Wenn fiktive Personen bloggen

8. Mai 2008Wenn man krank das Bett hütet, dann liest man eine Menge. Das ist zwar gut – man kommt schließlich selten genug dazu – andererseits auch wieder schlecht. Weil Fieber + …


Swiffer_2
Wenn man krank das Bett hütet, dann liest man eine Menge. Das ist zwar gut – man kommt schließlich selten genug dazu – andererseits auch wieder schlecht. Weil Fieber + Kopfweh + Lesen = Kopfweh x Kopfweh (also Kopfweh zum Quadrat!). Egal. Gestern Agend jedenfalls schmökerte ich wieder mal in Robert Scobles & Shel Israels "Naked Conversations", einem Buch, das ich jedem nur empfehlen kann. Und es ging in dem Kapitel gerade darum, was ein Blog so richtig mies macht. Der Umstand zB, dass man anstelle von echten Personen, also Leuten, die ein Gesicht und im besten Falle sogar eine Geschichte haben, irgendwelche Zeichentrickfiguren bloggen lässt, hinter denen sich dann echte Personen – also quasi "unechte" – verstecken können. Und dabei fiel mir eine Story ein, über die ich vor längerer Zeit mal hier am Blog berichtet habe. Dem Blog von Swiffer.

Auch hier ging eine fiktive, sprich unechte Bloggerin zu Werke und produzierte irgendwelchen Procter&Gamble Marketing Mist (ähem, meinte natürlich "Mix"…) Ich offe wenigstens, dass die umsetzende Agentur dabei kräftig cashen konnte… Und wenn ich mir Scoble so durchlese, dann passt das mittlerweile klammheimlich eingestellte Swiffer-Blog sehr gut zum (ebenfalls eingestellten) Blog der zum L’Oreal Konzern gehörenden Marke Vichy, der eine imaginäre Frau namens Claire bloggen ließ. Beidesmal klappte es nicht. Beidesmal konnten die kommunikativen Zielsetzungen, die Kontaktaufnahme mit einer wie immer gearteten passion based audience wohl offensichtlich nicht erreicht werden. Wieso sonst sind beide Blogs wieder von der Bildfläche verschwunden? Blogs leben nun mal von der Echtheit besser, dem wirklichen Vorhandensein und von der Autentizität seiner Autoren. Daran führt kein Weg vorbei. Andererseits können der einen oder anderen Agentur schon mal die Finger jucken, die dann so etwas vorschlägt, das seitens des Kunden, naja, nicht ein so übermäßig großes Envolvement erfordert, und doch in Richtung Social Media geht. Irgendwie zumindest. Dann gibt es einen Kunden, der zuerst "ja" sagt, später nach Ergebnissen fragt und außer (im besten Falle) Erregung in Bloggerkreisen meistens nichts an Outcome sieht. Und wenn etwas nicht funktioniert, na dann schließen wir das Kapitel einfach wieder. Klappe zu, Blog tot. Abschließend noch eine Gleichung: Klappe zu + Blog tot = Chance vertan

Links: Mehr zum Theme Vichy-Blog gibts auf GlobalNeighbourhoods

Ein Gedanke zu “Wenn fiktive Personen bloggen

  1. Mit Fake-Bloggern ist das so ein Problem. Meist sehe ich so etwas auf den ersten Blick – irgendwann erkennt man die Handschrift der „Kollegen“ blind.
    Ich weiss, Du bist ein sauber arbeitender PR-Profi, der solche Mittel nie eisetzen würde.
    Dilettantisch finde ich die ganze Aktion aus einem anderen Grund. Wenn man so etwas startet, dann gut vorbereitet und über mehrere Blogs verteilt. Gute Blogs, verschiedenes Alter, Plattformen, … Naja, so genau wolltest Du das gar nicht wissen ,)