Mein Umfeld, mein Sozialer Filter

15. September 2008Heute Vormittag bekam ich wieder Mal Post von der ÖVP. Persönlich adressiert, alles korrekt. Sie landete in der Rundablage nachdem ich sie eine Sekunde lang überflogen hatte. Jetzt nach dem …


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Heute Vormittag bekam ich wieder Mal Post von der ÖVP. Persönlich adressiert, alles korrekt. Sie landete in der Rundablage nachdem ich sie eine Sekunde lang überflogen hatte. Jetzt nach dem Mittagessen schaue ich mit schnell mal bei Facebook rein und siehe da, Helge hat ein Video gepostet, das ich mir gleich mal ansehe. Die 5.24 Min habe ich immer… Gut dass ich mich hinterfrage während ich mich hinterfrage. Damit kann man einige Fragestellungen vorweg nehmen. Und zwar: Warum wandert ein Brief in die Rundablage und warum gucke ich mir an, was Herr Chorherr zum Thema Demokratiepolitik zu sagen hat? Die Antwort zum Brief: Weil er mich nicht interessiert, weil er unpersönlich ist und unpersönliche Botschaften enthält. Die Antwort zum Video: Weil es mir empfohlen wurde, weil es mir gerade "reinpasst", weil es mich mit meinen Bedürfnissen (Stichwort: Mediennutzungsverhalten) perfekt abholt und mir zudem einen Politiker näher bringt, mit dem ich auf Wunsch gleich auch interagieren kann. Via sein Blog, via Kommentarfunktion auf YouTube oder via Kommentarfunktion auf Facebook. Ich lerne: Mein persönliches Umfeld, Menschen die ich kenne, mit denen ich lose über das Netz in Verbindung stehe (Emanuel Rosen's "weak ties" lassen grüßen") mutieren zu entscheidenden Filtern bzw. Gatekeepern. So wie der Chefsekretär, der Chefin den Rücken freihält, in dem sie eben nicht jeden durchlässt… 

Politik, die sich derlei Methoden annimmt und nicht verweigert ("wer braucht denn das…?"), die sich überlegt wie sie meinen Sozialen Filter durchdringt, die pflanzt Botschaften in mein Hirn, an die ich mich beim Kreuzerlmachen am 28. September sehr viel wahrscheinlicher erinnern werde als an einen dieser vielen ungelesenen Briefe.

2 Gedanken zu “Mein Umfeld, mein Sozialer Filter

  1. Sehr interessanter Post. Ich beschäftige mich gerade im Rahmen meiner Bachelorarbeit mit der Frage, wie deutsche Politiker Social Networks, in dem Fall Facebook, nutzen können, um effektiv an junge Wähler heranzutreten bzw. wie sie die Netzwerke bereits nutzen. Schon heute ist das Internet eine der wichtigsten Informationsquellen für junge Erwachsene. Jeder 8. Deutsche ist bereits bei Facebook aktiv (Quelle: Facebookmarketing). Die Verbreitung vor allem unter den den unter 30-jährigen dürfte noch höher sein. Mit den sozialen Netzwerken ergeben sich für Politiker einmalige Chancen zur Kommunikation vor allem mit jungen Wählern. Bei vielen zeigt sich aber, dass die Potenziale der Netzwerke (Dialogorientierung, zielgruppengerechte Ansprache usw.)noch nicht optimal genutzt werden. Die Zukunft wird zeigen, wie schnell Politiker lernen sich in diesem neuen Umfeld zurecht zu finden und Netzwerk-Profile nicht nur als „Verlängerung“ der eigenen Website zu sehen. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

  2. Es ist schon krass zu sehen, wie stark das Internet uns und unser alltägliches Tun verändert hat. Wer hätte das vor ca. 10 Jahren gedacht.