Innovation: Wann wenn nicht jetzt?!

1. Dezember 2008Axel Wallrabenstein, PR-Manager und Geschäftsführer von Publicis Consultants brachte es auf Turi2.tv kürzlich auf den Punkt. Die PR-Branche kenne im Grunde genommen keine Krisenzeiten. Und um auf die Frage von …


Axel Wallrabenstein, PR-Manager und Geschäftsführer von Publicis Consultants brachte es auf Turi2.tv kürzlich auf den Punkt. Die PR-Branche kenne im Grunde genommen keine Krisenzeiten. Und um auf die Frage von Gerhard Brauckmann zu antworten: Für die Kärntner PR-Branche kann ich wohl nicht sprechen aber für mich gilt diese Aussage allemal. Warum? Weil ich versuche eben nicht das zu machen und anzubieten, was alle machen.

Ähnlich wie in der Politik (vor der Wahl ist nach der Wahl…) ist vor der Krise nach der Krise. Kommunikation wird in jedem Falle benötigt. Dass Kommunikation in Krisenzeiten nicht in der Art und Weise klappt, wie sie es könnte, wäre sie in "unverdächtigen Zeiten" entsprechend mitgedacht, wertgeschätzt oder dotiert worden, liegt auf der Hand. Aber lassen wir das. Ich bereite mich derzeit gerade auf zwei Keynotes in Loipersdorf und Salzburg vor, zu denen mich die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) eigeladen hat. Und da passt es gut, wenn ich auf Gerhard Brauckmanns Blog lese, dass die Krise ja im Grunde genommen schon wieder vorbei ist. Fein! Viel wichtiger für mich ist aber folgerder Satz: Schlechte Zeiten zwingen zur Innovation. Und hier bin ich bei Thema Social Media, hier bin ich beim Thema Online Tourismus und Online Kommunikation angekommen.

Wann wenn nicht jetzt in der Krise heißt es innovativ sein? Heißt es darüber nachzudenken vieles von dem, was man 20 Jahre lang so und zwar genau so gemacht hat, zu hinterfragen, und gegebenenfalls über Bord zu werfen? Schließlich kann man auch 20 Jahre etwas falsch gemacht haben. Ja ich kann jetzt sagen, es ist Krise bitte her mit dem Geld. So wie es aktuell viele Österreichische Bankinstitute tun. Ich muss hierbei unweigerlich an den Film "Let's make money" denken. Gewinne privatisieren, Verluste tunlichst auf alle verteilen. Hermann Scheer hat sowas von recht, wenn er von Beraubung der Allgemeinheit durch einige wenige spricht. Den Film unbedingt ansehen!

Ich kann natürlich auch sagen: Endlich ist Krise, da werfen wir schnell mal ein paar tausend Leute raus. Hatten wir eh schon lange vorgehabt. Was dabei viele vergessen: Damit geht auch Humankapital verloren, geht mitunter die Intelligenz eines Unternehmens den Bach runter. Und damit Know-how, das nach der Krise zu entsprechend höheren Kosten wieder zugekauft (eingestellt) werden muss. Ist doch total innovativ, zB darüber nachzudenken, wie Mitarbeiterführung in stürmischen Zeiten erfolgen sollte, oder? Die wenigsten tun das. Sie bauen lieber Stellen ab. Wer weiß, wann es dazu wieder die Möglichkeit gibt, das Krisengeschrei wieder ähhnliche Ausmaße erreicht haben wird?! Man kann das aber auch tun. Ganz leicht sogar. Man kann als Manager an seinen Führungsqualitäten arbeiten so wie ich das vor einigen Wochen hier bei Excellence Enhancement getan habe. Ich habe nicht Häuser gestaunt dabei sondern Berge und viel gelernt.

Über Althergebrachtes nachdenken, alte Zöpfe abschneiden. Das sollte ganz oben stehen auf den Todo-Listen der hochbezahlten Manager, die dann auf der Anklagebank sitzend ohnehin wieder sagen, "Na um alles kann ich mich dann auch nicht kümmern, dafür habe ich schließlich hoch bezahlte Mitarbeiter…", wie kürzlich gesehen beim HYPO-Prozess am Landesgericht Klagenfurt.

Nachdenken über Althergebrachtes lohnt aber auch in der Kommunikation.
Wenn Unternehmen nun erkennen müssen, dass ihre Kommunikaitonsnetzwerke doch nicht so tragfähig sind, wie sie dies lange Zeit geglaubt haben, na dann sollte man genau hier ansetzen und investieren. Um beim Beispiel Banken zu bleiben: Welche Bank hört schon zu? Welche Bank sucht schon das Gespräch? Antwort: Keine! Und das macht mich krank. Statt dessen werden von Callcenter-Agents Termine ausgemacht, die in Outlook-Postfächern von Kundenberatern landen, die in Wirklichkeit nichts anderes mehr sind als Roboter. Die Entmenschlichung wurde in diesem Falle auch in der Kommunikation dermaßen auf die Spitze getrieben, sodass am Ende des Tages ein Asset auf der Strecke bleibt, der für Banken, Geld- und Kreditinstitute als eines der Zentralsten angesehen weden darf: Kundenbindung bzw. Kundenloyalität. Was tun wenn die Netzwerke, über die Unternehmen mit ihren Dialogpartnern kommunizieren (sollten) nicht jene Tragfähigkeit aufweisen, die nötig wäre, für ein gedeihliches Miteinander? Na genau in diese Netze investieren! Nicht morgen, nicht nach der Krise sondern jetzt!

Meiner Meinung nach macht es also Sinn, in Krisenzeiten offenbar Alltägliches zu hinterfragen. Tun wir das, so können wir im Grunde gar nicht mehr jammern. Wir werden gar keine Zeit mehr dazu haben, weil wir nachdenken, anpassen und lernen. Tun wir das, ist der erste Schritt aus der Krise bereits getan. Und der erste Schritt ist bekanntlich immer der wichtigste.

Danke für den Stoff zum Nachdenken über die Berge nach Utting am Ammersee!

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