Achtung: Reputationsfalle Tagclouds!

1. September 2008Ich muss vorausschicken, dass ich mit der Plattform 123people.at gerade Kontakt hatte und wirklich gute Erfahrungen machte. Abgesehen davon natürlich, dass sich auf der ganzen Seite keinerlei Telefonkontaktdaten befanden. Egal, …


Ich muss vorausschicken, dass ich mit der Plattform 123people.at gerade Kontakt hatte und wirklich gute Erfahrungen machte. Abgesehen davon natürlich, dass sich auf der ganzen Seite keinerlei Telefonkontaktdaten befanden. Egal, als ich die Nummer eines Ansprechpartners dann über Xing bzw. eine alte Presseaussendung gefunden hatte, flutschte es plötzlich. Der Rückruf klappte prompt und ein inkriminierender Link wurde auf 123 gelöscht – alles passte. Heute jedoch geschah etwas ziemlich Schrilles. Ich war wieder auf der Seite und checkte – nona! – minen eigenen Namen. Alles prima, keine betrunkenen Ed's irgendwo, passt. Stutzig machte mich jedoch die Begriffswolke, die ich auf "meinem" Profil bei 123people entdeckte. Sie sieht nämlich so aus…


Ed Wohlfahrt 123people.at


… hat mit meiner Person über weite Strecken also absolut nichts zu tun. OK. Sagen wir mal, jemand geht auf diese Seite, checkt meinen Namen und sieht in der Begriffswolke (Tag-Cloud) ganz groß den Namen eines Österreichischen Automobilclubs stehen. Unbedarfte Leute werden mich jetzt vielleicht mit dem betreffenden Automobilclub in Verbindung bringen (nichts schlimmeres soll mir passieren…), andere werden mich vielleicht fragen, He Ed, hast du mit denen etwa zu tun?" Und ich werde darauf sagen können "Nein, habe ich nicht".

Was aber mit denen tun, die das sehen und gleich für bare Münze nehmen? Und was vor allem tun, wenn mit meinem Namen plötzlich Dinge in Verbindung gebracht werden, die mir wirklich weh tun bzw. meiner Reputation schaden zufügen? 

Klar ist die Darstellung in Form von Kategorienwolken eine spannende Sache. Auf meinem Blog zB steht in der Wolke oben rechts alles, über das ich am Blog so schreibe. Und: Ich persönlich (!) habe Einfluss darauf, wie die Kategorienwolke aussieht. Auf 123people und ähnlichen Plattformen, die rund um einen Namen – ihrer Meinung nach relevante – Schlagworte gruppieren, habe ich darauf keinerlei Einfluss. Und das ist ein Problem. Eines nämlich, das direkt auf meine Online Reputation wirkt, und die ist mir viel wert!

Und selbst 123people, das für die Tagcloud verantwortlich zeichnet, sagen wir es so: diese graphisch darstellt und damit erst zum Leben erweckt, ist sich dieser, nicht immer einfach zu handhabenden Situation bewusst. Wie sonst lässt sich denn argumentieren, dass sich unter der Schlagwortwolke ein Link auf die kommerzielle Seite von Reputation Defender findet, der um schlappe 9,95 Euro / Monat vorgibt, auf meine Reputation aufzupassen?? 

Bild 7

Das macht doch auch Sinn, oder? Auf der einen Seite gibt es einen Dienst, der irgendwelche Schlagworte miteinander verwurstet und damit schon auch mal Zusammenhänge herstellt, die sich so in Wirklichkeit gar nicht darstellen. Und auf der anderen Seite steht das Unternehmen, das vorgibt, sich um meine Reputation zu kümmern. Quadratisch, praktisch, gut: Um 9.95 Euro halt pro Monat…

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6 Gedanken zu “Achtung: Reputationsfalle Tagclouds!

  1. Bei Personensuchmaschinen muss ich immer an „Die Geister die ich rief“ denken. Allesamt kämpfen sie jetzt damit, dass sie (falsche) Personenprofile erstellen und der sensibiisierte Nutzer das nicht gut findet. Lediglich die Ausflüchte sind unterschiedlich.
    Yasni kehrt die Argumentation dreisterweise um und behauptet, dass dank ihrer Hilfe ja nun die schwarzen Flecken der Vita gelöscht werden können (ebenfalls gegen Gebühr). „Wir lösen die Probleme die wir dir eingebrockt haben“…
    Auch wenn 123People mit Reputation Defender zusammarbeitet und Yasni mit dem Datenwachschutz… ihre eigene Reputation sollte den Betreibern sorgen machen… es wird nämlich schon schlimm über sie geredet. in Quellen, die nicht bei ihnen zu finden sind…

  2. ich finds generell dreist, das so anzubieten als „schau her, was wir alles zu einer person finden“ und unmittelbar bezahlbar den reputation defender anzubieten. macht’s den stalkern und dataminern doch wenigstens ein wenig schwerer.

