Kommunikation Marke „unkontrolliert“

22. Oktober 2006Bernd Röthlingshöfer beschäftigte sich auf seinem Blog jüngst mir den Auswirkungen der Edelman Wal-Mart Kiste. Ich habe die Story und mögliche Implikationen auf die PR hier auch bereits kurz umrissen. …


Bernd Röthlingshöfer beschäftigte sich auf seinem Blog jüngst mir den Auswirkungen der Edelman Wal-Mart Kiste. Ich habe die Story und mögliche Implikationen auf die PR hier auch bereits kurz umrissen. Ein Kommentar von Rolf Schröder, Berater und selbst Blogger, auf das Posting ist interessant. Ich möchte ihn deshalb hier kurz diskutieren. Schröder sagt folgendes:

Die meisten Unternehmen die mir aus Binnensicht bekannt sind, sind zur
Zeit nicht in der Lage eine unkontrollierte Kommunikation ausuzuhalten.
Dennoch wollen sie es, sehen die Notwendigkeit und auch den Nutzen.
Meiner Meinung nach braucht es dafür Zeit (…).

Zeit. Klar braucht es Zeit. Woran ich mich aber v.a. reiben muss, ist das Wort "auszuhalten". Warum sind große Unternehmen derzeit nicht in der Lage eine unkontrollierte Kommunikation auszuhalten? Das verstehe ich nicht. Nehmen wir einmal an, es gäbe einen Hebel "Unkontrollierte Kommunikation ON" und einen "Unkontrollierte Kommunikation OFF" und Unternehmen könnten je nach Belieben die Kommunikation einmal kontrolliert, dann wieder unkontrolliert laufen lassen. (Da wird der eine oder andere CIO beim Lesen feuchte Hände bekommen…) Was käme dabei heraus? Nun, wenn es darum ginge, positive Botschaften möglichst weit hinauszuposaunen, dann wäre eine unkontrollierte Kommunikation quasi optimal. Megaphon ausgepackt und lost geht’s! Was aber, wenn es keine Botschaften gibt oder nur solche, die "schlecht kommen" über die wir nicht reden wollen? Richtig! Na darüber reden wir dann eben nicht mit unseren Zielgruppen. Dann kann auch nichts Unkontrolliertes dabei herauskommen. Basta! Und jetzt wieder back to reality.

Das Schlimme oder das Gute – ja nach Standpunkt – ist, dass sich die Frage "Wollen wir unkontrollierte Kommunikation aushalten bzw. zulassen, ja oder nein?" gar nicht stellt, im Grunde gar nie gestellt hat. Das Beste was Unternehmen also tun können, sofern sie dies denn wollen, ist es, sich mit dieser Realität auseinanderzusetzen, der Unkontrollierbarkeit von Information und Kommunikation mutig ins Auge zu blicken, sich damit anzufreunden. Überhaupt am Geschicktesten wäre es natürlich, würden sich Unternehmen daran machen, Lustgewinn aus den sich ändernden Kommunikationslandschaften und -strukturen zu erzielen. Dann bräuchten sie einerseits nicht mehr davon zu träumen, Botschaften, Marken, etc. auf Knopfdruck "aus dem Gespräch nehmen" zu können wenn es zu heiß wird und bräuchten andererseits auch keine Angst mehr haben. Vor was denn eigentlich Angst?

4 Gedanken zu “Kommunikation Marke „unkontrolliert“

  1. Vielleicht ist meine Aussage zum „aushalten“ ein wenig zu kurz geraten. Sie bezog sich auf die Dynamik innerhalb der Unternehmen. Unkontrollierte Kommunikation wirbelt nicht nur außerhalb der Unternhemen, sondern meist ebenso stark im Innenleben von Untertnehmen. Gibt es positive Kommunikation ist alles wunderbar. Alle im Unternehmen freuen sich und sind stolz. Wenn es aber Negatives zu berichten gibt, dann führt das innerhalb des Unternehmens zu Flügelkämpfen. Diejenigen die in offener Kommunikation einen Vorteil sehen,gegen die die es schon immer besser wußten und gleich davon abgeraten haben. Diese internen Prozesse müssen gestaltet und daraus entstehende Konflikte bewältigt werden.Die Unternehmen werden sich einer offenen Kommunikation nur dann stellen, wenn sie diese „innerlich“ auch verkraften. Anderenfalls werden sie weiter so tun, als sei bei ihnen alles toll, wunderbar und einzigartig.

  2. Das denke ich, ist das Hauptproblem, dass sich Kommunikation nicht mehr kontrollieren lässt, sobald sie das unternehmen verlässt (und manchmal nicht einmal innerhalb).
    Als Redaktionsleiterin war ich oft auf unangenehme Art und Weise mit Kommunikationsleitern konfrontiert, die versuchten, die Zeitungsartikel vor Abdruck zu kontrollieren. Dafür griff man zu jedem Mittel und begriff überhaupt nicht, dass der kommunikative Einfluss am Eingang zur Redaktion nun mal endet, obs passt oder nicht.
    Andererseits kenne ich aus einem aktuellen Beispiel die schon etwas beängstigende Eigendynamik der Kommunikation aus eigener Erfahrung. Als ich nämlich in der Blogosphäre durch die Veröffentlichung eines Zugangstricks (http://blogmitpep.blogspot.com/2006/10/von-null-auf-hundert-mit-einem-hack.html) auf einen Schlag bekannt wurde.
    Diese Dynamik kann schon etwas Schwindel verursachen…