Kununu: Arbeitgeber am Prüfstand

14. Mai 2008Es ist jetzt ein paar Jahre her, da saß ich in einem PR-Jour Fixe. Mitten im Gespräch beklagte sich der Kunde, dass das Unternehmen bei Bewerbern ein Problem hätte. Einmal …


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Es ist jetzt ein paar Jahre her, da saß ich in einem PR-Jour Fixe. Mitten im Gespräch beklagte sich der Kunde, dass das Unternehmen bei Bewerbern ein Problem hätte. Einmal quantiativ – es kamen einfach zu wenig auf die Idee, sich bei diesem Unternehmen zu bewerben, selbst auf großflächige Inserate hin; einmal qualitativ – weil die Bewerber, die dann beim Personalchef tatsächlich vorstellig wurden, oft nicht die gewünschten Qualifikationen mitbrachten.  Mit einem Wort: Das betreffende Unternehmen war unter denen, die es eigentlich ansprechen wollte zu wenig attraktiv und bekannt. Blöd, blöd!

Aber was tut man wirklich, um als Arbeitgeber entsprechend attraktiv zu sein? Ich meine neben einer fürstlichen Bezahlung, 10 Wochen Urlaub und täglicher Gratis-Maniküre für jeden Arbeitnehmer? Na gut von sich reden machen natürlich! Die Mitarbeiterleins happy machen und sie so dazu bringen, dass sie – ganz natürlich und glaubwürdig – Mundpropaganda für das Unternehmen machen. Was man noch machen kann: zB die interne Kommunikation verbessern, Anregungen einsammeln, zuhören, etc. Alles einfacher gesagt als getan!

Vor allem in Zeiten wie diesen, wo sich Arbeitnehmer eifrig unterhalten und so zu Botschaftern des Unternehmens werden. Am Chef, an der Marketing- und an der PR-Abteilung vorbei, die im STANDARD, und in den SN die Inserate schalten – die großen nämlich – in denen sie sich selbst erzählen, dass sie ein toller Arbeitgeber sind (und es sich am Schluss dann glauben auch noch).

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Dass die Gespräche von ArbeitnehmerInnen im Zeitalter des Mitmach-Webs auch online ablaufen, hat sich ein findiges Unternehmen aus Wien mit einer Web 2.0 Plattform namens Kununu zunutze gemacht. Hier mehr Infos zum Unternehmen.  Auf Kununu können sich Arbeitneher über ihre Arbeitgeber austauschen und diese bewerten. Ätsch! Wer sich anmeldet kann Unternehmen auf neue Kommentare hin auch ganz einfach beobachten. Sieht dann so aus.

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Tolle Sache! Mit ein paar Klicks ist man gescheider und kann so möglicherweise abstoppen bevor man einen Job antritt, der einem überhaupt nicht behagt.

Am Spiel steht nicht weniger als die Reputation von Firmen und ihr Standing als attraktiver Arbeitgeber.  Als PR-Verantwortlicher einer Firma XY würde ich mir das Portal gleich doppelt genau ansehen. Möglicherweise ergeben sich aus dem Feedback Chancen, die interne Kommunikation des Unternehmens zu hinterfragen oder dafür, die Außenwirkung in weiterer Folge so zu verbessern, dass man sich vor Blindbewerbungen gar nicht mehr retten kann, weil man einfach irrsinnig attraktiv ist als Arbeitgeber. Und wollen wir das nicht alle?

Und für alle die sich jetzt fragen WAS kununu heißt die Auflösung: Der Begriff stammt aus der Sprache der Suaheli, heißt "unbeschriebenes Blatt" und meint all jene Firmen, über die auf Kununu (noch) keine Bewertungen abgegeben wurden. Klever!

4 Gedanken zu “Kununu: Arbeitgeber am Prüfstand

  1. Liebe Alle,
    Danke für die wertvollen Hinweise – geplenkt wird jetzt nicht mehr 😉
    Es zeigt sich nach 11 Monaten und mehr als 8.000 Bewertungen, dass die Anzahl der negativen und positiven Kommentare ausgewogen ist. Das Stimmungsbarometer zeigt zurzeit einen Wert von 3,44 an (1=schlecht, 5=gut) – kununu.com kann deshalb nicht als Hetzplattform bezeichnet werden.
    Das Anlegen von Userprofilen werden wir zum Schutz unserer User nicht forcieren. Nähere Angaben sind auch deshalb so allgemein gehalten, damit es in 1-Personen Abteilungen nicht zu einer Identifikation des/der BewerterIn kommen kann.
    Führungskraft ist sehr allgemein gehalten und umfasst CEOs genauso wie Manager der 2., 3. Ebene …..
    Schon bald werden Firmen auf die kununu Bewertungen reagieren können. Die Einweg-Kommunikation wird dann der Vergangenheit angehören.
    Danke für den wertvollen Input.
    Gruß,
    Martin Poreda
    Gründer kununu.com

  2. hmmm habe bei ein paar firmen, wo ich einige mitarbeiter kenne, reingesehen. die angaben überraschen mich teilweise (in beide richtungen) und transparent ist es meiner meinung nach auch nicht wirklich, wer denn eigentlich die bewertung abgibt – ein chef, der die firma pushen will, ein frustrierter mitarbeiter, möglicherweise ein frustrierter ex-mitarbeiter oder gar ein mitbewerber? ja ich kann es dazu schreiben, aber felder zum ausfüllen sind nicht so transparent wie userprofile (eh problematisch von wegen ehrlich sein und auch mal was negatives abgeben und der chef sieht’s dann erst) oder sonstiges, da fehlt’s noch ein wenig.
    plus, wie kann ich als firma reagieren? ich sehe nur einen hinweis, das ich mich ja selbst registrieren könnte, damit ich das bild korrigiere, aber will man nicht auf etwaige vorwürfe einzeln eingehen können?
    eben gesehen:
    „Über den Bewerter:
    Jobstatus: Aktueller Job , Jobposition: Führungskraft“
    mit der bewertung:
    „Da Entscheidungen ausnahmslos von der Geschäftsführung getroffen werden, die aber selten anwesend ist, leidet die Motivation der Mitarbeiter sehr, was auch an der hohen Personalfluktuation erkennbar ist.“
    hat die führung sich eben selbst bemängelt oder ist das verhaute selbstkritik?
    so ganz durchgeblickt hab ich noch nicht :)

  3. naja, solchen Sachen steh ich etwas skeptisch gegenüber, denn wer lobt seinen Arbeitgeber denn schon? Und viele Großkonzerne haben es scheinbar schon in ihrer Firmenphilosophie, dass alle (Kunden als auch Mitarbeiter) leiden müssen. Die negativen Beiträge werden bei dieser Plattform die positiven wohl hundertfach überwiegen. So gesehen ist KEINE Bewertung wohl noch das Beste, was den Firmen passieren kann…