PR 2.0: Strategische Kommunikaiton im Wandel

15. Januar 2008Ich habe während der vergangenen Feiertage einiges an Studien verschlungen. Eine davon ist diese hier, für die Prof. Dr. Ansgar Zerfaß und Dr. Mark-Steffen Buchele   1.087 PR-Entscheidern aus 22 Ländern …


Ich habe während der vergangenen Feiertage einiges an Studien verschlungen. Eine davon ist diese hier, für die Prof. Dr. Ansgar Zerfaß und Dr. Mark-Steffen Buchele   1.087 PR-Entscheidern aus 22 Ländern befragten.

Nach Meinung der Befragten PR-Entscheider verliert Pressearbeit für Printmedien während der kommenden Jahre signifikant an Bedeutung (Wie geht es den hier anwesenden PR-Leuten? Könnt ihre diese Meinung aus der täglichen Praxis her teilen?). Gleiches gilt für die PR-Instrumente Sponsoring, Events sowie Press- & Media Relations für TV und Radio. Einen überproportionalen Bedeutungszuwachs verzeichnen hingegen die Bereiche Online communication, Press & media relations: online, sowie Social Media.

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Die persönliche Kommunikation mit wichtigen Anspruchsgruppen, damit ist der Face-to-Face Dialog gemeint, gewinnt als Gegenpol zur online gestützten Kommunikation an Bedeutung bzw. kann seine Bedeutung als Kommunikatons-instrument auf hohem Niveau halten. Interessant ist auch, dass die Online-Kommunikation für Unternehmen sehr bald die Aura des Neuen verlieren wird. Und dies ganz einfach deshalb, weil die Kommunikation über das Netz, über eMails, über die Presse-Website, Chats und Blogs für Kommunikatoren immer mehr zum Alltagsgeschäft wird.

Auch der starke Trend zur Visualisierung innerhalb der PR wird in der Studie angesprochen. Während Agenturen in vergangener Zeit eher text- und bildlastig unterwegs waren, gibt es nun immer mehr Dialogpartner die Bewegtbilder nachfragen bzw. Inhalte auf diese Art und Weise aufbereitet bekommen wollen. Für PR-Agenturen heißt dies, dass sie sich auf diesem Gebiet zunhmend fit machen müssen, also beispielsweise auch die Produktion von Webcasts, Podcasts und Clips in Erwägung ziehen müssen. Der PR-Mensch also als multimedialer Wunderwuzzi ausgerüstet mit Aufnahmegerät und digitaler Betacam?

Die Beobachtung von User Generated Content (Stichwort: Online Monitoring) steht bei den Befragten hoch im Kurs. Das aktive Zuhören in Foren, Blogs und Portalen hat für die PR-Entscheider insbesondere die Funktion eines Frühwarnsystems bzw. die eines kommunikativen Radars.

Last but not least ist interessat, dass in der Studie so mancher PR-Verantwortliche zugibt, in Sachen Social Media und Online Kommunikation gerne mehr machen zu wollen, dabei aber an zu engen Personalressourcen scheitert. So heißt es in der Studie: "Mehrere Teilnehmer (…) haben zu wenig Mitarbeiter, um sich intensiv und aktiv mit dem schnellen technologischen Wandel un der Relevanz der neuen Kommunikationsforen auseinanderzusetzen." Das ist ja schon nicht ganz uninteressant, meine ich. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Kommunikationsarbeit in diesem Bereich (Foren, Blogosphäre, Portale, etc.) vom dafür erforderlichen zeitlichen Aufwand her in den meisten Fällen krass unterschätzt wird.

