsichtig. Alles in allem kann man ihnen aber wohl nciht viel vorwerfen, denn sonst wären sie ja nunmal nicht mehr die größte Billigairline Europas.

  3. Aber jetzt wo ich drüber nachdenken: 11 Tage ist oft schneller, als man in Klagenfurt auf einen Interview-Termin wartet …
    Zeit, Leute! Nehmt euch Zeit!

  4. „Wag the dog“ – wedelt der Hund mit dem Schwanz oder der Schwanz mit dem Hund?… wer weiss, wieviel der Anschuldigungen tatsächlich wahr sind, aber nur, weils die zwei Journalistinnen vorsätzlich so gemacht haben… aber das mit den 11 Tagen Zeit lassen, find ich wieder sinnvoll, denn vielleicht hat der gute Michael die Zeit ja für einen guten Blick auf die angeblichen Missstände genutzt.