Mundgerecht: Strategische Desinformation aus dem Radio

11. August 2008Neulich stolperte ich am Norddeutschen Rundfunk (NDR) über ein Magazin namens Zapp. Es beschäftigt sich mit der Grauzone zwischen Politik und PR sowie anderen Fragen der Ethik strategischer Kommunikation. Ein …


Neulich stolperte ich am Norddeutschen Rundfunk (NDR) über ein Magazin namens Zapp. Es beschäftigt sich mit der Grauzone zwischen Politik und PR sowie anderen Fragen der Ethik strategischer Kommunikation. Ein Beitrag handelte von einer deutschen PR-Agentur, die für eine SPD-Ministerin fix-fertige Hörfunkbeiträge verfasst und diese Redaktionen anbietet. Gegen Bezahlung versteht sich! Zapp ist dem Thema auf den Grund gegangen und hat herausgefunden, dass Schlenker-PR schon einige gesundheitspolitische Aspekte so mundgerecht aufbereitet und über den Äther geschickt hat. Ohne hier naiv sein zu wollen: Dürfen die das? Ist das redlich, oder handelt es sich dabei um ein Täuschungsmanöver der schmutzigsten Art? 

Nun ja vor allem deshalb, weil das Geld, das die Gesundheitsministerin zur "strategischen Information" – hier wäre wohl eher das Wort "Desinformation" angebracht, bekanntlich aus den Taschen der deutschen Steuerzahler stammt. Dem Steuerzahler, der sich einen Info-Beitrag aus dem Radio reinzieht und denkt, es handle sich dabei um einen journalistisch recherchierten, gecheckten und doppelt gecheckten Beitrag, dem er oder sie getrost Glauben schenken könnte…
Der PR-Agentur daraus einen Strick drehen? Ich weiß nicht recht. Diesen Aspekt würde ich hier gerne diskutieren. Die Agentur jedenfalls schreibt auf ihrer Homepage ziemlich genau, was sie kann und für ihre Kunden auch tun:

Lust auf Radio? Mit uns als Profis haben Sie Spaß daran! Wir sind eine der führenden Public Relations-Agenturen speziell für Hörfunk und bringen seit 20 Jahren unsere Kunden in ganz Deutschland "on-air". Durch gezielte Sonderwerbeformen und Below-the-line-Maßnahmen sorgen wir dafür, dass man von Ihnen hört.


Sonderwerbeformen… Below-the-line-Maßnahmen… Wenn's da nicht klingelt, wann bitte dann?? Dass man die Botschaft ihrer Kunden hört, setzt vor allem voraus, dass es zahlende Kunden gibt. Und hier ist insbesondere Ulla Schmidt zu fragen, warum sie Steuergeld für Information ausgibt, die in Wirklichkeit hätte als Werbung gekennzeichnet werden müssen. Ich denke, das ist es eigentlich, was wirklich mies ist. Hier macht sich jemand den Umstand zunutze, dass es Menschen gibt, die glauben, was in der Zeitung steht, aus dem Autoradio oder dem TV kommt. Hier geht es ganz klar aber auch um die Radiostationen bzw. Medienbetriebe, die sich solchen Praktiken gegenüber offen zeigen. Klar sind sie personell ausgedünnt, klar hat niemand mehr Zeit für Auswärtstermine und tiefgehende Recherchen, weil ja alles schnell gehen muss, die Zahlen stimmen müssen, etc. Aber immer die gleiche Entschuldigung für derartige Praktiken kann es auch nicht sein, oder?


Was ich mich auch noch frage: Ist diese Vorgangsweise in Sachen Hörfunk-PR so banal, uniteressant oder sogar bereits so common sense, dass fast niemand darüber schreibt? Die Bloggosphäre hat sich bis auf zwei löbliche Beispiele medienlese,  und das Blog "Mein Notizblock" (das den auf Technorati verzeichneten Post jedoch wieder heruntgergenommen zu haben scheint), dem Thema jedenfalls noch nicht angenommen. Aber vielleicht kommt das ja noch.


Hier weitere Infos zur Causa Schlenker-PR & Ulla Schmidt


Hier übrigens ein sehr interessanter Artikel zum Thema Schleichwerbung und PR-Praktiken der Marke "Borderline" auf der PRVA Seite verfasst online gestellt von Blogger und PR-Profi Markus Pirchner


Nachtrag: Hier doch auch noch ein anderer Blogpost den ich gerade zum Thema gefunden habe.

3 Gedanken zu “Mundgerecht: Strategische Desinformation aus dem Radio

  1. Stimmt leider, dass vielen dieses Thema irgendwie ziemlich „normal“ erscheint und kein großer AUfreger zu sein scheint.
    Es gibt allerdings noch ein deutsches Portal, dass sich mit diesem Themenbereich beschäftigt:
    http://www.fair-radio.de
    Unlauter sind m.E. nicht nur die Radiosender, sondern auch die PR-Firmen, denn schließlich wissen sie, was rechtlich möglich ist und was eben nicht. Hier schiebt man sich gegenseitig den schwarzen Peter zu, so nach dem Motto: die Agenturen bieten es ja nur an, die Radiosender müssens ja nicht spielen…

  2. Außerdem sägen die Medien, die solche Beiträge veröffentlichen, am Ast, auf dem sie sitzen, denn ihre Glaubwürdigkeit steigt dadurch nicht unbedingt.
    Aber wahrscheinlich ist das Geld, das sich so verdienen lässt, einfach zu verlockend.