Auch im Social Web: Weniger ist mehr!

2. Januar 2009Bin im ausgezeichneten Bernet-Blog gerade über eine interessante Story rund um das World Economic Forum in Davos gestolpert. Es geht um die vielfältigen Anstrengungen der Organisatoren, das Social Web als …


Bin im ausgezeichneten Bernet-Blog gerade über eine interessante Story rund um das World Economic Forum in Davos gestolpert. Es geht um die vielfältigen Anstrengungen der Organisatoren, das Social Web als Dialogplattform zu nutzen.

Da gibt es mal die hochgerüstete Konferenz-Homepage mit so ca. allem, was das Herz nicht nur des Journalisten begehrt. Dann den obligaten YouTube Brandchannel, wobei dieser hier richtig Geld gekostet haben dürfte. Wenn ich die YouTube Session am Brennpunkt eTourism an der FH Salzburg richtig im Kopf habe rund 25.000 Euro. Die Menschen da draußen können den Denkern in Davos ihre Sicht der Dinge in Form von Videos zur Kenntnis bringen. Was gibt es noch? Natürlich Seiten auf Facebook und MySpace. Ich sage das so lapidar, aber hier geht es nicht um einen Bienenzüchterverein sondern um das WEF. Und wenn die in der Social Media Kiste kramen, dann ordentlich… Ein dazupassendes Weblog, ein Flickr und ein Twitter-Kanal runden das reichhaltige Web 2.0 Angebot des WEF ab. Twitter finde ich hier übrigens schön eingesetzt, macht man hier doch beispielsweise auf Video-Reaktionen von Bürgern aufmerksam und liefert ihnen damit Publizität.

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Ich meine die leisten sich sicher die Besten der Besten Berater, Webdesigner, Social Media Typen, Werber und PR-Menschen. Aber! Ich glaube dennoch, dass hier zu tief in der Social Media Kiste gegraben wurde. Und dies ist meiner Meinung nach oft der Fall, wenn Unternehme

n Social Media für sich entdecken. Da werden kreuz und quer Accounts angelegt und miteinander vernetzt – manchmal mit nicht nur positiven Folgen für die unternehmenseigene Online Reputation. Frage am Rande: Warum braucht das World Economic Forum einen Auftritt auf MySpace? Klar generiere ich dadurch Traffic und Links und Google-Juice, aber bin ich mit meinen Inhalten hier wirklich richtig? Kann ich hier wirklich jene Leute ansprechen, mit denen hier zu sprechen Sinn hat? Keine ganz leichte Fragestellung, betreffen die in Davos stattfindenden Gespräche doch bekanntlich globale Themen, die eben wiederum ALLE angehen (sollten). 

Neben Unternehmen scheint die bunte Web 2.0 Welt mit ihren schnellen Möglichkeiten, Accounts und Seiten aufzusetzen auch für die Politik eine große Versuchung. Xing, MySpace, StudiVZ. Ach was! Kostet doch nichts! Nehmen wir doch von allen ein wenig! Aus Sicht der Online Kommunikation ist ein wenig Nachdenken, ein wenig Analyse und Struktur zentral. Und insoferne ist Gary Vaynerchuk eben nur zum Teil zuzustimmen, wenn er sagt, dass alle Plattformen relevant sind, solange hier für Unternehmen relevante Gespräche stattfinden.

Ich denke es geht im Bereich der Kommunikation über Social Media Kanäle um eine klare Strategie. Erst wenn ich diese kenne kann ich über die Kanäle nachzudenken beginnen über die ich meine Botschaften (in der Strategie enthalten) transportieren will. Die Konzeptionspraxis aus der Guten alten Offline PR leistet hier mit Sicherheit gute Dienste.

Was in meinen Augen aber noch wichtiger ist: Wenn ich knapp zehn verschiedene Kanäle „bespielen“ muss, wenn ich den Leuten da draußen sage, dass sie mich – unter anderem – über betreffende zehn Social Media Kanäle erreichen, darüber mit mir sprechen / interagieren können, so ist dies eine riesige Verpflichtung. Jeder Kanal ist vor diesem Hintergrund mit einer userseitigen Erwartungshaltung verknüpft. Und ich denke, dass sich selbst große Organisationen mit ihrem Social Media Engangement zu viel zumuten können. Zuviel ist nämlich zu viel und lässt sich kaum mehr sinnvoll / werthaltig handhaben. Und vieles davon, was ursprünglich anvisiert wurde, bleibt dann auf der Strecke. Online Gespräche zum Beispiel.
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5 Gedanken zu “Auch im Social Web: Weniger ist mehr!

  1. „redundant“ natürlich sollte das heißen.
    Wobei das Argument, dass man die vielen Plattformen ausprobieren sollte, auch ein recht Nützliches ist.

  2. Das erinnert mich ein wenig an die Zeit, als es für Einzelpersonen langsam leichter wurde, mehrere Telefonnummern zu haben. Lange hatte man eine Festnetznummer, und damit war Schluss.
    Dann kam irgendwann das Handy, private Faxgeräte wurden erschwinglich, und mit einem Mal fingen Stinknormalverbraucher an, sich Visitenkarten anzulegen, worauf sie unter 3, 4, 5 Nummern zu erreichen waren. Das fanden die Leute damals wohl irgendwie cool (und manche heute immernoch). Vielleicht kamen sie sich damit wichtiger vor – so wie Unternehmen, die ja auch immer ganz viele Telefonnummern haben. Das Problem für den Gegenüber: welche Nummer soll ich denn jetzt anrufen?
    Die Unternehmen machen das heute genauso – je mehr bunte Icons zeigen, auf welcher Plattform man alles präsent ist, desto … ja, desto was? Desto hipper, cooler das Unternehmen? Und für den Gegenüber wieder dasselbe Problem: welchen Feeds soll ich mich denn nun widmen, ohne dass es reduntant wird?
    Ich finde diesen Blogpost sehr hilfreich – denn Social Media aus Hipness-Gründen ist albern. Eher einen Moment länger drüber nachdenken und dann genau das tun, was Sinn hat. Und nicht das, was irgendwie hip aussieht.

  3. Manche fangen klein, manche fangen groß an. Beide fangen an. Beide fragen dann aber auch nach der Meßbarkeit, fordern mehr Effizienz und dann wird sich das schon richten. Learning by doing. Hoffentlich macht dieser Übermut das Social Media in der Unternehmenskommunikation nicht schon in den Kinderschuhen kaputt

  4. Ed, Du triffst den Nagel auf den Kopf. Die für mich wichtigsten Punkte:
    1. „Es geht um eine klare Strategie. Erst wenn ich diese kenne kann ich über die Kanäle nachzudenken beginnen über die ich meine Botschaften (in der Strategie enthalten) transportieren will …“
    2. „… wenn ich den Leuten da draußen sage, dass sie mich – unter anderem – über betreffende zehn Social Media Kanäle erreichen, darüber mit mir sprechen / interagieren können, so ist dies eine riesige Verpflichtung. Jeder Kanal ist vor diesem Hintergrund mit einer userseitigen Erwartungshaltung verknüpft …“
    3. „Zuviel ist nämlich zu viel und lässt sich kaum mehr sinnvoll / werthaltig handhaben. Und vieles davon, was ursprünglich anvisiert wurde, bleibt dann auf der Strecke. Online Gespräche zum Beispiel.“