Christoph Chorherr: Mein Blog ist mein Hund

25. November 2006Mit Politiker-Blogs ist das ja so eine Sache. Da stehen Wahlen an und dann wird begloggt was das Zeug hält. Ist die Wahl dann gelaufen, bedeutet das in den meisten …


Chorherr_blog

Mit Politiker-Blogs ist das ja so eine Sache. Da stehen Wahlen an und dann wird begloggt was das Zeug hält. Ist die Wahl dann gelaufen, bedeutet das in den meisten Fällen auch den Todesstoß für das Blog. Beispiele gefällig? Wie wär’s mit Jörg Haider? Der letzte Blogeintrag stammt vom 1. Oktober 2006. Och, so ein Zufall. Waren da bei uns nicht Wahlen? Haider hat überhaupt das Kunststück geschafft hat, ein gänzlich linkfreis Blog zu führen. Oder Alfred Gusenbauer, dessen Blog derzeit gar nicht (mehr) erst erreichbar ist.

Christoph Chorherr ist da aus einem anderen Holz geschnitzt. Aufmerksam geworden bin ich auf sein Blog ja schon vor längerer Zeit. Mein Interesse weckte aber sein Gastkommentar im Magazin TheGap, in dem der Grünpolitiker sein Blog – nein Markus, nicht als online Tagebuch – als Hund (!) beschreibt. Ja, richtig gelesen, als Hund. Hier ein paar Auszüge:

Abgesehen vom finanziellen Aufwand hat mein Blog mit einem Hund durchaus viel gemein. Denn: Bevor man sich einen Hund (ein Blog) anschafft, muss man sich über Konsequenzen klar sein. Ein Hund (ein Blog) braucht Zuneingung und v.a. Zeit. Die Entscheidung für einen Hund ist so etwas wie ein Versprechen, eine Bindung für mindestens zehn Jahre. Man kann sich keinen Hund anschaffen, und dann nach ein paar Wochen "eigentlich keine Lust mehr haben", ihn in der Wohnung oder sonst wo wegsperren.

Vielleicht kann jemand meine Vermutung aufklären. Ich denke, Chorherr MUSS auch einen Hund haben. Woher bitte sollte er sonst soviel Insider-Informationen haben? Egal. Ich denke Chorherr hat – neben anderen Österreichischen Spitzenpolitikern – wirklich begriffen, was es heißt zu bloggen. Und speziell, was es bedeutet und auch BRINGT (ja, der Nutzen, verdammt noch mal!), als Politiker zu bloggen. Und das finde ich toll. Hier ein weiteres Zitat:

Ein Blog, gerade einer eines Politikers ist ein Versprechen: "Ich möchte mit Euch, Wähler/innen, Sympathisant/innen und Kritiker/innen ein Gespräch beginnen. Deswegen erhzähle ich Euch über meine Arbeit, leuchte ein bisschen hinein in diese so schwierig zu vermittelnde, aber sehr spannende Welt, die Politik heißt. Und ich freu mich über Eure Fragen, Eure Vorschläge, Eure Kritik, die mir wichtig ist, die ich in meine Arbeit einfließen lasse.

Ist das nicht genial? Vor allem finde ich den Zeit-Aspekt wichtig, den Chorherr nicht müde wird zu betonen. Gleich mehrfach geht er darauf ein, dass Bloggen auch viel Zeit kostet. Und auch der Nutzen, also das, was es Chorherr bringt, täglich eine halbe bis eine Stunde in die Bloggerei zu investieren, kommt mehr als deutlich heraus, wenn er beispielsweise sagt

Das für mich fast Zentrale, warum ich so ein leidenschaftlicher Fan des politischen Blogs bin: Wenn mir etwas wichtig ist, kannich es einfach publizieren. Ich muss mich nicht auf das Interesse der Mittler (Journalisten) verlassen, bin nicht an absurd verknappte Zeit gebunden (für ein Fehrnsehinterview hast Du meistens zirka 30 Sekunden Zeit, wie soll da z.B. die Energiewende erklärt werden?).

Und wenn man sich das Technorati-Ranking des chorherrschen Blogs ansieht, dann zeigt sich, dass das Blog des Grünpolitikers längst eine Schwelle überschritten hat, dass es zu einem ernstzunehmenden Kommunikationswerkzeug geworden ist. Auch darauf nimmt Chorherr in seinem Kommentar Bezug.

Und so wächst langsam, aber stetig eine immer größere Gruppe an Menschen, die sich für das interessieren, wofür ich mich interessiere: Stadplanung, Energiewende, Bildung, interessante Bücher, Medien, Technik, Creative Economy. Mit denen führe ich Gespräche; es entstehen aber auch Diskussionen untereinander.

Nennt mich euporisch, nennt mich was immer ihr wollt. Ich finde es echt beeindruckend, wie sinn- und nutzenstiftend ein Blog hier zum Einsatz gebracht wird. Nicht gegen das Jugendmagazin TheGap. Eine solche Story über das Bloggen würde ich gerne auch einmal auf den Wirtschaftsseiten unserer Tageszeitungen entdecken. Dann würden weniger Leute auf der Stellt treten, sich fragend "Blogs? Und was bringt das?"

8 Gedanken zu “Christoph Chorherr: Mein Blog ist mein Hund

  1. sorry, keine ahnung. am besten in der Redaktion anrufen. Aber nachdem ich aktuell gebloggt habe wird es irgndwann im Oktober oder November 2006 gewesen sein.

  2. Mein Blog ist mein Hund

    Diese Aussage stammt von Christoph Chorherr, bloggendem Kommunalpolitiker aus Wien. Und der gute Mann trifft es mit seiner Aussage verdammt gut. Ein Blog lebt davon, dass er regelmig ‚gepflegt‘ wird und von seinem Besitzer aufmerksam umsor…

  3. in einem punkt bin ich nicht deiner meinung: lopatka hat das bloggen begriffen? keine links nach außen, keine kommentare (nicht mal rund um den 1.10., das sagt doch alles, oder?), keine echten permalinks. nope, nicht begriffen.