Mitt Romney: Zehn Fäuste für ein Halleluja

21. Januar 2008In meiner  Serie rund um die Verwendung des neuen Internets durch die Präsidentschaftskandidaten in den USA ist heute der erste Republikaner an der Reihe. Mitt Romney hat das Kommunizieren sicher …


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In meiner  Serie rund um die Verwendung des neuen Internets durch die Präsidentschaftskandidaten in den USA ist heute der erste Republikaner an der Reihe. Mitt Romney hat das Kommunizieren sicher gelernt. Als bekennender Mormone und Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage verbrachte er schließlich als 19-jähriger ein Jahr in Frankreich um hier von Türe zu Türe zu tingeln und die Heilslehre unter das französische Volk zu bringen. Romneys offizielle Homepage (http://www.mittromney.com/) wurde gerade völlig überarbeitet und strotzt nur so vor Video-Content. Zudem fällt auf, dass der Kandidat voll auf seine Familie setzt. Ein Umstand der nicht zuletzt auch im offiziellen Kandidaten-Blog sichtbar wird. Romney spannt hier seine fünf Söhne ein, die am Five Brothers Blog gemeinsam mit Mum und Dad in die Tasten hauen müssen. Sieht man sich die ersten Statements von Matt, Craig, Ben, Josh und Tagg (ihm wird das Taggen besonders leicht fallen) an, so zeigt sich, dass es ihnen unterschiedlich leicht fällt, hier mit zu tun. Offiziell sind natürlich alle gerne bei der Sache und vermitteln mit ihrem geschlossenen Blog-Auftritt vor allem eines: Familiäre Werte. Warum man den Blogposts keine Permalinks mit auf den Weg gibt, also jedem Post eine eigenständige Internetadresse zubilligt und das ganze damit einfacher verlinkbar bzw. teilbar macht, ist mir hingegen ein Rätsel.

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Wichtige Artikel der Site, zB über den Kandidaten oder seine Frau aber auch ganz normale Presseaussendungen können vom Betrachter mit ein paar Klicks entweder als eMail, als Message via Facebook, Digg oder Delicious weitergetragen werden, wodurch (zum Teil halböffentliche) Kommunikationsprozesse in Gang gesetzt werden die zwar zunächst keinen unmittelbaren Nutzen haben, in Summe jedoch trotzdem einen Wert erzeugen, der andere Nutzer interessiert (vgl.: Thomas Burg, PROFIL 3/2008, S. 77). Über dieses Feature ergibt sich sehr schnell ein online Gespräch, das dem Kandiaten nur recht sein kann. Schließlich macht er sich zum Gespräch, sorgt für Gesprächsstoff und bleibt damit laufend im Gespräch. Eine überaus wichtige Zutat für gutes Campaigning.

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Überaus gut funktioniert bei Romney auch die Einbindung bzw. das Andocken zu externen Blogger. So werden in der Rubrik Word On The Web Blogs aufgelistet, die sich auf die Kampagne beziehen. Natürlich kommen hier in erster Linie republikanische Blogger zu Wort. Verlinkt wird direkt auf den betreffenden Blogpost. Zusätzlich stehen wiederum Social Networking-Tools (Facebook) bzw. Bookmarkingtools (Digg und delicious) bereit, um die Message tiefer hinein in die online Community zu transportieren.

Auffällig ist, dass die Kampagne ganz ohne der Bilddatenbank flickr auskommt. Die Bilder Romneys werden auf einem anderen Tool gezeigt und können nicht kommentiert werden. Wenn man gesehen hat, wie virtuos sich andere Kandidaten dem virtuellen Bildaralbum Flickr bedienen, wirkt  Romeys Bilderalbum schon etwas altbacken. Aber vielleicht soll sich ja gerade dieser Eindruck beim Betrachter festsetzen. Dafür wird mit Videos kompensiert. Zu jedem erdenklichen Themenbereich finden sich darauf zugeschnittene Videoinhalte, die kombiniert mit Text- und Grafikmaterial in den Romney-Plan münden, der für jedes Issue die passende Lösung parat hält. Schade ist, dass in diesem Bereich der Seite keine Kommunikation stattfindet. Das gibt dem Romney-Plan den Touch in Stein gemeiselt zu sein.

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Im direkten Vergleich mit den Kampagnen-Seiten von Barack Obama und Hillary Clinton macht auch der Downloadbereich eher auf altbacken. Das Thema Widgets klammert Romney derzeit aus. In erster Linie kommen Banner, Buttons und  Bildschirmschoner zum Einsatz. Darüber kann man sich auch seine eMail Signatur oder seinen Instant Massaging Account mit Romney-Logos verschönern lassen. Bei den andereren Kandidaten ebenfalls noch nicht gesehen: Handout-Zettel. Quadratisch, praktisch, gut! Zu den wichtigsten Themen der Kampagne kann man sich hier pdf’s downloaden, farbkopieren und fertig. So kann sich niemand mehr herausreden von wegen, "wir bekommen ja kein Werbematerial…"

Social Media technisch ist Romneys Kampagne zwar nicht uninteressant, siehe  Integration von Facebook, Delicious oder Digg, darüber hinaus gehend ist sie aber auch nicht das absolut Gelbe vom Ei. Romney verzichtet auch auf eigene Kanäle auf YouTube, Flickr, MySpace oder FaceBook bzw. kündigt diese zumindest auf seiner Wahlkampfseite nicht an. Vielleicht hängt es auch mit den konservativen Werten und der vor Familie und Religion geradezu triefenden Aufmachung der Seite ab, dass ich für den Internet-Auftritt lediglich sechs von zehn Muffins vergebe.

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