Auch im Journalismus: Google ist das Tor zur Welt

9. April 2006Ich habe auf die interessante Studie in Buchform mit dem Titel "So arbeiten Österreichs Journalisten" hier bereits hingewiesen. Am Wochenende hatte ich erstmals die Gelegenheit, mich mit den Inhalten etwas …


Ich habe auf die interessante Studie in Buchform mit dem Titel "So arbeiten Österreichs Journalisten" hier bereits hingewiesen. Am Wochenende hatte ich erstmals die Gelegenheit, mich mit den Inhalten etwas eingehender zu beschäftigen. Als PR-Treibender einerseits und als Blogger andererseits, sind mir dabei einige Punkte besonders aufgefallen:

  1. Die Suchmaschine Google nimmt bei den Recherchemethoden nach dem Telefon bereits den zweiten Platz ein.
  2. Für 94,8 Prozent der befragten Österreichischen Printjournalisten beginnt die Recherche zumindest manchmal mit Google
  3. Weblogs dienen bereits vier von zehn Journalisten als journalistische Quelle. Tendenz steigend.
  4. Und jetzt kommt’s: Die Studie belegt, dass sich Österreichs Printjournalisten im Schnitt täglich fast eineinhalb Stunden mit der E-Mail Kommunikation beschäftigen. Zur täglichen online-Ration kommen dann noch mehr als eineinhalb Stunden (!) hinzu, die im WWW verbracht werden.

ad 1) ich glaube, dass die Recherche über Google in den Redaktionen bereits gängige Praxis ist und dass sich viele, v.a. jüngere Journalisten BEVOR sie zum Telefon greifen erst einmal über Google ein Bild machen. Dazu, dass Google laut Studie "nur" auf Platz 2. rangiert, auch eine kleine Anmerkung: Wäre ich Journalist, ich würde nie und nimmer zugeben, dass ich Google gegenüber dem Telefon und dem darüber laufenden persönlichen Gespräch den Vorzug gebe, auch wenn es zehn mal so wäre. Das ist quasi eine Frage der Ehre. Jeder Journalist geht schließlich nach strengen Kriterien vor, wiegt ab, informiert sich aus mehreren Quellen, checkt gegen, etc., etc.

ad 4) die Studienergebnisse zur Online Zeit von Journalisten (E-Mail und WWW) verblüffen massiv. Und wenn ich davon ausgehe, dass die Zahlen stimmen, dann muss ich Presse- und Medienarbeit folgerichtig völlig neu denken und die vielfach praktizierte "gängige" Praxis kritisch hinterfragen. Ich muss dem Online-Bereich und hier insbesondere der "Mutter aller Suchmaschinen" (und ob ihrer Google-Relevanz natürlich auch Weblogs) mehr Relevanz und in der Planung kommunikativer Maßnahmen wesentlich mehr Raum geben.

Ich weiß, dass jetzt immer mehr Leute in den "Google ist wichtig"-Kanon einstimmen. Und auf gewisse Weise tu ich dies hier ja auch. Alleine, ich sehe in der heimischen PR-Branche kaum  Beispiele, wo Überlegungen dieser Art ausreichend Eingang fanden bzw. finden. Die Meinung, das Internet sein irgenwie unseriös (jeder kann hier schließlich sagen was er will…), neuartig (jetzt haben wir einmal eine Firmenhomepage und sind mächtig stolz darauf…) und mit den eingesetzten Kommunikationsmaßnahmen noch zu wenig kompatibel (am besten funktioniert halt immer noch die Presseaussendung oder ein gutes Hintergrundgespräch…), ist noch immer weit verbreitet. Und viele PR-Treibende bleiben einfach dabei, da kann eine Studie die immer stärker zunehmende Virtualisierung der journalistischen Recherche belegen wie sie will.

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4 Gedanken zu “Auch im Journalismus: Google ist das Tor zur Welt

  1. „Es wird immer Platz für den Recherche-Journalismus bleiben.
    Es reicht z.B. nicht aus, zu sagen:
    „Benedikt (Gottgeschickt), Katholischer Priester und Fan von Papst Benedikt (Gottgeschenk),
    hat seinen Sohn Mathieu (Gottgeschenk), per eidestattlicher Versicherung, aberkannt.“
    In Montabaur gibt es ein Amtsgericht, dass Söhne unter dem Kruzifix vaterlos niederschreibt.
    Warum kann keiner erklären.“

  2. Diesen zwischen Bloggern und Journalisten laufenden Wettstreit finde ich ziemlich übrig. Auch die Frage, ob Blogger Journalisten oder Journalisten Blogger sind, ist doch ziemlich einerlei. In der Informations- und Kommunikationswolke – nennen wir das Teil einmal einmal so – miteinander zu interagieren und voneinander zu profitieren (im Sinne von lernen) erscheint mir viel wichtiger. Ich teile die Ansicht, dass es kein gutes Zeugnis ist, wenn Journalisten ausschließlich googlen und uns das ganze dann am nächsten Tag als Zeitungsartikel vorsetzen. Aber eine solch einseitige Recherche kann sich in rennommierten Redaktionen in Wirklichkeit auch niemand leisten. Danke fürs Reinschaun Schlagloch!

  3. Nachbemerkung.
    Ein beliebtes „Spiel“ unter Bloggern ist, bei Google den Blognamen einzugeben, um zu sehen, an welcher Stelle bei den Suchergebnissen der Blogname steht. Beim Suchbegriff „Schlagloch“ kommen 128 000 Eintragungen und „Schlagloch.20six.de“ steht an erster Stelle. Die meisten Benützer waren wohl auf der Suche nach einem Straßenschlagloch, ein Schlagloch eben.
    Gruss schlagloch.

  4. Hallo,
    es gibt einen Streit zwischen den Journalisten und den Bloggern, wer „die Wahrheit“ sagt bzw. schreibt. Die Journalisten werfen den Bloggern vor, sie würden einseitig, nur ihre persönliche Sicht der Geschenisse berichten. Sie, die Journalisten, würden die Geschehnisse hinterfragen und von mehreren Seiten berichten. Bei Google nachzuschauen stellt den Journalisten kein gutes Zeugnis aus.
    Gruss schlagloch.