Aus dem Hinterhalt: Bundesheer von YouTube kalt erwischt

5. Dezember 2006Auf Soldatenwallfahrten soll es ja lustig zugehen. Schon gar, wenn daran Vertreter des Österreichischen Bundesheeres teilnehmen. Das Treiben im französischen Lourdes wird mittels HandyCam gefilmt und steht wenige Zeit später …


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Auf Soldatenwallfahrten soll es ja lustig zugehen. Schon gar, wenn daran Vertreter des Österreichischen Bundesheeres teilnehmen. Das Treiben im französischen Lourdes wird mittels HandyCam gefilmt und steht wenige Zeit später auf der Video-Plattform YouTube. Die Folgen: Der Pressesprecher des Österr. Verteidigungsministeriums muss im Österreichischen Nachmittags-TV aufsalutieren und dort Rede und Antwort stehen. Und, die Mainstream-Medien, sprich die österreichischen Tageszeitungen, wie z.B. DIE PRESSE, überschlagen sich in ihrer Berichterstattung. Alles natürlich unter dem hübschen und wenig verfänglichen Motto "Saufen, grölen, randalieren – schlechte Sitten beim Österreichischen Bundesheer". Und last but not least: Die Jetti-Tant in Wien Meidling sieht sich in ihrer Meinung, beim Heer laufe es sowieso drunter und drüber voll bestätigt. Stand ja schließlich in der Zeitung!

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Besoffene Soldaten in Lourdes. Das fetzt und geht schön rein. Und eine vormals ausschließlich virtuelle Geschichte findet sich – flugs – in den gedruckten Ausgaben der Tageszeitungen. Jetzt könnte man natürlich sagen, die Geschichte sei völlig irrelevant, aufgeblasen, an den Haaren herbeigezogen, etc. Man könnte auch argumentieren, dass ein YouTube Video, das bis zum Zeitpunkt seiner Löschung bloß 2.326 Mal angeklickt und läppische vier Mal kommentiert wurde, das Bild der Landesverteidigung nicht annähernd ins Wanken bringen kann. Das stimmt wohl auch. Andererseits frage ich mich, warum das Heer nicht von sich aus tätig wird. Warum initiiert es bzw. ausgewählte Vertreter daraus nicht selbst ein "Gespräch". Warum nimmt es – man verzeihe mir die martialische Wortwahl – den Kampf um die Meinung im Web 2.0 nicht auf, wie es dies offline doch jederzeit tun würde? Solange das Bundesheer an dieser Front nicht maßgeblich verbessert, überlässt es das Terrain vermummten Blödmännern wie diesem hier. Und das ist eigentlich schade. Das Heer hätte doch wirklich einiges zu erzählen. Ach ja, und die breite, vernetzte Öffentlichkeit natürlich auch einige Fragen. Und das nicht erst dann, wenn wie im vorliegenden Fall die Kacke bereits mächtig am Dampfen ist bzw. die öffentliche Wahrnehmung der Institution Bundesheer eine weitere Schramme abbekommen hat.

Technorati-Tags: BundesheerYouTube, Web 2.0

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