Bitte bloggen Sie über uns

8. März 2007Damals als Parteisprecher wurden mir manchmal Presseaussendungen mit der Bitte vorgelegt, diese Korrektur zu lesen und dann zu verschicken. Besagte Aussendungen enthielten nicht selten den Vermerk "Wir bitten um Berichterstattung …


Damals als Parteisprecher wurden mir manchmal Presseaussendungen mit der Bitte vorgelegt, diese Korrektur zu lesen und dann zu verschicken. Besagte Aussendungen enthielten nicht selten den Vermerk "Wir bitten um Berichterstattung in ihrem werten Blatt" oder noch besser "Wir danken für die Berichterstattung". Diese "Würg-Passagen" sind von meinem Schreibtisch aus jedenfalls nie zu einem Journalisten vorgedrungen. Warum? Weil hier etwas vorausgesetzt oder, ganz paranoid gesprochen, der Journalist in die Pflicht genommen wird, den Pressetext ja nur irgendwie ins Blatt zu bringen. Die Zeile "Wir danken für die Berichterstattung" impliziert ja, dass der Absender davon ausgeht (bzw. sich einbildet, davon ausgehen zu dürfen) seine Zeilen wären es wert, abgedruckt bzw. in anderer Form berücksichtigt zu weden. Und dem ist natürlich NICHT so.

Machen wir nun einen Schwenk in die Welten des Mitmach-Internets (auch Web 2.0 genannt). Als Blogger bekomme ich ab und an Infos über Unternehmen und deren Produkte. Wenn ich dann aber lese "Es wäre schön, wenn Sie einen Beitrag über … schreiben und einen Link auf unsere Seite … setzen würden", dann turnt mich das total ab.  Und wenn ich darüber nachdenke, WAS mich daran genau stört, dann ist es nicht die Bitte selbst, sondern der  Beigeschmack, den ich schon bei den Presseaussendungen in meiner Zeit als Partei-Sprachrohr nicht mochte.

Der Journalist bzw. die JournalistIN (heute ist Frauentag!) werden sich, wenn ich interessante Infos zu bieten habe bzw. interessant texte, meine Aussendung durchsehen und vielleicht sogar darüber berichten. Möglicherweise in ganz anderer Form, wie von mir intendiert. Shit happens! Und auch Blogger werden, sofern die an sie herangetragene Sache für sie interessant und/oder für deren LeserInnen relevant (!) ist, natürlich darüber berichten. Ganz egal, ob das eMail nun mit der Schleife "bitte bloggen sie über uns und setzen ein paar Links auf unsere Seite" versehen war oder nicht. Soviel in aller Kürze in Sachen Blogger-Relations. Wie seht ihr das?

9 Gedanken zu “Bitte bloggen Sie über uns

  1. also eine Ausendung mit dem Verweis „streng geheim“ raubt sich selbst die Berechtigung bzw. führt sich imho klassisch ad absurdum. 12171 Aussendungen finde ich jedoch beachtlich :)

  2. Was, wenn man das genaue Gegenteil in eine Aussendung schreibt: „Bitte um strengste Geheimhaltung“
    Ich bin jetzt seit über sieben Jahren in dem Geschäft. Das ist mir aber noch nie untergekommen. Ich bin ja ein Jäger und Sammler, weshalb ich alle irgendwie relevanten Presseaussendungen vom Attachment befreie und aufhebe. In meinem Outlook-Ordner sind nun 12.171 Aussendung. In keiner einzigen davon stand das.
    Stattdessen bekommen wir jeden Tag so viel Phrasendrescherei, dass das Gute (Signal) im Schlechten (Noise) untergeht und man schon gar nicht mehr auf Aussendungen reagiert. 95% geht ungelesen entweder zum digitalen Müll oder in die Ablage.

  3. auch nicht schlecht, nach dem motto „ich bin ein ganz toller hecht! aber bevor du mich jetzt in dieser aussage bestätigst, bestehe ich auf eine freigabe meinerseits für deinen kommentar!“ ;-))

  4. bürstenabzug *g*..oder einen screenshot. naja, ich ignorier die mails bzw. die komischen formulierungen einfach. wenn was gutes dabei ist, danke und wenn nicht, dann nicht.

  5. @ bevor sie was ins netzt stellen: echt steil! und du schickst ihnen dann sicher ganz artig einen bürstenabzug von deinem blog-post zur freigabe :)

  6. Hallo Ed, seh ich ganz genau so. Wenn mir jemand etwas schickt und schreibt „vielleicht interessant für Dich“, dann klingt das viel besser. Dann schau ich es mir gerne an, und wenn ich denke es interessiert meine Leser, dann werde ich auch darüber bloggen.