Fake-Blog: PR-Riese Edelman im Kreuzfeuer der Kritik

17. Oktober 2006Wofür steht der US-Konzern Wal-Mart? Richtig. Für billige Produkte, schlecht bezahlte Jobs und letztklassige Arbeitsbedingungen. Mit einem Wort: Das Unternehmen hat ein mieses Image. Hier kommt auch schon die PR-Agentur …


Wofür steht der US-Konzern Wal-Mart? Richtig. Für billige Produkte, schlecht bezahlte Jobs und letztklassige Arbeitsbedingungen. Mit einem Wort: Das Unternehmen hat ein mieses Image. Hier kommt auch schon die PR-Agentur ins Spiel. Um zu zeigen, wie Wal-Mart "wirklich" ist und darzustellen, welche Gesichter und Geschichten Wal-Mart hat (hat da jemand bei Channel9 von Microsoft nachgesehen?), wurden Sites wie Working Families for Wal-Mart oder Wal-Mart Facts online gestellt .

Das Walmarting across America-Blog bzw. das was davon noch übrig ist, ist besonders "nett" gestrickt (und erinnert fast schon an die Oma auf dem Mt. Everest). Die Macher schickten dafür Jim und Laura auf die Piste. Mit Wohnmobil und – no na! – Weblog bewaffnet, kurvten sie kreuz und quer durch die USA, parkten vor den Wal-Mart Filialen und berichteten über Kunden und Mitarbeiter. Und jetzt kommts: In ihren Berichten steht kein böses Wort, alle interviewten Mitarbeiter sind von ihrem Brötchengeber begeistert, keiner beschwert sich, alle sind happy.

Jetzt ist keiner mehr happy. Seitdem bekannt wurde, dass es sich bei Wal-Marting um ein von Edelman gesponsertes Fake-Blog handelt, rauscht es gewaltig im Blogger-Wald und kommt die PR-Firma, die sich wie keine andere dem Thema Web 2.0 angenommen hat, gewaltig unter Druck. Der Boss, Richard Edelman, nimmt die Schuld auf seinem Blog reumütig auf sich. Steve Rubel, eingekaufter A-Blogger und Star in Edelmans PR-Imperium gibt sich kleinlaut und will in das Wal-Mart Projekt nicht eingebunden gewesen sein. Deshalb musste dazu er auf seinem Blog lange – zu lange wie manche meinen – schweigen. Den beiden Wohnwagen-Blogger, deren "wahre" Story nun an die Öffentlichkeit gezerrt wird, geht es nun auch an den Kragen. Und v.a. auch die Wal-Mart Leute, die nun statt einem verbesserten Image erneut den Scherben auf haben.

Unter dem Strich hat also niemand gewonnen. Ganz im Gegenteil. Wal-Mart hat eine weitere Schramme abbekommen. Sie werden aber darüber hinweg kommen, denke ich. Wie aber sieht es mit den Edelmännern aus? Welche Schrammen hat ihre Reputation – das bekantlich wichtigste Gut einer PR-Agentur überhaupt – abbekommen? Und wie, wenn überhaupt, kann sie diese wieder ausbügeln? Wie sieht es generell mit der Glaubwürdigkeit einer Agentur aus, die sich das Web 2.0 wie keine andere an die Fahnen geheftet hat? Und die für mich wichtigste Frage: Werden nun landauf landab PR-Agenturen mit dem Finger auf Edelman zeigen und kopfschüttelnd sagen: "Gott sei Dank ist uns das nicht passiert. Genau deshalb machen wir um das Thema Web 2.0 auch weiterhin einen schönen groooßen Bogen. Da weiß man doch wirklich nie, was einem blüht…"

Mehr dazu auch bei Robert, Don Alphonso und Patrick Breitenbach

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