Corporate Blogging: Ganz oder gar nicht

26. September 2006Am Rande der gestrigen Web2.0 Veranstaltung in Köln, führte ich ein interessantes Gespräch mit der sympathischen Geschäftsführerin einer Münchner PR-Agentur Internetagentur aus Bremen. Ihr Spezialgebiet liegt in der Beratung rund …


Am Rande der gestrigen Web2.0 Veranstaltung in Köln, führte ich ein interessantes Gespräch mit der sympathischen Geschäftsführerin einer Münchner PR-Agentur Internetagentur aus Bremen. Ihr Spezialgebiet liegt in der Beratung rund um die Nutzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien und deren Implementation in die Unternehmenskommunikation ihrer Auftraggeber. Für mich war sonnenklar, dass meine Gesprächspartnerin natürlich auch selbst begeisterte Bloggerin sei oder zumindest ihre Agentur ein Weblog betreiben würde. Dem war aber nicht so. Auf diesen Umstand angesprochen gab mir meine Gepsärchsparterin zu verstehen, dass es weder für sie noch für die Agentur in Frage komme, in Sachen Corporate Blogging halbe Sachen zu machen. Und die Agentur hätte derzeit einfach nicht die Ressourcen für ein eigenes Blog. Punkt.

Das nenne ich Konsequenz. Ich bin mir ziemlich sicher, dass man bei der betreffenden Agentur eine Top-Beratungsleistung in Sachen Web 2.0 bekommt. Warum? Weil sie sich mit diesem Thema bereits heute aktiv auseinandesetzt, etwa durch die Teilnahme an einschlägigen Veranstaltungen, wie jener in Köln. Andererseits kann man einem Kunden gegenüber wohl kaum besser argumentieren, dass ein Corporate Blog nicht nur schickes Spielzeug, sondern vielmehr ein ernst zu nehmendes Kommunikationsinstrument ist, das entsprechende Aufmerksamkeit benötigt und auch Ressorcen bindet. Besten Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch nach München Bremen!

13 Gedanken zu “Corporate Blogging: Ganz oder gar nicht

  1. Der BMW-Autoverkäufer der selbst einen VW fährt, der Coca-Cola Vetreter der Pepsi trinkt! Etwas verkaufen wollen das ich selbst nicht anwende bzw. einsetze, man muss sich hier schon bewußt sein das bei solchen Dingen, im Kopf des Kunden einige Fragen auftauchen, warum das so ist.
    Und keine freien Ressourcen, ist meiner Meinung wohl die leichteste Ausrede, vielleicht sollten sie sich mal ihre Arbeitsabläufe bzw. Arbeitprozesse ansehen, um Freie Blog-Zeit zu finden oder gibt es das nicht bei Internetagenturen?
    Sehen sie es einfach als „Optimieren 2.0″ oder „Loyalität zum Produkt 2.0″

  2. @Andrea: Ich nehme, dass niemand von den Personen, die hier mitdiskutieren, der Ansicht ist, eine Agentur, die kein eigenes Blog betreibt, deswegen keine professionelle Berataung machen kann. Ich finde aber, dass eine solche Agentur ein gewisses Glaubwürdigkeitsdefizit hat.
    Meine Meinung ist, dass Zeit kein prohibitiver Faktor für ein Corporate Blog – so wie für jede andere Kommunikationsmaßnahme – sein kann (darf). Es gibt sicher eine Reihe ganz gewichtiger unternehmenskultureller Gründe, warum man einem Unternehmen nahelegen kann/muss, lieber die Finger vom Bloggen zu lassen und erst einmal die eigene Hütte aufzuräumen (ich meine natürlich: die konkrete Ausgestaltung der Beziehungen zu den Anspruchsgruppen strategisch zu überdenken).
    Dass Blogs um des Bloggens willen kontraproduktiv sind, damit rennst du bei Daniela – und den anderen hier – offene Türen ein (wenn ich mir die Freiheit nehmen darf, nicht nur für mich allein zu sprechen).

  3. @dani
    moin – kein eigenes blog zu betreiben heisst nicht, das die agentur nicht schon für kunden welceh umgesetzt hat und in dieser richtung beraten hat.
    bei uns geht es um vielschichtige kommunikationskonzepte und blogs sind da manchmal ein teil davon.
    ich rate meinen kunden auch kein blog zu machen, wenn sie nicht sicherstellen können, dass es kompetente verantwortliche gibt, die für content sorgen und den blog lebendig halten.
    einen blog nur um des blogs willen ist kontraproduktiv – es kommt auf den inhalt an.
    wie ich im vortrag schon sagte: machbarkeit ist kein kriterium

