eReputation: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!

19. August 2008Eigentlich sollte ich mich auf das am kommenden Wochenende stattfindende BarCamp Traunsee vorbereiten. In Wirklichkeit sitze ich jedoch vor einem Fall, der eines meiner Lieblingsthemen, das Management der digitalen Reputation …


Eigentlich sollte ich mich auf das am kommenden Wochenende stattfindende BarCamp Traunsee vorbereiten. In Wirklichkeit sitze ich jedoch vor einem Fall, der eines meiner Lieblingsthemen, das Management der digitalen Reputation betrifft. Wobei das Wort Lieblingsthemen hier wahrscheinlich weniger gut passt:

Die Frau, die mich gestern Nachmittag angerufen hat, sitzt im mittleren Management einer großen Österreichischen Bank. Sie hat ein Problem. Googlelt sie ihren eigenen Namen, so taucht sie in einem Zusammenhang auf, der sie als suchtgefährdet, genauer gesagt als alkoholabhängig ausweist. Ich kann mir vorstellen, wie gerne man auf Urlaub fährt, während die KollegInnen darüber tuscheln, ob man sich eher doch eine Entziehungskur befindet. Davon kann einem richtig übel werden. Was aber noch schlimmer ist: Der Eintrag, wie immer er auch ins Google-Suchergebnis gekommen ist, schimmelt hier schon Monate, wenn nicht Jahre vor sich hin. Das bedeutet, dass der Name meiner Klientin und die inkriminierenden Textpassagen mittlerweile auch auf anderen Seiten auftauchen. Google hat das natürlich sofort bemerkt und liefert auf die Suchanfrage nun nicht mehr bloß ein, sondern mittlerweile 24 (!) Treffer Es gibt hier also mehr als heiße Luft und ein Pseudoproblemchen während der Sommerzeit. Ich habe jetzt mehrere Stunden Recherche hinter mir und habe die betreffenden Seiten zur Löschung beantragt. Es bleibt abzuwarten, wie schnell Google hier vollendete Tatsachen schaffen kann.

Viel wichtiger ist es aber, und dies wird hier wohl jedem klar, dass es eben nicht einer narzistischen Nabelschau gleichkommt, seinen Namen, seine Firma hin und wieder mal zu googlen. Es ist jeder selbst dazu verpflichtet, danach zu sehen, wie der eigene Name auf Google abgebildet ist. Ich muss mich immer wieder wundern, wie verpönt es in manchen Kreisen heute immer noch ist oder zumindest zu sein scheint, nach sich selbst zu googeln. Für mich haben Gesprächspartner, die hier milde lächeln, von einer Web 2.0 Blase, von MySpace und dem vorletzten Spiegel-Cover ("Doof?") daher plappern schlicht und ergreifend nichts begriffen. Es sind genau die Leute, die dann irgendwann kreidebleich sind und fragen: "Ach und das sehen jetzt alle, die … auf Google eingeben, richtig?". Die Antwort lautet JA!

3 Gedanken zu “eReputation: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!

  1. Danke für deinen Beitrag, gutsyheron! Das erste Problem ist es mal, einen Ansprechpartner heraus zu finden. Dass die verschiedenen Portale keinen Bock darauf haben, mit erbosten Internenutzern stundenlang zu telefonieren ist klar. Ich finde es aber schon ziemlich krass, dass sich auf manchen Portalen keinerlei Ansprechpersonen oder Kontaktdaten, von Telefonnummern ganz zu schweigen, befinden. Manche, nicht alle, verbarrikadieren sich und scheren sich Nüsse um den Reputationsschaden anderer Leute. Ich checke das vorher rechtlich ab, obwohl wir uns in einer Grauzone befinden und interveniere dann über mehrere Kanäle gleichzeitig. Aber du hast natürlich recht, wenn du sagst, dass das Internet nicht vergisst. Auch hier geht es in weiterer Folge um die Schaffung eigener Inhalte, mit denen ich meine Trefferliste polieren kann und weniger gute bzw. schädliche Einträge nach hinten bugsiere. Das ist zwar Arbeit und kostet Zeit und Geld aber es hilft nichts.

  2. Hallo Ed.
    Tolles Thema. Bin mal gespannt wie erfolgreich Deine Anfragen für eine Lösung sind.
    Ich habe das schon unzählige male mit diversen österreichischen Portalen versucht. Portale die mich als Geschäftsführer verschiedener Unternehmen auszeichnen obwohl ich nur Administrator der Domain meiner Kunden bin.
    Aber da hast Du kaum eine Chance auf Rückantwort geschweige denn auf Löschung.
    Selbst bei kommerziellen Portalen wie http://www.compnet.at/ trifft man auf taube Ohren.
    Das die mit solchen Einträgen eine falsche Firmendatenbank führen und verkaufen interessiert die nicht.
    Anyway.
    Social Networks wie http://www.naymz.com bieten zahlenden Membern an, dass sie der erste Eintrag bei Google sind wenn nach dem Namen gesucht wird. Dort könnte man selbst solche Dinge klarstellen.
    Etwas dubiosere Angeboten gibt es von div. BotNetWork Besitzern die so viele unsinnige Einträge mit Deinem Namen bei allen möglichen Portalen machen, dass jemand der den Namen googelt überhaupt keine Ahnung mehr hat was stimmt und was nicht.
    Angefangen bei von Marsianern entführt über Wimbledon Gewinner bis zum Nobelpreisträger… in 10.000facher Ausführung.
    Und durch Webarchive wie Archive.org hat man das Spiel schon verloren bevor es überhaupt begonnen hat, denn selbst nach einer Löschung bleibt dort alles bestehen. Ist ja der Sinn von solchen aus dem Boden stampfenden Archiven.
    Eine skalierbare Lösung für das Problem wäre eine gute Basis für ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Ich würde nicht zögern meine Kreditkarte für so ein Service zu zücken.

  3. Hallo Eduard !
    Ich habe schnell meinen Namen gegoogelt und die Ergebnisse sind real, nichts erfundenes. Ist dies der Stoff aus dem die neuen Alpträume entstehen, was steht über mich bei Google?
    Gruss schlagloch.