Wikis im PR-Einsatz

30. August 2006Das Unternehmen MyWikiBiz bringt zahlende Kunden auf Wikipedia. Sprich, es veröffentlicht Artikel zum betreffenden Unternehmen auf der derzeit wichtigsten Web-Enzyklopädie. Das ganze kostet zwischen 49,- und 99 US Dollar und …


Das Unternehmen MyWikiBiz bringt zahlende Kunden auf Wikipedia. Sprich, es veröffentlicht Artikel zum betreffenden Unternehmen auf der derzeit wichtigsten Web-Enzyklopädie. Das ganze kostet zwischen 49,- und 99 US Dollar und hat in der Bloggosphäre bereits für einigen Wirbel gesorgt. Sogar von Wiki-Prostitution war dazu lesen. Nun, sein Unternehmen quasi eigenhändig auf Wikipedia oder andere Enzyklopädien einzutragen, das hat einen ziemlich faden Beigeschmack. Diesen Vorgang anderen zu überlassen und dafür auch zu bezahlen, halte ich unter Berücksichtigung einiger Punkte jedoch für legitim. Warum nicht? Bevor ein Unternehmen, eine Marke, von unbekannten Dritten "beschrieben" wird, kann es diese Aufgabe ja auch selbst erledigen bzw. erledigen lassen. Folgendes gilt es dabei jedoch zu berücksichtigen:

a) Bekanntheit / Größe: Das betreffende Unternehmen sollte eine entsprechende Bekanntheit erreicht haben. Der lokal, bestenfalls regional bekannte Landmaschinentechniker macht auf Wikipedia weniger gute Figur als der europa- oder weltweit vertriebene Energy-Drink.

b) Die Dynamik des Mediums: Wikis gleichen lebenden Organismen. D.h. der Eintrag muss entsprechend auf Änderungen hin im Auge behalten werden. Hier irgend etwas einzutragen und es dann wieder zu vergessen, macht keinen Sinn. Im schlimmsten Fall kann sich ein mutwillig geänderter Eintrag sogar gegen das Unternehmen richten. Darauf gilt es in der Beratung auch ausdrücklich hinzuweisen. Auf stabile, also unveränderbare Artikel, werden wir noch etwas warten müssen.

c) Unternehmerischer Wandel: Wenn sich Unternehmen verändern (Zahlen, Belegschaft, Kernmärkte, etc.), müssen selbstverständlich auch die Wiki-Inhalte einer neuerlichen Betrachtung unterzogen weden.

d) Content is King: Ein Eintrag auf Wikipedia muss anderen Kriterien folgen wie beispielsweise eine Presseaussendung oder ein Imagetext. Er muss entsprechend aufbereitet sein, sodass er überblicksartig informiert und dem Journalisten ebenso weiterhilft wie dem Schüler, der sich auf ein Referat vorbereitet.

e) Ressourcen: Ein Eintrag auf Wikipedia, entsprechender Umfang vorausgesetzt, verlangt Aufmerksamkeit. Das Verfassen des Artikels, die Beobachtung und die laufenden Updates einfach "an die Sekretärin" zu delegieren, halte ich für wenig zielführend. Nicht zuletzt auch deshalb scheint die Auslagerung dieses Jobs zumindest überlegenswert.

Auch PR-Agenturen nutzen Wikipedia und ähnliche Dienste (z.B. Wikiquote) bereits seit einiger Zeit. Etwa in die Richtung, dass in via E-Mail versendete Pressetexte entsprechende Links eingefügt werden. Besonders wichtig ist hierbei jedoch der effektive Mehrwert für den Empfänger. So rate ich etwa davon ab, in einer Presseaussendung auf Zitate rund um Worte wie Abschied oder Erfolg zu verlinken. Auch wenn dies zum Inhalt der Aussendung noch so gut passt. Solche Spielereien zielen ins Leere, da sie für das Gegenüber keinerlei konkreten Nutzen stiften.

Technorati Tags: Wikipedia, Wikis, OpenSource, PR

2 Gedanken zu “Wikis im PR-Einsatz

  1. Genau. Aber wenn wir schon in den gelben Seiten drinn sind, dann machen wir Wikipedia gleich mit. Kost‘ ja nix…