Kirche einmal anders

9. November 2006Wenn man "Katholische Kirche" hört, dann geht einem eine ganze Menge durch den Kopf. Kirchensteuer, das Treiben im Priesterseminar von St. Pölten, das vor einigen Jahren durch die Gazetten geisterte, …


Wenn man "Katholische Kirche" hört, dann geht einem eine ganze Menge durch den Kopf. Kirchensteuer, das Treiben im Priesterseminar von St. Pölten, das vor einigen Jahren durch die Gazetten geisterte, der Name Kurt Krenn, einem besonderen Sympathieträger der Insitution Kirche, um nur einige Beispiele zu nennen. In Summe kommt "die Kirche" also als zeimlich verzopfte Institution daher, mit der sich heute viele nicht mehr identifizieren können oder wollen, obwohl sie getauft sind. Und auch in Sachen Kommunikation hat die Kirche meiner bescheidenen Einschätzung nach ziemlich großen Aufholbedarf. Aber es tut sich was.

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Neulich in Salzburg glaubte ich zuerst meinen Augen nicht zu trauen. "Offener Himmel – Infopoint Kirche" stand da auf einer Hausfassade. Und darunter: "Wenn sie eine Taufe, Erstkommunion, etc. zu feiern haben, wenn sie Fragen zum Kirchenbeitrag haben, wenn sie jemanden zum Zuhören brauchen, sind Sie hier richtig."

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Wow, dachte ich mir, das muss ich mir sofort näher ansehen. Drinnen angekommen, ließ ich mir bei einem leckeren Kaffee den Sinn und Zweck des Info-Points erklären. Ich war ziemlich baff. Verwundert darüber, dass sich die Erzdiözese Salzburg hier dazu entschlossen hat, ganz offensiv das Gespräch mit ihren Kunden zu suchen. Und was noch interessant war: Die Macher des Info-Points haben an die Fassade ein gelbes "i" auf blauen Grund gemalen. Mit der Folge, dass nun viele zur Türe hereinkommen, die einfach nach dem Mozart Geburtshaus oder anderen Sehenswürdigkeiten der Salzburger Innenstadt fragen. Das ist aber total egal, erklärte man mir. Schließlich sei die Kirche für alle da. Jedem wird geholfen, jeder bekommt eine Auskunft. Und möchte er über Kirche reden, na dann kann er das natürlich ebenfalls gerne tun.

Eine oder mehrere Schwalben machen noch keinen Frühling, ok. Wenn aber plötzlich solche Dinge, also echtes Zuhören und ein offener Dialog möglich werden, dann frage ich mich, ob ich mein Bild von der Kirche noch länger aufrecht halten kann.

4 Gedanken zu “Kirche einmal anders

  1. @fr. Virgil: schöner kann man es nicht auf den punkt bringen. es geht um dialog, um offenheit, um gespräch. egal ob online oder offline. danke für den beitrag!

  2. Solche neuen Ideen entstehen immer wieder……nur mit der Umsetzung ist das so eine Sache: da fehlts an Mut und Riskobereitschaft….das Tolle am Infoppoint ist, dass es eine Gemeinschaftsproduktion ist: Leute aus allen Lagern, Ecken und Enden, Kirchen, Kirchenkritiker, Ordensleute, Klöster, Caritas, Jugendliche und Institutionen…..alle haben eine Vision und wollen sie umsetzen.Und das Coole daran ist, sobald man zusammenarbeitet, wird sie Wirklichkeit- so auch beim Infopoint.
    Viele Grüße aus St. Peter/Salzburg, auf dessen Terrain sich der Infopoint befindet;-)

  3. Will mich mal für den tollen und positiven Artikel bedanken. Geschieht ja nicht allzu oft, dass positiv über Kirche berichtet wird. Kann nur alle mal einladen bei uns vorbeizuschaun – wir haben wirklich einen exzellenten kaffee. Als bis bald im infopoint