Von Claims und spanischen Dörfern

1. Dezember 2006Einer meiner Lehrmeister schimpfte jedesmal fürchterlich, wenn ihm in Presseaussendungen, Redeentwürfen oder sonstigen Unterlagen unnötige Anglizismen unter die Augen kamen. Wobei "unnötig" relativ zu sehen ist. Ihm war jedes englische …


Einer meiner Lehrmeister schimpfte jedesmal fürchterlich, wenn ihm in Presseaussendungen, Redeentwürfen oder sonstigen Unterlagen unnötige Anglizismen unter die Augen kamen. Wobei "unnötig" relativ zu sehen ist. Ihm war jedes englische Wort ein englisches Wort zu viel. Basta! "Geht das nicht auf Deutsch auch?!", fuhr er dann aus der Haut.

Nun hat eine Agentur, die unter anderem mit der Kreation von Wortmarken (Claims) Geld verdient, für die Parfumeriekette Douglas etwas Interessantes herausgefunden. Nämlich, dass 34 Prozent der Befragten den Douglas-Claim "Come in and find out" nicht richtig verstehen. Das von einem Probanden zutage geförderte High Light war die Übersetzung "Komm herein und finde wieder heraus".

Es ist halt oft ein Kreuz mit den englischen Slogans. Aber auch anderen Top-Marken geht es nicht anders. Hier ein paar Beispiele von Werbebotschaften und dem, was die Konsumenten darunter verstehen.

Jaguar-Slogan: "Life by Gorgeous"
Übersetzung: "Leben in Georgien" oder "Leben wie George"

Zürich Versicherung-Slogan: "Because change happens"
Übersetzung: "Weil Chancen glücklich machen" oder "Weil man etwas wechseln kann"

Burger King-Slogan: "Have it your way"
Übersetzung: "Hast du deinen Weg?" oder "Nimm’s mit auf den Weg!" (das schmerzt mich als BK-Fan am meisten…)

Es ist also jeder gut beraten, doppelt und dreifach nachzudenken, wenn er sich einen Slogan für den neuen Copy-Shop oder die Würstchenbude um die Ecke überlegt. Es geht ganz schnell und die Sache wird mega peinlich.

via: WirtschaftsBlatt

6 Gedanken zu “Von Claims und spanischen Dörfern

  1. also ich finde den claim gar nicht so schlecht. schließlich drückt er aus, was sich viele kundInnen genau am point of sale denken bzw. denken sollen „ach was, das kauf ich mir jetzt. ich bin es mir wert“. verbrenn mir aber gerade mächtig die finger, kauf ich doch selten bis gar nie haarpflegeprodukte für frauen…

  2. …naja, manchmal sind die werber selbst nicht die begabtesten übersetzer, zumindest was das sprachgefühl anlangt. ich denke da an l’oreal und „because i’m worth it“, das im deutschen zum holprigen „weil ich es mir wert bin“ wurde.

  3. Ich darf da nur auf den alten Slogan von Douglas verweisen: „Come in and find out“. Ich hab mal in einer Studie gelesen, dass 40% aller Kunden das mit „Komm rein und finde wieder hinaus“ übersetzt haben.

  4. Versteht Ihr denn wenigstens JobJoy

    Als kleinen Nachtrag zu dem Beitrag von gestern ber das Blogger-Kauderwelsch lese ich gerade bei Ed Wohlfahrt ber die Ergebnisse einiger neuen Forschungsergebnisse zum allgemeinen Verstndnis der englischen Sprache.
    Nun hat ein…