Nationalratswahlen auf StudiVZ

3. September 2008"Heute ist der Tag der Wahrheit Willi. 21 Uhr ORF 2. hoffe du bist gut vorbereitet. LG HC", postete HC Strache (FPÖ) bzw. wohl einer seiner Helfer gestern auf die …


"Heute ist der Tag der Wahrheit Willi. 21 Uhr ORF 2. hoffe du bist gut vorbereitet. LG HC", postete HC Strache (FPÖ) bzw. wohl einer seiner Helfer gestern auf die Pinnwand von Wilhelm Molterer (ÖVP). Das lese ich zumindest in er heutigen Ausgabe der Kleinen Zeitung. Na toll. Molterer und Strache sind nun also auch in die Spähren des StudiVZ vorgedrungen. Klar, sind doch abertausende Österreichische Studenten hier. Und Wahlkampf ist auch. Also nichts wie hin. 

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Wie hinterfragenwert es mitunter sein kann, wenn Politiker auf das Parkett von Social Networks drängen, zeigt sich daran, dass Finanzminister Molterer erst sieben Tage, Strache gar erst zwei Tage lang einen Account auf StudiVZ haben. Aber für einen schnellen Jux, den man noch dazu gratis lancieren kann, ist sich in Wahlkampfzeiten niemand zu schade. Und Social Networks laden ja förmlich dazu ein. Ist doch eh alles Kinderkram hier. Oder doch nicht?
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Natürlich kann man jetzt sagen, das ist nicht mehr als ein sich gegenseitig Ärgern via Social Networking-Sites. Man kann aber auch sagen, das was so manche Politiker auf Social Networks abliefern ist unprofessionell, wahltaktisch zu kurz gegriffen und vor allem – und das ist Gift – absolut unglaubwürdig.

5 Gedanken zu “Nationalratswahlen auf StudiVZ

  1. StudiVZ ist erbärmlich schlecht programmiert und gestaltet. Schon mal versucht, in einer SV-Gruppe mit vielen Mitgliedern ein Mitglied, das zB auf Seit 45 der Mitglieder gelistet wird, anzuklicken und dann zu Seit 45 zurückzukehren? Keine Chance, man landet gnadenlos auf Seite 1 und darf dann, falls man noch Lust dazu hat, sich wieder bis auf Seite 45 vorklicken. Und dass StudiVZ auch eine Plattform für Notgeile und Geisteskanke ist (Gruppen wie „Zeigt her eure Möpse“ und „Wer pisst mir ins Maul“), gibt mir auch zu denken.

  2. hast wohl recht… Politikwissenschaftler und ehemaliger Politpressesprecher bin ich ja dann auch noch. Zu viele Herzen in einer Brust. Ich denke nicht, dass die JungwählerInnen derart weltfremd sind, dass sich nicht merken, dass sie hier im überwiegenden Teil mit Redakteuren „sprechen“. Viele Politikerblogs und deren Foren schlafen am Wahltag ein. Man kennt das und ich finde es schlicht und ergreifend unseriös, halbherzig geführte Gespräche zu beenden, wenn sie mir nichts mehr bringen. Egal ob online oder in der richtigen Welt… strategische Kommunikation, das ist politische Kommunikation in Wirklichkeit hat imho über die Strecke zu erfolgen

  3. Ich glaube, du tappst da ein bisschen in die Ego-Falle (in Bezug auf Beruf/Erfahrung/Alter/Bildung/etc.)…
    Stell dir vor, du wärst 16 Jahre alt, wahlberechtigt und durchschnittlicher Studi-VZ bzw. Mein-VZ User. Würdest du dir dann wirklich Gedanken über Glaubwürdigkeit machen, und wäre es für dich wirklich Thema, ob und was wer aus der Politik in der Online-Kommunikation so vergessen, versäumt oder sonstwas hat? Mein 16-jähriges Mini-Me sagt eher nein…
    Ich kann mir leider schon vorstellen, dass ich eine Studi-VZ bzw. Mein-VZ User von dieser „Volksnähe“ angesprochen fühlen, es einfach saucool finden, wenn die Politiker sich auch im X-VZ herumtreiben und eine lockere Zunge führen…
    Bin schon gespannt, was uns die Statistiker nach der Wahl über die Jungwähler alles sagen werden…

  4. Verhaltenskodex Studivz/MeinVZ
    Punkt 9. Es darf keine kommerzielle oder politische Werbung von Nutzern veröffentlicht werden.
    Ich unterstelle mal, dass es sich bei den Profilen nicht gerade um von den Personen selbst gewartete ganz persönliche Inhalte handelt sondern diese von Teammembern des Wahlkampfs betreut werden.

  5. jepp, ich denke – vor allem nach meinen eindruecken aus einem etwas missglueckten open space versuch des LIF zum thema internet gestern – dass die Parteien (und zwar alle zusammen) da etwas voellig verschlafen haben.
    sie haben einfach vergessen gespraeche abseits von bierzelt und haendeschuetteln am marktplatz zu fuehren…
    und jetzt ploetzlich meint man sich auf eine vergessene zielgruppe der internet-user stuerzen zu muessen ohne sich mit form und inhalt der kommunikation irgendwie auseinanderzusetzen. das ist wie nicht telefonieren koennen, sehr peinlich, und sehr demotivierend fuer potentielle waehlerinnen.