4 Gedanken zu “PR 2.0: Strategische Kommunikaiton im Wandel

  1. Was die Ressourcen-Ausrede anlangt stimme ich dir voll zu. Die wird halt gerne benutzt. Dennoch entfernen wir uns etwas von der eigentlichen Sache. Ich schreib die Passage der Studie nur mal stupide ab aus diesem Grund. Sie lautet:
    Ein Engpass sind die eigenen Personalressourcen: mehrere Teilnehmer der Studie haben zu wenig Mitarbeiter, um sich intensiv und aktiv mit dem schnellen technologischen Wandel und der Relevanz der neuen Kommunikationsforen auseinanderzusetzen. Andere sehen den Bedarf und würden gern mehr machen, werden aber z. B. in der Pharmabranche mit rechtlichen Hürden konfrontiert (S. 18).
    Meine Meinung ist die, dass es völlig egal ist, was nun schuld daran ist, dass bei den im Rahmen der Studie befragten PR-Entscheidern derzeit „nicht mehr geht“ in Sachen Social Media. Fakt ist, dass, sobald Kunden Social Media und Kommunikation „off the beaten track“ nachfragen, Lösungen auf den Tisch müssen. Wenn die Agentur XY das kann, na dann wird sie den Job eh machen zur vollsten Zufriedenheit ihres zahlenden Kunden. Kann sie es nicht, wird sie zuerst versuchen dem Kunden dieses Ansinnen auszureden (zu unsicher, Büchse der Pandora…, etc.) Will der Kunde es immer noch und die Agentur kann es nicht selbst, muss sie sich teures, externes Know-how holen, was in der Praxis ja auch passiert. Kann sie es nicht, tut nur so und vermurxt es und ein schöner österreichischer Blogsturm *g* kommt heraus, dann hat sie erst recht den Scherben auf und für das nächste Mal was gelernt. Aber nachdem du so viele Motivbündel aufgezählt hast: Ich denke, es wird schon von allem ein wenig sein.

  2. Ha, ich kann’s noch (den Ed in den Ring locken) :-)
    Nun denn, von welchen Ressourcen ist also die Rede? Materielle (sprich: Knödl, Gerschtl, Marie)? Dann gehen sich auch Spezialagenturen nicht aus. Zeit? Die PR-Menschen müssen (sollen?) ja eh nicht selber sozial networken oder bloggen oder was auch immer – jedenfalls nicht operativ; also kann’s das bisschen zusätzlicher Zeitaufwand nicht sein.
    Möglicherweise also doch die knappe Ressource Know-how. Wenn man sich diese natürlich nur 9to5 aneignen kann/will …
    Oder eben doch das liebe Geld; aber dann müsste wohl an erster Stelle eine Evaluation aller eingesetzten K-Instrumente stehen, nach ROI-Gesichtspunkten.
    Ressourcenknappheit ist eine kommode Ausrede.

  3. hi markus! freue mich dich zu lesen :) @ D.h. doch übersetzt ins Deutsche: Das Zeugs ist mir zu unwichtig, als dass ich einen Gedanken – oder gar eine halbe Stunde meiner Freizeit – daran verschwendete.“
    mich hätte zu diesem Aspekt in der Studie auch noch weiterführende Infos gefreut. aber ich denke nicht, dass man es so übersetzen kann. so wie ich die aussage verstehe – vielleicht liege ich auch falsch – geht es nicht darum, dass ein PR-Verantwortlicher sich zu einem eigenen Blog durchringt, sein eigenes facebook profil anlegt, etc. als vielmehr darum, dass er erkennt, dass das thema wichtig wäre, er es aber aufgrund knapper ressourcen nicht abdecken kann. also müssen spezialagenturen ran, könnte der schelm jetzt denken :) also verstehe ich das ganze mehr in die richtung „ich kann nicht“ statt „ich will nicht“. aber wie gesasgt, genau kann man es nicht sagen, da die studie in dieser ausgabe zu diesem aspekt nichts her gibt.

  4. Ich liebe Studien. Sie belegen alles, auch das Gegenteil :-)
    Das abgebildete Beispiel finde ich besonders kokett: Auf der einen Seite der Ist-Zustand (naja, mehr oder weniger), auf der anderen Seite der Kaffeesud für 2010. Ich halte die Perspektiven für 2010 mehr für eine Widerspiegelung von veröffentlichter Meinung und Hype als für das Ergebnis einer fundierten Langfristplanung.
    Und ad „gerne mehr machen wollen“. D.h. doch übersetzt ins Deutsche: Das Zeugs ist mir zu unwichtig, als dass ich einen Gedanken – oder gar eine halbe Stunde meiner Freizeit – daran verschwendete.
    Deswegen liebe ich solche Studien: Sie ersparen mir den Besuch beim Kasperl.