  3. Hi Ed, klar, ich verstehe auch deine Argumentation. Ich glaube dennoch, dass die Gefahr der Reputationsgefährdung durch die Tagcloud nicht wahnsinnig groß ist und argumentiere mit einem Blick in unseren Support-Email-Ordner.
    Mir ist nämlich kein einziges Mail bekannt, in dem sich einer unserer User über die Tagcloud beschwert hätte. Die Leute sind, wenn überhaupt, unglücklich über Weblinks (aus Datenquellen, von denen sie vorher nichts gewußt haben) und über trotz Geheimnummer von der Telekom veröffentlichte Telefonnummern.
    Das ist jetzt ein bisschen eine Totschlagargument, ich weiss 😉 …

  4. Hallo Bernhard, danke für den Kommentar.
    Ich weiß, dass ihr nur abbildet bzw. zusammenführt, was ohnehin schon im Netz „ist“. Das tun andere auch und es ist selbstverständlich nicht unredlich. Will das nur mal auch festhalten. Andererseits entstehen aber gerade dadurch verzerrte Bilder, die von vielen Menschen einfach so mir-nichts-dir-nichts wahrgenommen werden. Von Menschen zb, die sich darüber genau keine Gedanken machen.
    Worauf ich hinaus will sind genau diese manchmal mehr, manchmal weniger verzerrten Darstellungen. Ja gut, ich habe auf einem anderen Blog etwas über den ÖAMTC geschrieben. Dass mich meine Schlgwortwolke dann aber auf den Begriff hin in dieser Form „abfeiert“, verstehe ich nicht. Andererseits: Hat eh ein gutes Image der ÖAMTC und Mitglied bin ich dort ja auch… Wisst ihr das?
    Ich weiß, dass sich die Technik hier rasant verändert und verbessert, aber um bei meinem Beispiel zu bleiben ist die TagCloud ziemlicher Schrott. Inkriminierende Begriffe finden sich darin ja nicht. Aber nehmen wir mal an, jemand engagiert sich ehrenamtlich bei den anonymen Alkoholikern oder ist in der Suchprävention tätig. Nehmen wir an, von diesem jemand gibt es Presseaussendungen via APA-OTS, in denen die Begriffe „Heroin“, „Kokain“, „LSD“ oder „Extacy“ vorkommen. Und nehmen wird dann mal an, die stehen dann in eurer TagCloud und der Betroffene will das so gar nicht. Dann macht es Sinn, dass er vom Reputationsdefender nur einen Klick entfernt ist, den er gar nicht bräuchte, würde es die verzerrte Tagcloude nicht geben. Aber ich gebe zu, die Diskussion hat ein wenig von „Henne und Ei“.

  5. Hi Ed, erstmal danke für das Lob wegen des Supports ;).
    Nun zum Thema Tagcloud. Die Tagcloud bildet die statistische Häufung von Begriffen zu einem Namen ab. Sie werden aus den Treffern in den „klassischen“ Suchmaschinen ausgewertet. Es ist also nicht die „unserer Meinung nach relevanten“ Begriffe, sondern ein statistisch ermittelter Wert.
    Über Sinn und Unsinn kann man natürlich streiten. Warum da jetzt genau die Begriffe zu deinem Namen kommen, müßte ich eruieren und kann ich aus dem Stand nicht sagen. Irgendwelche Zusammenhänge gibt es aber. Auf der ersten Trefferseite einer großen Suchmaschine kommt beispielsweise gleich mal ein Treffer, bei dem du einen Kommentar zum ÖAMTC-Blog abgegeben hast. Vielleicht kommt es aus der Ecke.
    Wichtig scheint mir auch, dass man versteht, dass die Treffer nicht immer exklusiv zu einer bestimmten Person passen, sondern zu mehreren – je nachdem, wie groß die Häufigkeit des Namens ist. Die Tagcloud läßt also keinen unmittelbaren, unbedingten Rückschluss eine bestimmte Person zu, sondern bildet eine Tendenz ab.
    Die Koop mit Reputation Defender hast du in den falschen Hals bekommen. Wir haben uns den Markt angesehen, welche Anbieter dieses Service am besten und seriösesten anbieten, und sind dann auf Reputation Defender gekommen. Wir hatten Anfragen von den Usern, wie sie Daten aus dem Netz bekommen, und da liegt es nahe, auf den aus unserer Sicht besten Dienst zu verweisen.
    Siehst du das anders? Ciao, Bernhard