Mehr Mut zur Online-Kommunikation

22. September 2006Normalerweise nicht meine Art, den Titel eines anderen Blog-Posts zu klauen. In diesem Fall erlaube ich mir jedoch eine Ausnahme. RR-Blogger Klaus Eck spielt damit auf eine Aussage von Google …


Normalerweise nicht meine Art, den Titel eines anderen Blog-Posts zu klauen. In diesem Fall erlaube ich mir jedoch eine Ausnahme. RR-Blogger Klaus Eck spielt damit auf eine Aussage von Google Deutschland CIO Stefan Keuchel an. Keuchel hatte mit Blick auf das Phänomen Corporate Blogging gemeint, Deutschland fehle es häufig an Mut, da bei neuen Technologien zunächst nur die Gefahren, nicht aber die Chancen gesehen würden.

Auch in anderem Zusammenhang orte ich große Zurückhaltung, ja sogar Furcht. Oft höre ich Dinge wie "Ed, du hast ein tolles Blog. Ich poste dort aber nicht, ich könnte mich ja bis auf die Konchen blamiere, ich kenne mich viel zu wenig aus". Zuerst denken, dann kommentieren, das ist einmal völlig klar. Trotzdem frage ich mich, woher viele hier Angst haben. Vor einer anderen Meinung? Vor einem kontroversen Gespräch? Was ist so schlimm daran, sich etwas erklären zu lassen, zuzugeben, sich hier oder dort nicht im Detail auszukennen, eine Frage in den Raum zu stellen, blinde Flecken auf der Wissenslandkarte zu haben? Wenn wir auch hier die Chancen sehen könnten, anstelle uns vor den Gefahren zu fürchten, die (Blog-) Welt wäre eine andere.

4 Gedanken zu “Mehr Mut zur Online-Kommunikation

  1. @Klaus Eck: Glücklicherweise gibt es hier in Europa (und auch in Deutschland :-) ) inzwischen Unternehmen und Personen, die etwas wagen.
    Auch wenn ich einige Zauderer kenne, so freue ich mich in letzter Zeit immer öfter darüber, aktive und kreative (und m.E. offene) Personen zu treffen.
    @Ed: Ich schaue hier gerne rein :-)

  2. Gegen den geistigen Diebstahl ist nichts einzuwenden *g*. Ich freue mich auf unser Treffen in Köln.
    Übrigens gefällt mir DocMorris Ceo-Blog eben gerade deshalb sehr gut, weil es beim Versandhändler anscheinend die Bereitschaft gibt, Kritik auch auf der eigenen Plattform auszuhalten. Immerhin erhielten zwei Blogartikel innerhalb kurzer Zeit rund 600 überwiegend kritische Kommentare: http://klauseck.typepad.com/prblogger/2006/09/docmorris_stell.html

  3. Stimme voll und ganz zu. Und wer Toppositionen erreichen will, in dem er nur ja keine Fehler, Schwächen oder weißen Flecken erkennen lässt, dem ist sowieso nicht zu helfen. Keiner will mit seinen Ideen scheitern. Doch tut man es doch, dann sollte man versuchen, es mit Würde und v.a. Wonne zu tun. Danke fürs Reinschaun Frank!

  4. Nach meiner Erfahrung sind Personen, die immer auf Sicherheit gehen (Alles richtig machen, nicht angreifbar sein), zwar die „Cracks“ auf ihrem jeweiligen Spezialgebiet – aber links und rechts davon sind sie blind. Wann immer etwas veröffentlicht werden soll, dann muss alles quer- und sichergelesen werden (natürlich von den anderen Spezialisten). Spätabends wird noch eine Formulierung angezweifelt und korrigiert und korrigiert – und die Mitteilung erscheint dann einen Tag später.
    Dabei geht es oft nur um Formulierungen und nicht um Inhalte. Gerade in der Kommunikation geht es sehr schnell um Themen, die nicht in das jeweilige Spezialgebiet fallen. „Man“ wird angreifbar, da es in unseren mitteleuropäschen Kulturkreisen verinnerlicht ist, ein Macher, ein Führer, ein Manager zu sein, der alles im Griff hat. Alles andere ist nicht „seriös“.
    Es gibt keinen „europäischen“ Traum, mit Ideen zu scheitern, aber mit der einen richtigen Idee im richtigen Augenblick zu gewinnen. Tatsächlich ist es das alte Europa, das denkt, zu viel verlieren und zu wenig gewinnen zu können. Und das ist ein wesentlicher Unterschied zu dem (US)amerikanischen Kulturkreis, der uns immer wieder verharren und Chancen verstreichen lässt.
    Ich bin mit meinen 45 Jahren immer noch ein „Spielkind“ und erfahre und lerne dadurch ständig Neues – andererseits habe ich auch keine Topposition bzw. Ruf zu verlieren…