Bewertungsplattformen: ÖHV will Mindeststandards

10. März 2008Es ist wirklich spannend, sich die laufende Debatte rund um die Online Hotelbewertungsplattformen anzusehen. Lange Zeit stand die Beherbergungsbranche dem Thema gegenüber wie das Kaninchen der Schlange. Aber es ist …


Es ist wirklich spannend, sich die laufende Debatte rund um die Online Hotelbewertungsplattformen anzusehen. Lange Zeit stand die Beherbergungsbranche dem Thema gegenüber wie das Kaninchen der Schlange. Aber es ist schon eine Harte Nuss, mit ansehen zu müssen, wenn einem Gäste beim Auschecken frech ins Gesicht lügen und bestätigen, dass eh alles gepasst hat, und am nächsten Tag vom geschützten Schreibtisch aus den Betrieb mit Schmutz bewerfen. Im besten Fall übrigens handelt es sich dabei um "echte" Kunden, also um Leute die auch wirklich im Betrieb übernachtet haben. Die Österreichische Hoteliersvereinigung (ÖHV) hat sich des Themas nun angenommen und führte für ihre Mitglieder einen Check der wichtigsten acht Online Bewertungs-Plattformen durch.Oehv_2

Auch eine aktuelle OTS-Aussendung  gibt es dazu. Dies mag in mehrer Hinsicht schlau sein. Wichtig ist  jedoch die Tatsache, dass es sich dabei um eine Form der professionellen Auseinandersetzung mit einem Thema handelt (Professionalisierung!), das so irgendwie nicht ins Webdesign, nicht ausschließlich ins Marketing, die PR oder die online Werbung ("aber wir machen eh Google-Ads"…) passen will.

Andererseits macht mir das ganze Geschrei um nicht gerechtfertigte Einträge in Bewertungsplattformen auch Bauchweh. Warum? Weil eine ganze Branche mit dem Mitmach-Web auf die denkbar negativeste aller Arten in Kontakt kommt. Zuerst das Fressen und dann die Moral, klar. Zuerst die Bettenburg voll bist unters Dach und dann können wir immer noch über Kundenbindung, Feedbackmöglichkeiten und Angebotsentwicklung nachdenken. Andererseits stellt sich hier die Frage nach dem Warum. Die Hütte ist eh voll. Wir scheinen also alles richtig zu machen heute. Und warum soll das morgen nicht klappen, wenn es doch heute so gut läuft?!

Der negative Zugang zum Social Web – über ebenfalls möglicherweise negative Kommentare und Bewertungen – hat nämlich einen Haken. Hab ich mir im Social Web einmal eine blutige Nase geholt, hab ich die Ohnmacht gespürt, die einen befällt, wenn man sprichwörtlich wie die Jungfrau zum Kind zu einer absolut üblen Bewertung kommt, dann will ich von den Chancen in den meisten Fällen nichts mehr wissen. Schublade auf, Schublade zu. Basta! User einbinden, nach ihrer Meinung fragen oder gar von Usern (Hotelgästen?) generierte Inhalte in meine Corporate Seite einbinden? Ja spinnt ihr denn alle!!! Und diese Reaktikon ist nur verständlich meiner Ansicht nach.

Ich weiß es ist naiv, einem Hotelier gegenüber zu sagen "sehen sie es doch sportlich und sagen Sie danke für das ehrliche Feedback", wenn ihm von einem "Gast" gerade übel mitgespielt wurde. Ich weiß aber auch, dass Hoteliers, Regionen, ja im Grunde die ganze Reisebranche reiche Ernte einfahren kann, wenn sie Social Media nicht genuin als Bedrohung einstuft, weil hier bekanntlich jeder sagen kann was er will. Ich denke abschließend, dass wir uns neben den Gefahren und rechtlichen Möglichkeiten, neben Forenhaftung & Co eben auch über diese Chancen unterhalten sollten. Darüber, wie wir über die Einbindung von Gästen Nutzen stiften, Kundenbeindung erzielen und möglicherweise den Unterschied machen zwischen dem Görtschitztal, dem Ammergau, oder dem Piemont und dem Billigflieger in die Bettenburg nach Tunesien. Und (auch) darüber würde ich gerne sprechen. Wer noch?

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5 Gedanken zu “Bewertungsplattformen: ÖHV will Mindeststandards

  1. danke erstmal ed, auch super dass man hier so schnell eine antwort lesen kann. :-) ja wär super wenn du mir diese liste schicken könntest. bin schon total fasziniert von dem thema.
    auch danke für das lob der homepage :-)

  2. @ Stefanie: ach by the way: du bist ja schon mitten drin in der online Kommunikation. Hab mir gerade eure Seite angesehen. Sie ist sehr ansprechend!

  3. Hallo Stefanie. Zuerst mal danke für das Feedback :) was die Herangehensweise an das neue Umfeld anlangt, schlage ich vor, sich Stück für Stück heranzuarbeiten. Das kann zB damit beginnen, dass ich auf qype.de, tripadvisor.com und anderen Portalen, wo auch Gastronomiebetriebe bewertet werden können aktiv werde, mir ansehe, was hier geschieht, mir einen Account zulege und vielleicht auch Dinge bewerte, die ich kenne, die mir gefallen. Auch Blogs – es gibt viele die sich mit Gastrothemen (eine Liste kann ich dir auf Wunsch schicken) beschäftigen – bieten eine gute Basis für die online Kommunikation. Aber ich kann dir nur empfehlen, eigene Erfahrungen zu machen und dir die Welt des Mitmach-Webs selbst zu erschließen. Alles Gute dafür!

  4. hallo ed, hab deinen vortrag im rahmen des e-day an der uni klagenfurt gesehen. ich und meine mutter haben ein kleines restaurant und hotel in kötschach-mauthen, was auch der grund war, warum ich dort war. vor allem dein vortrag hat mir total gut gefallen. ich habe den kleinen einblick, den ich dabei in die chancen des social-web gewonnen habe total spannend. die ersten infos zu dem thema waren tatsächlich hotel-bewertungsplattformen. und da hab ich wirklich auch als erstes die probleme gesehen. aber vor allem dein vortrag hat mich total neugierig gemacht auf die chancen und möglichkeiten.
    ich finde das ist ja eine ganz neue herangehensweise an kommunikation. und es bietet einem auch als unternehmer die möglichkeit zu lernen, mit kritik und den meinungen anderer umzugehen.
    wie man da jetzt herangeht, weiß ich natürlich nicht. hast du da irgendwelche tipps.
    liebe grüße

  5. Ich kann da Aussagen diverser Unternehmer (nicht nur aus der Hotelbranche) sehr gut verstehen. Um hier mal nur eine zu nennen: „Solche Bewertungen kann man sehr leicht manipulieren etc.“
    Ich glaube, dass Thema ist derzeit hoch brisant, denn einerseits werden Social Media gehyped, andererseits steigen auch hier wieder die Möglichkeiten der Manipulation. Was mich interessieren würde: Gibt es bereits Erfahrungen (empirische), die belegen können, wieviel Unfug und Fraud es in Blogs etc. gibt, wo bewusst der eine Unternehmer dem anderen Streuminen in seinen Blog etc. streut? Und mit welchem Argument überzeugt man Unternehmen , sich dem Thema Social Media zuzuwenden, ohne dass sofort „aber da kann man ja alles manipulieren“ erwidert wird?