Verschenkte Notebooks: PR-Gau im Hause Microsoft

29. Dezember 2006Wer bekommt nicht gerne etwas geschenkt? Ein edles Notebook zum Beispiel. Diesen einfache Überlegung haben auch Microsoft und deren aberschlaue PR-Firma Edelman angestellt, um das neue Betriebssystem Windows Vista ordentlich …


Wer bekommt nicht gerne etwas geschenkt? Ein edles Notebook zum Beispiel. Diesen einfache Überlegung haben auch Microsoft und deren aberschlaue PR-Firma Edelman angestellt, um das neue Betriebssystem Windows Vista ordentlich zu pushen. Und das ist ihnen auch gelungen. Bloggern wurden  nämlich Acer Notebooks (Modell: Ferrari 1000) zum Test anbeboten, die sie dann gerne auch behalten könnten, so das eMail.

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Man kann sich an einer Hand abzählen, für welchen Wirbel die Microsoft eMails gesorgt haben. Negativen Wirbel, um genau zu sein. Wie soll ein Blogger denn über Windows Vista schreiben, wenn er gerade ein nigelnagel neues Notebook (Kaufpreis: schlappe 2.000 Euro) geschenkt bekommen hat? Gut oder schlecht? Oder wird er seinen Leserinnen und Lesern gar sagen, dass er das Geschenk danken angenommen hat, dass seine Reviews zum neuen Betriebssystem aber dennoch ganz ehrlich ausgefallen sind. Trotz oder gefrade wegen des Geschenkes, sozusagen? Fragen über Fragen.

Und diese Fragen und die Debatte über das sonderbare "Blogmarketing" des Softwareriesen verbreiteten sich in der Bloggosphäre in Windeseile. Fazit: Microsoft machte – flugs – einen Rückzieher und verschickte präzisierende Botschaften, denen zufolge das feine Teil NICHT behalten werden dürfe und nach erfolgtem Test entweder zurück an Microsoft oder weiter zu einem anderen Tester zu schicken wäre. Peinlich, peinlich.

Jaja, es ist schon ein Krampf mit den Geschenken oder besser gesagt kleinen Aufmerksamkeiten für besonders wichtige Bezugsgruppen. Auch Journalisten können davon ein Lied singen. Dauern flattern Einladungen, edle Weine, Testhandys oder gar VIP Karten für Top-Events zur Türe herein.

Von meiner Seite dazu nur soviel:

a) Mit Public Relations hat das Verteilen von Geschenken und Vergünstigungen NICHTS zu tun
b) Jounralisten, Blogger, etc. die sich kaufen lassen sind "verkauft"
c) Hände weg von wie immer gearteten Geschenken!

Ein Blick über den Tellerrand hilft mitunter. Die APA (ich habe hier darüber gebloggt) oder auch die NewYork Times haben, was die Annahme von Geschenken anlangt, klare Richtlinien entwickelt, die es beiden Seiten leichter macht, mit dem Thema umzugehnen. Und den Edelmännern aber auch Microsoft würde ich dringend raten, sich das einmal anzusehen repektive durch den Kopf gehen zu lassen.

PS: Wie viel größt anzunehmende PR-Unfälle gehen sich für die PR-Agentur Edelman in diesem Jahr eigentlich noch aus? Jungs und Mädels, ihr habt nicht mehr viel Zeit!

via: Timo Heuer, Problogger und Robert Basic

7 Gedanken zu “Verschenkte Notebooks: PR-Gau im Hause Microsoft

  1. vor allem zu weihnachten :) ich frage mich aber, ob die reputation der einzelnen nicht schaden nimmt. da heißt es schon haarig aufpassen, auf das wichtigste aller güter der bloggosphäre. danke fürs reinschaun wolfgang!

  2. Scott Beale – einer der Beschenkten – bietet unterdessen sein Ferrari-Notebook bei einer Versteigerung auf eBay an. Der Erlös geht an die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF).
    Wann werden andere Blogger mit ihren „Weihnachtsgeschenken“ folgen? Digital Inspiration (selbst Empfänger eines noch nicht ausgepackten Notebooks) betätigt sich derweil schon als Blogger-Watchblog und verfolgt genau, was die anderen Beschenkten mit ihrem Vista-Ferrari tun.
    Der Blick auf diese Übersicht ist dann wieder ernüchternd: Die meisten behalten es einfach. Blogger sind halt auch nur Menschen, sogar an Weihnachten.

  3. Ja, du hast es erfasst. Hab ich mich unklar ausgedrückt? Also: Aktion = gut; Mehr Transparenz & klares How-To = noch besser. Aber: Notebooks nicht herschenken. So. Besser?

  4. Ich meine auch, dass – so nett ich es als bloggerin auch finden würde – ein geschenktes notebook schon ein eindeutiges signal ist. Man stürzt damit den blogger eigentlich in eine zwickmühle (die ehrlichen zumindest); sicherlich wird sich jeder über das notebook freuen, aber gleichzeitig muss sich auch jeder blogger gedanken über seine/ihre glaubwürdigkeit gegenüber seinen lesern machen. also: von vornherein transparent bleiben und auf geschenke verzichten. denke, dass die spendensache eine gute idee ist, die auch die alle beteiligten gut aussehen lässt (auch wenn es nicht darum geht..ich weiss). grundsätzlich finde ich die aktion gut und richtig – schließlich sind blogger die perfekte zielgruppe/tolle multiplikatoren für solche produkttests.

  5. sorry, für mich ist das Verschenken von sündteurer Technik oder auch nur das Angebot ein bewußt unternommener Versuch der Manipulation. Microsoft oder Acer nehmen bewusst in Kauf, dass sie das Notebook nie wider sehen. Sie schreiben sie also ab.Frage: Wann hast du zuletzt etwas geschenkt bekommen? So ganz ohne Hintergedanken? Richtig! Da muss Liebe im Spiel gewesen sein. Aber glaub‘ mir eines: Für keinen Konzern dieser Welt spielt Liebe irgendeine Rolle. Alles was hier zählt ist der Return of investment. Egal bei welcher Handlung. Und genau deshalb zielt auch das Verschenken treurer Hardware in eine ganz klare Richtung. Und jeder, der etwas engeboten bekommt, muss wissen, WAS dieses Angebot in Wirlichkeit bedeutet.

  6. bis auf das letzte detail war die aktion transparent aufgesetzt, schade.
    aber ein bewusster versuch jemanden zu manipulieren sehe ich nicht.
    es heißt ja auch im mail „.. du kannst, musst nicht…“
    ich denke solche aktionen wird es in zukunft vermehrt geben, erreicht man über ein paar pro-blogger doch schon mehr personen als über klass. ad-campaigns (zumindest in usa)
    rolf