  4. bin mir mittlerweile ehrlich gesagt nicht mehr so sicher, wie relevant beim die frage der ressourcen nun wirlich ist bzw. inwieweit sie als argument taugt. Andererseits kann ich dem Ansatz von Schulz schon auch etwas abgewinnen. Ich bin mir sicher, dass sie / ihre bremer Agentur mittelfristig auch selbst bloggen wird. Bis das so weit ist, schaut man sich die Geschichte einmal an und ist sich voll darüber im Klaren, was bloggen vom Aufwand her bedeutet. Ja, als Internetagentur, wie soll ich sagen, wäre es natürlich schon ein leichtes, ein paar mitarbeiterInnen zum bloggen zu bringen und so ein durchaus funktionierendes und lesenswertes blog auf die beine zu stellen. das stimmt sicher und es gibt viele beispiele dafür. aber vielleicht hat die betreffende agentur andere motive oder vorstellungen von einem corporate blog, die sich derzeit (noch) nicht umsetzen lassen. Eine Agentur die selbst nicht bloggt hat es natürlich ungleich schwerer, einen Kunden von einem Blog zu überzeugen. Als ausgeschlossen würde ich dies jedoch nicht bezeichnen. Entsprechendes Verständnis der Materie und Beherrschung der notwendigen Skills vorausgesetzt. aber genau das ist es ja, womit sich viele pr-agenturen schwet tun. die haben a) kein blog, beschäftigen sich b) mit den aktuellen entwicklungen in der kommunikation bestenfalls am rande und tun corporate blogs (deshalb) in weiterer folge c) als irrelevant ab.

  5. Ich muss mich auf die Seite vom Herrn Pirchner schlagen: wenn ich Web 2.0 Beratung will, dann nehm ich eine Agentur, die das selber schon in irgendeiner Art und Weise realisiert hat. Und wenn die Agentur dafür keine Zeit hat, dann würde ich mir denken, dass das Thema dann eben nicht so wichtig für die Agentur ist.

  6. Ach übrigens: Im letzten Satz deines Blogbeitrags:
    >Besten Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch nach München!
    steht immer noch München statt Bremen :-))

  7. @Ed: Ich halte die „Ressourcenfrage“ für bei weitem nicht so relevant, wie gemeinhin angenommen, sondern halte es da eher mit Debbie Weill. Das Zeit“problem“ wird zwar immer wieder genannt, aber wenn man vergleicht, wie hoch der Aufwand für Imagebroschüren, Pressekonferenzen, Jahresberichte, und was weiß ich für Kommunikationsmaßnahmen ist, der aber ohne mit der Wimper zu zucken geschluckt wird, dann ergibt sich für mich nur der Schluss, dass die Kosten-/Nutzen-Relation von Weblogs signifikant niedriger eingeschätzt wird als jener der klassischen, massenhaft erprobten (wenn auch mitunter bei weitem in ihrer Wirkmächtigkeit überschätzten) Kommunikationsinstrumente. Sicher sind Weblogs nicht allein-seligmachend; aber ein angeblicher Ressourcenmangel ist das schwächste Argument, NICHT zu bloggen. Oder ein Vorwand.

  8. @Andrea Schulz: Sorry! Bremen, natürlich Bremen… schon ausgebessert
    @Markus Pirchner: Ich denke, dass die Ressourenfrage eine für das Thema Corporate Blogging durchaus relevante ist. Mir ist jemand lieber, der sagt, Bloggen kostet einiges an Zeit und deshalb betreibe ich (derzeit) kein eigenes, als jemand, der sagt, ach, das machen wir so nebenbei… wir werden das Blog schon schaukeln… wozu dies führt, sieht man ja bei den mittlerweile eingeschlafenen Corporate Blogs. Worauf es mir als Kunde in diesem Fall ankommen würde, ist die Beratungsleistung und das Know-how.
    Wenngleich es natürlich weitaus leichter sein dürfte, einen potentiellen Kunden vom Einsatz eines Corporate Weblogs zu überzeugen, wenn man ein eigenes, gut funktionierendes und vernetztes Bog quasi vorzeigen kann (siehe etwa Klaus Eck). Gut erklärt und schlüssig dargelegt, muss es aber kein Nachteil sein, selbst über kein eigenes Blog zu verfügen. Vorausgesetzt der Kunde bekommt für sein Projekt genau das, was er im speziellen Fall benötigt.

  9. @Andrea: Bei Socken benötige ich keine Beratung, da bin ich firm und (möglicherweise) geschmackssicher genug. Beim Autokauf lasse ich mich sicher nicht von jemandem beraten, der/die nur Fahrrad fährt. Außerdem entscheidet das sowieso meine Frau, welche Karre angeschafft wird 😉

  10. hallo
    hier ist die Abstinenzlerin.
    artundweise ist KEINE PR-Agentur sondern Internetagentur und wir sitzen NICHT in München sondern Bremen.
    Wer Visitenkartenlesen kann ist klar im Vorteil 😉
    @Markus – kaufst du deine Autos oder Socken etc. immer direkt beim ‚Erzeuger‘ oder durchaus bei gut beratenden Verkäufern in den normalen Geschäften?

  11. Konsequenz ist die eine Sache, aber würdest du dir von einem Abstinenzler eine profunde Weinberatung erwarten?
    Und gerade im Bereich des Corporate Blogging, in dem neben der Angst vor dem Bloggen die (angebliche oder tatsächliche) Ressourcenknappheit als Hauptgrund genannt wird, warum eben doch kein Corporate Blogging stattfindet, ist die Münchner PR-Kollegin ja gerade der lebende Widerspruch zu ihrer Beratungsleistung. Wie will sie denn die Ressentiments ausräumen, wenn sie selber aus Ressourcenmangel (whatever) nicht bloggt?
    Verzichten wir auf Informationsaufnahme, weil das Lesen/Hören so viel Zeit in Anspruch nimmt? Verzichten CEOs auf Business, weil das Mittagessen und ein paar Runden Gold mit den Geschäftspartnern so ressourcenzehrend ist?
    Wie sagen die Amis so schön? Walk the talk!