Unternehmenskommunikation im Social Web

18. Juli 2008Gestern Nachmittag führte ich ein Telefonat mit dem Geschäftsführer eines steirischen Unternehmens aus der Automotive-Sparte. Es ging um das mediale Erscheinungsbild seines Unternehmens bzw. darum, dass dieses heute längst nicht …


Gestern Nachmittag führte ich ein Telefonat mit dem Geschäftsführer eines steirischen Unternehmens aus der Automotive-Sparte. Es ging um das mediale Erscheinungsbild seines Unternehmens bzw. darum, dass dieses heute längst nicht mehr so beeinflust und bestimmt werden kann wie noch vor zehn Jahren. Mitten im Gespräch erzählte er mir davon, dass er neulich – über seine PR Agentur – einen Journalisten zu einem Hintergrundgespräch traf. Das Gespräch verlief  ohne besondere Vorkommnisse und auch der daraus resultierende  Artikel war schwer ok. Was meinen Gesprächspartner jedoch stutzig machte, war, über welche Informationen sein Gegenüber verfügte. Einige davon, sagte er, wären so fundiert, dass sie nur von einem absoluten Branchenkenner stammen konnten. „Der Journaliste wusste sogar darüber bescheid, dass einer unserer Zulieferer akute Probleme mit Mitarbeitern hatte, die ihm in Scharen davongelaufen waren“
Einige Infos des Journalisten jedoch waren so grundlegend falsch, dass er sich auch keinen Reim darauf machen konnte, woher diese stammen könnten.

Auf Nachfragen woher all diese Infos stammen, meinte der Journalist, dass er sich auf das Gespräch durch eine Google-Recherche vorbereitet und dazu auch in Automotive-Foren, in Newsgroups und Blogs recherchiert hat. „Soweit sind wir also gekommen“, sagte mein Gesprächspartner. Und im Grunde meines Herzens kann ich ihn damit verstehen.

Sein Unternehmen ist täglich mit Medienvertretern und vielfältigen anderen Anspruchsgruppen konfrontiert, die sich ihre Infos und damit ihre Sicht der Dinge über das Eingabefenster von Google auch aus dem Social Web holen. Die Firmenzeitung, die man Mitarbeitern und Anwohnern als Goodwill-Aktion nach Hause schickt, dient Interessierten bestenfalls noch als Ausgangspunkt für daran anknüpfende Recherchen. Ähnlich wie beim Journalisten, für den die offizielle Firmenhomepage nicht mehr war, oder besser sein konnte, als der Beginn seiner Infosuche.
Mein Gesprächspartner hat sich im Grunde selbst erklärt, warum die Medienumgebung des Social Webs ein Terrain darstellt, mit dem sich Unternehmen heute vermehrt auseinandersetzen müssen. Und Dinge, die man sich selbst erklärt, erzielen bekanntlich immer noch mehr Wirkung, als jene, die man von anderen auf’s Auge gedrückt bekommt.

2 Gedanken zu “Unternehmenskommunikation im Social Web

  1. kann sein, ja. worauf ich hinaus will ist aber, woher diese Infos oder nicht-Infos kommen, nämlich zum Teil aus dem Social Web. Danke fürs Reinschaun!

  2. vermutlich war das aber auch eine bewusste interview-strategie, den gespraechspartner mit heikleren themen zu konfrontieren, um interessante statements zu bekommen, koennte ich mir vorstellen.