CEO-Kommunikation: Hoch mit dem Visier!

16. November 2007Auf Einladung des Presseclub Carinthia, PR Club Kärnten und der Universität Klagenfurt war vor zwei Tagen Olaf Arndt, Maniging Partner der deutschen Kommunikationsberatung Deekeling Arndt Advisors zu Gast in Klagenfurt. …


Auf Einladung des Presseclub Carinthia, PR Club Kärnten und der Universität Klagenfurt war vor zwei Tagen Olaf Arndt, Maniging Partner der deutschen Kommunikationsberatung Deekeling Arndt Advisors zu Gast in Klagenfurt. Arndt schrieb gemeinsam mit Egbert Deekeling dieses Buch und beschäftigt sich auch im Rahmen seines Beraterjobs stark mit dem Thema CEO-Kommunikation. Hier die wichtigsten Aussagen und eine abschließende persönliche Betrachtung.

1. Die Zielgruppe, für die CEO-Kommunikation eigentlich gedacht wäre bzw. für die diese Art der Kommunikation in erster Linie interessant ist – die CEO’s nämlich – hat dafür wenig Verständnis. Die wenige Zeit die sie mit Kommunikationsaufgaben verbringen (wollen), stecken sie primär in den Bereich Finanzkommunikation. Motto: Wenn schon, denn schon.

2. CEO’s sind nicht nur Entscheider. Sie sind Projektionsflächen für Erfolg und Misserfolg von Unternehmen. Die Kommunikaiton von CEO’s ist ein wichtiger Parameter im Bereich der Erfolgswahrnehmung durch Dritte.

3. Nicht selten leben CEO’s innerhalb der Mauern des Vorstandes und haben kaum noch Alltagserlebnisse (!) zB. Was kostet ein Liter Milch? Wann hat mein Kind Elternsprechtag, etc.

4. Der Job des beratenden Unternehmens besteht unter anderem darin, die Voraussetzungen für eine möglichst hierarchiefreie Kommunikation zu schaffen bzw. diese über einen längeren Zeitraum sicherzustellen. Hier gibt es natürlich einen Widerspruch zur Quartalslogik also der Denke "nur" von einem Quartal zum nächsten.

5. Das größte Hemmnis im Bereich der CEO-Kommunikation bestehe laut Arndt darin, dass sich der Kunde dafür zu wenig Zeit nimmt.

6. Das Thema Eitelkeit ist im Bereich der CEO-Kommunikaiton ein Thema. Führungspersönlichkeiten sollten jedoch erkennen, dass es eigentlich ihre Pflicht ist, sich – durch die Implementierung daran anknüpfender Prozesse – in den Dienst des Unternehmens zu stellen. Ergo: Wer als CEO auf die Möglichkeiten der CEO-Kommunikations pfeift, lässt möglicherweise großes Potential liegen und pfeift damit a la longue auch auf das Unternehmen für das er/sie eigentlich tätig sein sollte.

Mit hat es logischerweise Punkt 4 angetan. Warum? Weil es hier um die Chancen und Möglichkeiten hierarchiefreie Kommunikation geht. Auf meine Frage, ob hier auch Social Media Tools zum Einsatz kommen bzw. seiner Ansicht nach Sinn machen würden, antwortete Arndt zurückhaltend. Ja, solche Tools würden eingesetzt, bergen aber auch die Gefahr der Abnützung des CEO’s meinte er, sofern ich ihn richtig verstanden habe. Wenn es aber doch so wichtig ist, für CEO’s einen Rahmen herzustellen, in dem Kommunikation auf Augenhöhe und möglichst ohne Hierarchien hergestellt werden kann, frage ich mich schon, warum im Rahmen des Vortrages Social Media Tools so gar keine Rolle gespielt haben und dass es nicht einmal Anzeichen dafür gab, dass damit wenigstens experimentiert wird.

Meiner Ansicht nach kam die Antwort von Arndt selbst, der in einem Nebensatz meinte, dass viele CEO’s dem klassischen McKinsey-Typus entsprechen und sich genau deshalb mit diesem 4. Punkt (hierarchiefreie Kommunikation) extrem schwer tun würden. Und dann beißt der Berater, der den Kunden CEO-Kommunikation schmackhaft machen will immer auf Granit egal ob diese online oder offline – oder natürlich am besten – über beide Welten laufen soll.

Die Nachteile sind zahlreich und liegen auf der Hand. Vertrauensverlust nach innen und außen, Abkoppelung von der unternehmerischen Wirklichkeit, ungenutzt bleibendes kommunikatives Potential, verschlossene Kommunikationskanäle, nicht oder nur spärlich vorhandene Sprechfähigkeit des betreffenden CEO’s um nur einige Aspekte zu nennen.

Ach ja! Gestern auf der Heimfahrt spricht im Autoradio auf Ö1 Mobilkom Austria-Chef Boris Nemsic über die Zukunftder Mobiltelefonie und gibt freimütig Auskunft darüber, wie viele Handys er mit sich führt, dass er ein eigenes Handy hat mit dem er zB mit seiner bosnischen Familie in Kontakt steht usw. Un das ganze auf eine entspannte Art und Weise, die ihn äußerst sympathisch rüber kommen lässt, die einem denken lässt, "mit dem würde ich gerne mal ein Bier trinken". Für mich ebenfalls ein sehr gutes Beispiel für gelungene CEO-Kommunikation die in ein ensprechendes Positioning mündet.

2 Gedanken zu “CEO-Kommunikation: Hoch mit dem Visier!

  1. ein interessantes Beispiel, keine Frage. Mich würde interessieren, wie das System intern angenommen wird, wie diese „hierarchiefreie Kommunikation“ in der Realität funktioniert. Oder anders, ob sich auch wirlich alle „trauen“ an diesem Dialog zu partizipieren. Würde darauf gerne auch mal einen Blick werfen…

  2. Wir haben bei Microsoft Österreich über einen Sharepoint ein Intranet samt Blogportal aufgemacht, in dem jeder Mitarbeiter gleich welcher Hierarchiestufe Neuigkeiten posten kann. Diese in Kategorien gefächerten Informationen sind einfach über einen RSS Feed zu beziehen, als Mail zu subskribieren etc.. wie es eben der Empfänger bevorzugt. Der GM benutzt dieses Portal genauso wie jeder andere seines Managementteams und dadurch gewinnt dieses Portal auch an Wichtigkeit und Präferenz, da auch wichtige Ankündigungen und organisatorische Änderungen geposted werden. Das stellt IMHO ein gutes Praxisbeispiel für hierarchiefreie Kommunikation innerhalb einer interne Blogosphäre dar.