Wolfgang Rosam: Ein PR-Mann spricht Tacheles

16. September 2006Als ich heute in der Kleinen Zeitung, Österreichs zweitgrößter Tageszeitung, auf dieses Kommentar von Wolfgang Rosam stieß, glaubte ich zuerst meinen Augen nicht zu trauen. "Kärnten hat sich Besseres verdient …


Als ich heute in der Kleinen Zeitung, Österreichs zweitgrößter Tageszeitung, auf dieses Kommentar von Wolfgang Rosam stieß, glaubte ich zuerst meinen Augen nicht zu trauen. "Kärnten hat sich Besseres verdient – Exil Kärntner in Wien über Jörg Haides Sprach-Parolen" stand da. Zum Hintergrund: Der aus Kärnten (Villach) stammende Rosam machte erst die heimische PR-Agentur Publico groß, verkaufte sie später lukrativ und ist nun mit einer eigenen Beratungsagentur im Bereich Veränderungskommunikation tätig. Was mich am Kommentar wundert, ist die Schärfe, mit der Rosam seine Meinung hinsichtlich Landeshauptmann Haider, Ortstafeldebatte (gähn…) oder Nationalratswahlen 2006 kundtut. Beispiel:

Dank
einem völlig lahmen Verfassungsrecht verrückt der Landeschef
höchstpersönlich Ortstafeln und schreit die Parole „Kärnten wird
einsprachig“ (Download bild_2.png)
in die Welt hinaus. Er blamiert damit nicht nur sich
selbst (was mir egal wäre), sondern vor allem meine geliebte Heimat
(was mir nicht egal ist).

oder in Richtung des BZÖ Quereinsteigers Veit Schalle, dem nunmehr pensionierter Billa-Manager, der ja angeblich mit BZÖ-Spitzenkandidaten Peter Westenthaler mehr gemeinsam haben soll, als nur die Parteizugehörigkeit:

Und jetzt auch noch Veit Schalle. Jener Billa
Ex-Chef, der seine Karriere dem genialen Karl Wlaschek zu verdanken
hatte. Dieser Mann, der neue BZÖ-Quereinsteiger, bezeichnete allen
Ernstes die Kärntner Slowenen „als Gäste“, die froh sein müssten, hier
sein zu dürfen. Was für eine unfassbare, kranke Ansicht.

In Summe ziemlich harter Tobak würde ich sagen. Lange Zeit dachte ich, dass es Luxus ist, einen PR-Job zu machen und zu gewissen Dingen trotzdem eine klare Meinung zu haben. Schließlich geht es ja um Geld, Kunden, etc. Und wer weiß, beim nächsten Lobbying-Projekt fällt einem die eigene Meinung dann auf den Kopf. Lange Rede kurzer Sinn: Dürfen, sollen, müssen sich PR-Treibende in gesellschaftspolitischen Fragen klar positionieren oder sollen sie sich das in Hinblick auf kommende gute Geschäfte doch lieber verkneifen?

Würde mich echt interessieren wie ihr das seht. Ich jedenfalls finde beachtlich, wie Rosam heute öffentlich Stellung bezogen hat. Andererseits: Wirklich arbeiten wird der ja bestimmt nicht mehr müssen. Vielleicht ist es so leichter, zu sagen, was man wirklich denkt.

7 Gedanken zu “Wolfgang Rosam: Ein PR-Mann spricht Tacheles

  1. das passt schon. wie hieß der philosoph noch mal der sagte „lasst viele blumen blühn“? das hat schon was. Grüße!

  2. at Ed … eigentlich käse, wenn ein blogger oder texter zum andern sagt: hör mal, du schreibst über … statt über … das war etwas öd und ich sag sorry. das ist ja dann die allerdümmste elektronische bild-zeitung, wenn wir meldungen abschreiben. ich wollte den bwin-skandal ja anders schreiben, habe aber keine lust, dass mich androsch und bodner verklagen. so ist aus meiner story ein schwacher pseudo-leitartikel geworden.

  3. Hallo Hartensteyn! Danke für den Input. Ja, Rosam ist Legende. Mir gefällt es nur, wenn Leute aus dem PR-Gewerbe so öffentlich und so klar Stellung beziehen, also quasi anecken, unbequem sind. Ich dachte immer – aber wie das Beispiel zeigt unberechtigterweise – PR darf / sollte das besser nicht tun. Und wenn ich mir die versammelten österreichischen PR-Götter ansehe. Da lese ich wenig bis gar nichts über deren gesellschaftspolitische Sichtweisen. Die würden mich aber interessieren. Echt. Auch als potentieller Kunde dieser Damen und Herren hätte ich ein Interesse daran, wie die gewisse Dinge und Entwicklungen sehen.
    @ B-Win und der sich drehenden Blogsphäre: Es fällt immer mal wieder ein Fahhrad um, manchmal sogar in Chicago, was solls… Böse? Nein! Kärnten? Jederzeit gerne!

  4. (a) es heisst: Gastro – Kritiker und nicht „Gastro-Krtiker“ (b) Klagenfurt und nicht „Klsgenfurt“. Ich denke schneller, als ich zeitweise fehlerfrei tippen kann. Und La Menedetter heisst Dr. Dorothea M. und das war noch zu der Zeit, als Georg M.M. dort werkte (Senfbaron). Gracias.

  5. Nun, Ed … der Rosam ist eine Legende, aber er langweilt sich zu Tode und weiss nicht, was er zuerst machen soll: Gastro-Krtiker? Die eigenen edlen Weine beschreiben, die er kellert? Ich mag und kenne ihn seit Jahren … da war noch La Menedetter in der Publico … aber: Die Blogosphäre dreht sich, und Du schreibst über Rosam. Heute wurden die Bwin-Bosse (vormals „Betandwin“) in Monaco verhaftet. Das wäre ein Thema. Böse?
    Natürlich muss er nicht mehr wirklich arbeiten. Aber da ähnelt er David Ogilvy oder mir: Er kann nicht aufhören. Er kann nicht weg sein vom Fenster. Das ist es, was uns antreibt. Übrigens: Die Ja-Natürlich-Story verfolgen wir weiter. Es sieht im Moment so aus, als hätte Robert Basic recht: Die Leute springen nicht an aufs Corporate Blogging.
    Würde Dich gern mal treffen, wenn ich meinen Schwager in Klsgenfurt besuche.