Online PR der Marke Tesla Motors

6. November 2008Finde auf Pressetext gerade ein hoch spannendes Beispiel zum derzeit stattfindenden Wandel im Bereich der Unternehmenskommunikation. Wandel, der nicht zuletzt durch die Veränderungen im Mediensystem (Stichwort: Social Media) befeuert wird. …


Finde auf Pressetext gerade ein hoch spannendes Beispiel zum derzeit stattfindenden Wandel im Bereich der Unternehmenskommunikation. Wandel, der nicht zuletzt durch die Veränderungen im Mediensystem (Stichwort: Social Media) befeuert wird. Durch den sagenhaften Speed, mit dem sich Informationen heute verbreiten, egal ob sie nun von Quellen innerhalb oder außerhalb des Unternehmens kommen, geraten Unternehmen unter Druck. Wie sie darauf reagieren? Unter anderem durch den Einsatz von Tools, die die Geschwindigkeit ja unter anderem bewirkt haben: Social Media!

Flickr Fragments of Eternity

Quelle Flickr / Fragments of Eternity

Aber nun der Reihe nach. Die Konjunktur will ja nicht so richtig derzeit. So manches Unternehmen sieht sich dazu genötigt, Arbeitsplätze abzubauen. Nun, wenn das der Gemischtwarenladen um die Ecke ist, kratzt das mal niemanden so wirklich. Wenn aber Tesla Motors in Kalifornien daran denkt, Jobs abzubauen, dann rauscht es kräftig im Blätterwald der Bay Area. Aber eben nicht nur dort!

Tesla ist der Ferrari unter den Elektroautos und eine High-Tech Schmiede, die mit ihren Produkten weltweit für Aufsehen sorgt. Das Unternehmen bringt Speed ohne Reue mit sauberer Umwelt zusammen, liegt damit voll im Trend und rockte ergo in der Bloggosphere so richtig ab. Dazu muss man wissen, dass die Higtechszene Kaliforniens natürlich auch ihre eigenen Online und Offline Medien hervorgebracht hat, die die wichtigsten Unternehmen – und Tesla gehört zweifellos dazu – laufend beobachten und begleiten.

Irgendwie drang nach außen, dass Tesla daran denkt, Jobs abzubauen. So "irgendwie", wie Dinge aus dem Inneren von Unternehmen halt immer wieder nach außen dringen… Die Folge daraus war, dass einige der Hightech-Blogs mit Spekulationen begannen und diese rasch auch in gedruckter Form auftauchten. Was also tun? Elon Musk, der CEO von Tesla, entschloss sich zu einem Blogpost und zeigte Flagge. Er erklärt darin die wirtschaftliche Situation, in der sich das Unternehmen befindet ebenso, wie die Gründe hinter dem Jobabbau.

One of the steps I will be taking is
raising the performance bar at Tesla to a very high level, which will
result in a modest reduction in near term headcount (…)
There will also be some headcount
reduction due to consolidation of operations. In anticipation of moving
vehicle engineering to our new HQ in San Jose, we are ramping down and
will close our Rochester Hills office near Detroit. Good communication,
tightly knit engineering and a common company culture are of paramount
importance as Tesla grows.

Ich finde es interessant und konsequenz zugleich, dass sich der Tesla CEO in seiner Kommunikation jener Medien bedient, die mit dazu beigetragen haben, dass er eigentlich in dieser Form unter Druck geriet.

Was ich weniger gut finde: Laut meiner Quelle veröffentlichte Tesla den Blogpost bevor man mit den betroffenen MitarbeiterInnen sprechen konnte. Das ist in der internen Kommunikation online wie offline das Nono schlechthin, würde ich einmal meinen. Der Chef rechtfertigte dieses Schritt damit, dass alles schnell gehen musste, da der äußere Druck von Medien und Bürgerjournalisten bereits zu groß war. Hm… Das wurde er sicher viel zu schnell aber so schnell wahrscheinlich auch wieder nicht. Soviel Zeit, die eigenen (!) Mitarbeiter zu informieren, sollte es doch immer geben, oder?

Noch einige andere Aspekte, die aus der Pressetext-Meldung hervorgehen: In schwierigen Zeiten hätte Unternehmen zwei Möglichkeiten: Entweder sie beschränken sich in ihrer Kommunikation auf Presseaussendung und in weiterer Folge darauf, dass ihre schlechten Nachrichten von anderen verbreitet werden oder sie kommunizieren frank und frei über die eigenen Kanäle und sorgen so dafür, dass sie zumindest im ersten Schritt ihre Sicht der Dinge und das möglichst ungefiltert transportieren können. Ist eine schöne Möglichkeit, mal ganz egoistisch gedacht.

Der klassische Fall sieht so aus, dass eine Presseaussendung verfasst oder zu einem Pressegespräch eingeladen wird. Ist die Botschaft mal draußen, der Pfeil quasi abgeschossen, habe ich keine Möglichkeit mehr, auf bestimmte Aspekte besonders einzugehen oder komplexe Dinge so zu erklären, dass ich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch verstanden werde. Diese Möglichkeit habe ich in einem Blogpost oder einer Video-Message schon viel eher. Diese Denke setzt sich bei US-amerikanischen Firmen mehr und mehr durch und wird wohl nicht mehr lange benötigen um auch hierzulande Platz zu greifen.

Ein weiterer Vorteil der Nutzung eigener Kanäle besteht natürlich auch darin, dass online Gespräche damit gebündelt werden können. Klar werden Unternehmen von internen und externen Dialoggruppen auch auf anderen Internet-Plattformen diskutiert, ein Bericht über ein Unternehmen am Online-Portal einer Zeitung und die daran angeschlossene Kommentarfunktion genügen dafür. Trotzdem ergeben sich für die Unternehmenskommunikation auch Vorteile daraus, dass eigene Kanäle aufgebaut und darüber kommuniziert wird. Dies deshalb, weil sich die daran anknüpfenden Gespräche dann eben vor allem am Firmenblog oder am Videostream der Firma abspielen statt anderswo. Auch dies lehrt uns das Beispiel Tesla.

via: Pressetext.at

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.