Mallnitz, wir haben ein Problem

23. Februar 2007Mallnitz ist ein malerisch gelegener Ort im Herzen des Nationalparks Hohe Tauern in Kärnten. Das sieht derzeit auch Google so. Doch damit könnte es bald vorbei sein. Was ist passiert? …


Mallnitz ist ein malerisch gelegener Ort im Herzen des Nationalparks Hohe Tauern in Kärnten. Das sieht derzeit auch Google so. Doch damit könnte es bald vorbei sein.

Was ist passiert? Ein Hotelier des Ortes konnte sich mit einer Reisegruppe, bestehend aus 99 Belgiern nicht über die Hotelrechnung einigen. Kurzerhand verweigerte er den Gästen das Frühstück und rückte ihre im Skikeller verstauten Bretteln nicht raus. Doppelt blöd, bei den derzeit in Mallnitz herrschenden traumhaften Pistenverhältnissen. Erst nachdem die Polizei eingeschaltet wurde, kamen die Gäste zu ihren Skiern, bekamen etwas zu essen und konnten auf die Piste. Ob dieser "unbezahlbaren Werbung" ist die Branche, insbesondere die ortsansässige Hotellerie und Gastronomie natürlich total aus dem Häuschen. Man fürchtet einen Imageschaden, der sich gewaschen hat und hat Angst, dass die belgischen Gäste fortan woanders Urlaub machen werden. Zurecht, wie ich denke. Wie sich das ganze online (zB Bloggosphäre, Google-Ranking, etc.) auswirken wird, wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen. Die belgischen Zeitungen haben die Story hier, hier, hier oder auch hier jedenfalls bereits dankend aufgegriffen und wettern gegen den heimischen Tourismus.

Mallnitz

Man sieht also: Online Reputation muss nicht immer nur einzelne Personen betreffen. Manchmal, und das ganz unvermittelt und schnell, steht auch die Reputation, das positive Image eines ganzen Ortes, Tales, einer ganzen Tourismusregion auf dem Spiel. Frage: Wie schützt man sich davor? Geht das denn? Welche vorgelagerten Mechanismen können sinnvollerweise zur Anwendung gebracht werden? Und vor allem: Dehnen sich Kommunikations-Krisen nun immer stärker auch auf den online-Bereich, auf die Welt von Bits und Bytes aus? Zumindest die letzte Frage kann angesichts des Missgeschicks aus Mallnitz wohl eindeutig mit JA! beantwortet werden.

5 Gedanken zu “Mallnitz, wir haben ein Problem

  1. @ Joe Beim Hotel mit den Kindern ist die Wirkung klar. Wenn viele hören, dass der bei sich im Hotel keine Kinder mag, dann kann sich das sicher auch sehr positiv auswirken. Auf andere Gästeschichten. Wer aber profitiert vom Verhalten des Mallnitzer Gastronomen? Kommen deshalb mehr Holländer oder Deutsche, wenn er Belgier schlecht behandelt? Ich glaube kaum. Die Debatte, ob Mallnitz nun mehr im Gespräch ist als vorher und ob sich das auf die Buchungszahlen auswirken wird, kann man so Daumen mal pi nicht beantworten, meiner Meinung nach. Mit dem Spruch „Schlechte PR gibt es nicht. hauptstache man steht in der Zeitung“ habe ich tendenziell Schwierigkeiten. Danke fürs Reinschaun!

  2. Hallo!
    O.K.Mallnitz hat ein Problem. Aber wieviele Urlauber von Mallnitz benützen das Internet und wieviele Mallnitzer benützen das Inernet? Dann gibt es noch die Gruppe von Menschen, welche schon immer gesagt haben, dass Internet bringt nichts Gutes.
    Gruss schlagloch.
    ps. Gibt es schon was Neues von „Mallnitz“ im Internet.

  3. Hallo Ed!
    Habe gerade via Hannes (Treichel) Blog davon erfahren und auch kommentiert.
    In den deutschen Medien hörte ich davon nichts. Eventuell habe ich es auch „überlesen“.
    Unglaublich, was so los ist – in good old A ;,))
    Liebste Grüße aus Berlin/Hamburg
    Ute

  4. OK. Auf alle Fälle eine absurde Aktion des Hoteliers mit nachhaltiger Wirkung. Nicht nur in Belgien, auch Ö3 hat sich ja gestern im Wecker umfangreich über „Mallnitzer Grotesken“ lustig gemacht.
    Doch hier nur eine „ketzerische“ Frage eines Tourismuswerbers zur Diskussion: Ist Negativ-PR manchmal nicht auch eine gute touristische Werbung? War vor der Aktion Mallnitz in Belgien oder Österreich auch nur annähernd bekannt?
    Positives „Negativ-Beispiel“ ist das Hotel Cortisen am Wolfgangsee. Über den Hotelier wurde in den Gazetten vor ein paar Monaten rauf und runter berichtet, weil er via PR-Aussendung verkündet hatte, künftig keine Buchungen von Gästen mit Kindern mehr annehmen wollte.
    Heute hat er eine ausgezeichnete Auslastung seines Betriebes und – zufriedene Gäste (weil lärmfreie Zone). Aus meiner Sicht, ist die PR-Aktion, wenn auch vielleicht ein wenig ungewollt intensiv, 100% erfolgreich gewesen.

  5. Kein Geld, kein Frhstck

    Weil ein Hotelier im Krntner Mallnitz 99 Belgiern als Folge einer Preisdiskussion seine Gste mit Ski- und Frhstcksentzug bestrafte, zeigen nach russischen Zeitungen nun auch belgische mit dem Finger nach sterreich….