Voll subversiv

8. Juni 2006Es ist doch jedes Mal beeindruckend, zu sehen, wie die Fußball WM die Massen euphorisiert und welch hohe mediale Wellen "das Ereignisse der Ereignisse"alle vier Jahre wieder schlägt. Björn Hasse …


Es ist doch jedes Mal beeindruckend, zu sehen, wie die Fußball WM die Massen euphorisiert und welch hohe mediale Wellen "das Ereignisse der Ereignisse"alle vier Jahre wieder schlägt. Björn Hasse spricht vom MW-Overload und bringt es auf den Punkt wenn er ausspricht, was sich Millionen denken: Ich will endlich Fußball sehen!!!

Ich freu mich natürlich auch auf das, was da sehr bald über den Bildschirm flimmern wird. Trotzdem fühle ich mich angesichts des aktuellen WM-Geschreis geradezu dazu gezwungen, in die entgegengesetzte Richtungs zu blicken. Essato! Öffentlich zur Schau getragene WM-Verweigerung. In Zeiten wie diesen bestimmt als schwerst subversiv einzustufen. Auf die Schnelle fällt mir dazu der Österrreichische Buch und Papier-Riese Libro ein, der seine Romane hier  neuerdings keck unter dem Slogan "Fußballfreie Zone" feilbietet. Ja und dann ist da auch noch der Privatsender ATV+, der daraus, dass er sich die Übertragungsrechte für die WM nicht leisten kann oder will eine Tugend macht. Ich denke, eine sehr gelungene Tugend.

Atv

Und auch die heimische Lokalsuch-Plattform Lokaltipp.at macht neuerdings auf "fußballfrei". Das hat Charme. Es soll ja wirklich Menschen geben, die sich nichts aus Fußball machen und für die es entsprechende Reservate geben muss. Und voll auf seinen Charme setzt auch ein Bekannten, der derzeit solo ist. Er will während der WM gezielt durch die Lokale ziehen und massenweise Frauen kennenlernen, deren Partner (bzw. prospektive Ex-Partner) zu Hause vor der Glotze hängen. Das nenne ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und jetzt: Nur noch einmal schlafen…

3 Gedanken zu “Voll subversiv

  1. Gut, dass dann ja jetzt die neue Tageszeitung „Österreich“ kommt, wo es ja hauptsächlich um Fussball gehen soll, wenn man dem letzten Postwurf glauben darf… dann können sich die anderen Zeitungen wieder den „Randgruppen“ wie Kultur widmen.

  2. Apropos „aktuelles WM-Geschrei“: Hatte vor ein paar Tagen ein interessantes Gespräch mit einer älteren Dame, die sich in ihrer abonnierten Tageszeitung wegen des WM-Hypes schon seit Wochen nicht mehr wiederfindet. Ihr Argument: „Mindestens die Hälfte der Bevölkerung interessiert sich NICHT für Fußball.“ Ihre Klage: „Meine Interessensgebiete – Kultur etwa – sind wegen der WM-Fülle auf wenige Seiten zusammengepresst.“ Ihr (berechtigter) Einwand: „Ich muss mein Abo während der WM-Berichterstattung ja trotzdem zahlen.“ Meine Schlussfolgerung: Höchste Zeit, dass mehr Demokratie in die Medienwelt Einzug hält. – Gottseidank gibt’s Weblogs! 😉