Ich geniere mich

15. Februar 2007Dass manche Leute aus dem Umfeld des Kärntner Landeshauptmannes (BZÖ)  keinen Genierer zu haben scheinen, ist ein Eindruck, den man sich kaum erwehren kann. Neuestes Beispiel aus einer nicht enden …


Dass manche Leute aus dem Umfeld des Kärntner Landeshauptmannes (BZÖ)  keinen Genierer zu haben scheinen, ist ein Eindruck, den man sich kaum erwehren kann. Neuestes Beispiel aus einer nicht enden wollenden Serie von Angriffen gegen mißliebige Journalisten, ist diese, als "analytische Betrachtung" getarnte Aussendung des Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ).

Die darin angegriffene und auf derbste Art und Weise diffamierte Polit-Journalistin hat für ihr Wirken im Vorjahr übrigens den Kurt Vorhofer Preis, die mit Abstand wichtigste Auszeichnung, die einem österreichischen Journalisten zuerkannt werden kann, erhalten. Aber, und das ist ihr "Problem , sie ist kritisch und schreibt eben nicht das, was andere von ihr erwarten bzw. einfordern.

Es ist so hochnot peinlich für dieses Land, so schade für seine politische Kultur und wohl auch für uns alle, dass es hier politische Handlungstäger – oder wohl besser Kofferträger – zu geben scheint, die im Schutz des dumpfen "Wir sind Wir" – "Wir sind Kärnten" – "Wir schaffen an",  öffentlich permanent Dinge sagen dürfen,  die für sie letztlich ohne Konsequenzen bleiben bzw. mit einem achselzuckenden "Jo mei, so isses halt einmol" hingenommen werden. Und genau dafür geniere ich mich.

6 Gedanken zu “Ich geniere mich

  1. das ist so eine typische einerseits/andererseits-situation. auf der einen seite sind solche angriffe unerträglich und sollten konsequent öffentlich gemacht werden.
    auf der anderen seite werden wir tag für tag mit medialen rülpsern dieser art konfrontiert (man lese sich nur den heutigen austausch von freundlichkeiten zwischen fpö und bzö via presseaussendungen durch), dass es gar nicht mehr möglich ist, auf jeden zu reagieren.
    ich persönlich bin aber froh und dankbar für jeden beitrag, der solche meldungen öffentlich macht.

  2. habt ihr den schon mal gehört? wer schweigt stimmt zu, oder da gibt es auch den spruch von der schweigenden mehrheit. klar stimmt es, dass sich einige diebisch darüber freuen werden, wenn ihr gerülpse jedes mal wieder gecovert wird, klar. anderersetis sehe ich es aber auch als meine pflicht an, dinge, die ich nicht akzeptiere n kann, weil ich sie nicht akzeptieren will, zu thematisieren, sie beim namen zu nennen und hier an dieser stelle meine subjektive, möglicherweise geschäftsschädigende ja wahrscheinlich sogar völlig irrelevante meinung kund zu tun. die dinge werden meiner Meinung nach nicht dadurch besser, dass sie verschwiegen und nicht thematisiert werden. es gibt menschen, die verstehen keine andere sprache. die müssen wieder und wieder hören bzw. gesagt bekommen, dass sie daneben liegen, dass ihr standpunkt, ihr tun, etc. nicht jenem der mehrheit entspricht, etc. das ist diskurs, das nervt, da es immer und immer wieder geschehen muss. aber letztlich ist das doch auch demokratie, oder? Wie seht ihr das?

  3. Ed, wir haben gestern darüber gesprochen. Wer die handelnden Personen kennt, kann daraus nur eine Reaktion ableiten: keine. Sonst machen wir uns zu Mittätern in einem Konzept, das darauf beruht, dass sich irgendjemand immer angesprochen/betroffen/berührt fühlt. Nur so kann das System der Provokation funktionieren – auch wenn es sich langsam seinem Lebensende neigt. Antonia wird die OTS mit einem Lächeln auf den Lippen zu den anderen dieser Art gelegt haben, vielleicht hat sie sie auch gar nicht gelesen. Wie auch immer (und auch das habe ich dir gesagt) – welche Bedeutungen besitzen die Handelnden außerhalb von Kärnten? Eben. Genau so viel Bedeutung sollten wir ihnen auch zumessen.

  4. Die Strategie, die sich hier offenbart, ist seit Jahrzehnten dieselbe – mit dem Effekt, dass genau diese Angriffe Teil des Diskurses werden und damit neue Öffentlichkeit geschaffen wird. Solange es so einfach ist, Berichterstattung darüber zu erlangen, funktioniert das System. Und man könnte jetzt unzynisch fragen: Warum sollte jemand (s)eine erfolgreiche Vorgehensweise beenden? Waren die Angriffe überhaupt erfolgreich und wurden irgendwo abgedruckt? Wie sieht eine wirkungsvolle Gegenstrategie abseits der Betroffenheit aus? Ist durch solche Angriffe die Freiheit der Presse in Gefahr? Ich glaub nicht, dass sich gefestigte Journalisten davon beeindrucken lassen.