Fake der Sonderklasse: Oma am Mount Everest

6. März 2006Mit einer Fake-Kampagne der besonderen Art sorgen Mammut, Hersteller erlesener Alpinklamotten, und seine Werbeagentur dieser Tage für Aufsehen. Insgesamt über 250 Medien haben über die 85-jährige (!) Mary Woodbridge berichtet, …


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Mit einer Fake-Kampagne der besonderen Art sorgen Mammut, Hersteller erlesener Alpinklamotten, und seine Werbeagentur dieser Tage für Aufsehen. Insgesamt über 250 Medien haben über die 85-jährige (!) Mary Woodbridge berichtet, die sich mit ihrem Dackel (!!)ohne künslichen Sauerstoff auf die Besteigung des Dachs der Welt, dem 8850 Meter hohen Mount Everest – hier ein 360° Panorama – vorbereitet. Ganz klar, dass die rüstige Bergsteigerin eine dreisprachige Homepage hat, auf der sie – stets in die neueste gelbe Mammutjacke gehüllt – und ihr Dackel beim Vorbereitungstrainig beobachtet werden können.

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Das ganze war ein Fake. Der Marketingchef der Firma sagt, dass man mit der Kampagne die schwer zu erreichende Gruppe der Hardcore-Kletterer und Alpinisten erreichen wollte, die mit traditioneller Werbung nicht erreicht werden können.

Ziemlich krass das ganze. Wenn ich den Marketing Menschen von Mammug richtig verstehe, dann heiligt also der Zweck die Mittel. Will heißen, ich kann Medien – die sich für dumm verkaufen lassen – für dumm verkaufen, hautpsache mein Produkt, meine Market generiert dadurch Aufmerksamkeit. Nie und nimmer würde ich Kunden zu einer solchen Vorgehensweise raten. Wäre ich Medienvertreter, so würde ich auf die Ente mit entsprechender Berichterstattung eagieren. Zudem wäre ich peinlich darüber berührt, dass ich so offensichtlich schlecht recherchiert habe. Warum?

a) Die flapsigen Message der 85-Jährigen schreien geradezu danach, dass es sich hier um ein Fake handelt. Beispiel gefällig? "Natürlich werden wir auf einheimische Träger verzichten. Arme Kerle!
Sicher kann ich mein eigenes Essen und die paar Büchsen Hundefutter für
Daisy selber tragen."
Eine 85-Jährige mit ihrem Hund, die den höchsten Berg der Welt a) im Alpinstil und b) im Alleingang besteigt, ist schlichtweg Humbug.

b) Die Homepage ist gespickt von Bildern, die zu massiven Zweifeln an der Ernsthaftigkeit des Unterfangens führen MÜSSEN. Beispiel? "Daisy und ich beim Spazier-training für den Everest" + entsprechenden Bildern, die die Omi bei komischen Stretch-Übungen zeigen. Erfahrene Alpinisten in köperlichem Top-Zustand bereiten sich monatelang gewissenhaft auf die Besteitung eines 8000ers vor.

c) Die rüstige Pensionistin hat, komisch, komisch, überall die neueste Mammut Jacke an. Auf jedem Bild ist sie damit zu sehen.

Aber ich gebe zu, dass ich gewissen Bergsport-Affinität habe. Habe ich die jedoch nicht, und es ist davon auszugehen, dass nicht alle Journalisten dieser Welt Bergsteiger sind, so muss ich im Zweifelsfall recherchieren, nachfragen, den Link der Homepage jemandem schicken, der sich besser auskennt, etc. etc.

So interessant und teilweise neuartig die Mammut-Kampagne ist, so sehr hat sich der Ausrüster meiner Meinung nach dadurch disqualifiziert. Wie soll ich jemandem und seinen Produkten vertrauen, der so kaltschnäuzig Medien und deren Leser verarscht. Medien lassen sich in der Regel nur einmal an der Nase herumführen. Der erzeugte Buzz ist die eine Sache, die möglicherweise negativen Konsequenzen durch Journalisten, die über die Aktion nicht lachen können, die zweite.

via: DER STANDARD

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3 Gedanken zu “Fake der Sonderklasse: Oma am Mount Everest

  1. Ist schon ok.
    Medien müssen halt noch lernen das im Internet auch Unwahrheiten stehen :)

  2. So kann man das natürlich auch sehen. Einer der wichtigsten Parameter der PR-Arbeit, wenn nicht gar der wichtigste, ist jedoch die Ehrlichkeit. Inwieweit das jetzt auch für Werbung und Marketing Gültigkeit hat bzw. haben sollte, kann ich nicht sagen. Was die Mammut Kampagne angeht, kann ich nur sagen, dass ich, wäre ich ein Medienvertreter, der dieser Ente aufgesessen ist, einen ziemlichen Groll hätte. Und dazu, dass sich die Kletterer ziemlich sicher über die Story amüsiert haben auch noch eine Anmerkung. Vor ein paar Jahren habe ich für die Salzburger Landesausstellung alle österreichischen BergsteigerInnen recherchiert, die bis zum 1.1.2000 auf einem der 14 8.000er gestanden haben. Als es darum ging, ob Bergsteiger xy auf dem Gipfel xy gestanden hat oder nicht, ging es ganz schön zur Sache. Ich habe mir gemerkt, dass (Extrem-) BergsteigerInnen das, was sie tun, ziemlich ernst nehmen… Danke fürs Reinschauen!

  3. Also, das mit der Oma finde ich einen absolut genialen Coup von Mammut! Ich selbst bin GF einer Werbeagentur und finde es super, wie die Kollegen es geschafft haben, eine sehr schwer erreichbare Zielgruppe mit kleinem Budget zu erreichen.
    Und – Hand auf´s Herz – wer das wirklch geglaubt hat, ist selbst schuld. So eine sympathische Übertreibung hat sicher seine Wirkung, auch hinsichtlich der Marke Mammut. Die Kletterer sind eine eigene, homogene Gruppe, die sich ganz bestimmt köstlich amysiert haben.
    In diesem Sinne – nimm´s nicht so ernst, lieber Ed