Politik2.0: Die Kampagne als virtuelle Agora

16. Juni 2008Im Wochenende Standard schrieb Tobias Moorstedt einen ausgezeichneten Artikel über Barack Obamas onliine Wahlkampf (Der Virtuelle Sieger, DER STANDARD, 14. Juni 2008, Album A3). Sein Fazit: Die Community-Plattform des Kandidaten …


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Im Wochenende Standard schrieb Tobias Moorstedt einen ausgezeichneten Artikel über Barack Obamas onliine Wahlkampf (Der Virtuelle Sieger, DER STANDARD, 14. Juni 2008, Album A3). Sein Fazit: Die Community-Plattform des Kandidaten mybarackobama.com hatte maßgeblichen Anteil daran, dass Obama bei den Demokraten das Rennen machte. Nun, ich denke, das kann man getrost unterschreiben. Interessanter für mich sind vielmehr einige Aussagen mit denen der Autor den Wahlkampf und die Kampagnenlogik von einst mit der modernen Wahlkampfführung online in Verbindung bringt.

Heute scheint es fast so, als müsse ein Kandidat ein Space sein, ein Raum, der von seinen Unterstützern bewohnt und belebt wird. (…) Der Zauberspruch verwandelt die hierarchisch organisierte Wahlakmpfmaschine, die Wähler einem Flächenbombardement mit TV-Spots aussetzt, in eine basisdemokratische Bewegung.

Warum mir diese Aussagen gefallen? Weil sie für die Politik gleichermaßen Gültigkeit haben wir für die Kommunikation von so vielen anderen Angeboten oder Produkten. Im Schaffen von Kommunikationsräumen wie es die Obama Kampagne mit mybarackobama.com aber natürlich auch mit dem Andocken an andere wichtige Social Networks und Communities im Mitmach-Internet getan hat und noch tut, erschließt man sich nicht nur an das vielbeschworene Wissen der Massen. Man ermöglicht Gespräche und ermuntert jene, die man vor wenigen Jahren noch als Stimmvieh (Stichwort: Stimm-Abgabe) gesehen hat auf den virtuellen Marktplatz zu kommen um sich hier an der politischen Debatte zu beteiligen. Gut. Ich kann mich alledem natürlich auch verschließen. Diskutiert wird aber trotzdem. Nur halt nicht auf meiner Couch sondern anderswo.

In der Ermöglichung von Kommunikation, in der Bereitstellung jener Tools, mit denen bzw. über die sich andere austauschen, miteinander in Dialog oder auf virtuelle Tuchfühlung gehen können, liegt enormes Potential. Social Media sind ein Schlüssel dazu. Und das nicht nur für Wahlbewgungen. Wer darauf setzt, geht automatisch weg von Massenbotschaften. Wer dies tut, der hört automatisch besser zu und ist auf wundersame Weise sensibler bzw. erreichbarer für "die Leute da draußen" und ihre Meinungen. Und es ist ganz egal ob das Produkt ein politischer Kandidat XY, eine Tourismusdestination, ein Hotelbetrieb, eine Bildungseinrichtung oder eine regionale Marke ist.

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