Barack Obama: Machte Social Media den Unterschied?

30. Oktober 2008Ich lehne mich wahrscheinlich nicht allzu weit hinaus, wenn ich glaube, dass Barack Obama das Rennen um das Weisse Haus für sich entschieden hat. Die Demokraten stehen in beiden Häusern …


Ich lehne mich wahrscheinlich nicht allzu weit hinaus, wenn ich glaube, dass Barack Obama das Rennen um das Weisse Haus für sich entschieden hat. Die Demokraten stehen in beiden Häusern (Senat und Repräsentantenhaus) vor einem Erdrutschsieg. Was mich interessiert und während der letzten Monate immer wieder stutzig machte, war der hohe Level an Mobilisierung, den Barack Obamas Kampagne im Internet erzeugen konnte.

Ein Umstand, der umso wichtiger ist, wenn man bedenkt , dass es in den USA eigentlich keine Parteiapparate gibt und dass Präsidentschaftswahlkämpfe in Wirklichkeit nichts anderes sind als riesige Mobilisierungskampagnen. Obama hat sich gegenüber Hillary Clinton durchgesetzt, die mit ihrer Kampagne in Sachen Social Media ja auch nicht gerade schwach aufgestellt war. Sein Konkurrent John McCain hebelte Social Media Schwergewichte wie beispielsweise Mitt Romney oder Mike Huckabee aus, die das Social Web massiv, eigentlich in noch nie gekanntem Ausmaß für sich genutzt haben. Was mir an all diesen Kampagnen so positiv auffiel: Es stand dabei überwiegend der Dialog, die Mobilisierung, das Gespräch im Vordergrund, weniger das aus unseren Breiten sattsam Bekannte Polit-Schema, mit dem Social Web bloß einen zusätzlichen Kanal zu „bespielen“.

Zurück zu Barack Obama. Es ist schlicht unglaublich zu sehen, wer über Social Media auf YouTube & Co alles in den Chor des „Yes we can!“ einstimmt. Das ist längst nicht mehr  gesteuert oder stammt von gewiften PR-Agenturen. Das ist längst komplett aus dem Ruder gelaufen, hat sich verselbstständigt zu einer flächigen Kampagne ausgewachsen, die sich aus den Stimmen vieler Millionen Einzelakteure zusammensetzt, die so einzeln aber gar nicht sind! Das war es meiner Meinung nach, das Barack Obamas Online Kampagne in Wirklichkeit ausgezeichnete und von jenen seiner Gegner qualitativ abhob. Die Kampagne als große Klammer, die den Einzelnen nicht nur Stimme sondern vor allem auch das Gefühl gibt, dazu zu gehören, mitzuwirken an der Veränderung, live dabei sein zu dürfen. Obama machte über Social Media möglich, was ein riesen Thema für viel von uns ist. Teilhabe.

Yes We Can
Ein Beispiel: Stacy Beyer schreibt mich auf Facebook an. Sie hat ein für Barack Obama ein MusikVideo gedreht und es auf YouTube veröffentlicht. Sie möchte, dass das Video um die Welt geht. Das Video tropft vor Schmelz und Pathos – und wird es deshalb vielleicht doch nicht um die Welt schaffen… – aber es ist ein weiter Beitrag zum Gelingen eines Gesamtkunstwerkes. Nicht mehr und nicht weniger. Wie viele Jugendliche wohl John McCain dazu ermuntern konnte, ähnliches für ihn zu tun? Und von solchen Unterstützern hat Barack Obama hunderte, ja wahrscheinlich tausende die über das ganze Land verteilt Stimmung machen für den Umschwung.

http://www.youtube.com/v/zN_NNZyh43s&hl=en&fs=1

Mehr als deutlich wird dieser Umstand auch auf der Micro-Blogging-Seite Twitter. Barack Obama spielt hier, verglichen Mit McCain in einer anderen Liga. Er wird diskutiert wie kein anderer und verfügt über Tausende, die ihm über diesen Dienst von den Lippen ablesen. Überdeutlich wird dies in der nächsten Grafik, die die Anzahl der Nennungen des Namens des Kandidaten im Rahmen von Twitter-Posts während der letzten Woche abbildet.

Barack Obama

Meiner Einschätzung nach haben Soziale Medien den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl 2008 entscheidend mitbestimmt. Obama ist es wie keinem anderen Kandidaten vor ihm gelungen, die Kraft des neuen Internets für sich und seine Kampagne zu nutzen. Wie immer seine Performence als US-Präsident auch aussehen wird, der Stil und die MIttel seiner Kampagne werden als Best Practice nachwirken und zukünftige Wahlkämpfe, wo auch immer sie stattfinden, entscheidend beeinflussen.

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4 Gedanken zu “Barack Obama: Machte Social Media den Unterschied?

  1. Schau dir mal an, wie weit es Ron Paul mittels Social Medie geschafft hat. Er hat einen Spenderekord aufgestellt, obwohl er von der eigenen Partei verschmät wurde. LG

  2. ich denke das obama einfach den „wechsel“ am besten verkörpert und da passen die neuen medien einfach wie die faust aufs auge dazu. als eine positive wechselwirkung, aber das rennen ist noch lange nicht entschieden!

  3. stimmt… ich denke jedoch positiv und tu schon so als ob. Im Ernst: Ich glaube schon, dass es Obama packen wird und ihm das Schicksal eines Al Gores erspart bleibt. Dafür sorgt hoffentlich schon The Great Schlep :)