Playmobil: Unternehmen im Online Gespräch

16. Februar 2009"Thank you Playmobil for allowing me to teach my 5-year old the importance of recognizing what a failing bureaucracy in a ever growing fascist state looks like" schreibt ein Amazon-User …


"Thank you Playmobil for allowing me to teach my 5-year old the importance of recognizing what a failing bureaucracy in a ever growing fascist state looks like" schreibt ein Amazon-User namens Zampano in seine Bewertung dieses Spielzeuges des gleichnamigen deutschen Spielzeugherstellers. Zampano liefert damit Inhalte ab, die die Brandstätter GmbH und ihre Marke Playmobil wohl im ersten Moment aus allen Wolken haben fallen lassen.


Playmobil Web 2.0 Ed Wohlfahrt PR


Seitdem sind einige Jahre vergangen und hat sich ein kleiner, für das Unternehmen jedoch mit Sicherheit lehrreicher Aufschrei durch die Eltern- und Spielzeug-Communities im Internet entfacht. Viele Bewertungen auf Amazon und anderen wichtigen Seiten thematisieren die realistische Darstellung des deutschen Spielzeugherstellers und beschäftigen sich mit dem emotionalen Thema welches Spielzeug für das Kind gut, welches für seine Entwicklung schlecht sei.

Was ist geschehen? Einigen Eltern ist die Darstellung der Charaktere des oben gezeigten Spielzeuges zu real. Sie stoßen sich daran, dass der Hersteller die staatlichen Autoritäten am Flughafen dermaßen detailgetreu darstellt und damit das auch in den USA sensible Thema Staatliche Autorität bzw. Sicherheitskontrollen so wirklichkeitsgetreu in die Hirne der Kleinen einpflanzt. Jetzt werden viele sagen: So ein Schwachsinn bzw. so eine aufgebauschte Geschichte. Nun ja, so kann man das natürlich sehen. Einige Blogger sehen das aber überhaupt nicht so, nehmen Playmobil aufs Korn und schaffen damit online wie offline Fakten. Dies wird nicht zuletzt dadurch klar, dass nun auch die New York Times einen entsprechenden Bericht brachten. Launiger Titel "Playmobil Finds Fun in the Police State". Dies wohl gemerkt Jahre nach dem ersten Auftreten der Kritik.

Playmobil Police State - Ed Wohlfahrt3


Das Beispiel zeigt für mich recht schön auf, dass es aus Sicht des Unternehmens relativ unerheblich ist, ob dritte die Kritik an Produkten nun für gerechtfertigt halten oder nicht. Fakt ist, dass es dazu auf vielen Orten des Internets, darunter in Blogs wie dem bekannten Eltern-Blog Daddytipes von Greg Allen, bereits 2005 kritische Stimmen gab und diese in Summe einen (wenn auch überschaubaren) Kommunikationsbedarf für das Unternehmen darstellten. So wurde das betreffende Produkt bereits von der Produktion ausgesetzt. Was laut Unternehmen jedoch "selbstverständlich" nichts mit den kritischen Stimmen online zu tun habe, so die Unternehmenssprecherin von Playmobil Deutschland, Judith Schweinitz.

Schön sichtbar wird durch das Beispiel Playmobil auch, dass Online Inhalte "nachwirken" d.h. oft erst nach Monaten oder sogar Jahren hochkochen. Dies, weil sie eben erst zu einem späteren Zeitpunkt von Journalisten, Bloggern oder anderen Key-Influencern aufgegriffen werden und so erst mit einer Verspätung ins Bewusstsein der Leute treten. Der Blogpost auf DaddyTipes beispielsweise stammt vom 13. Oktober 2005 (!), die neueste Bewertung auf dieser Amazon-Seite immerhin noch aus dem Februar 2008. Aber erst jetzt berichten die NY Times darüber…

Weiters zeigt sich in diesem Beispiel, dass heute bereits solche, auf der ersten Blick hin doch recht weit hergeholter Kritikpunkt ausreichen, im Internet für großen Gesprächsstoff zu sorgen. Und ich denke ausnahmsweise nicht, dass Playmobil auf einen solchen Kommunikationsfall vorbereitet war. Nicht dass er dermaßen gravierend wäre, doch er ist aus meiner Sicht doch extrem speziell gelagert. Und bekanntlich dümpeln die schönsten Kommunikationsfälle über Monate und Jahre undramatisch vor sich hin, bevor sie dann ihre mitunter zerstörerische Wirkung entfachen. Ein wichtiges Learning für Unternehmen könnte hier also darin liegen, dass in Social Web heute kein Thema zu minder ist, um von einer Passion Based Audience entsprechend nicht thematisiert zu werden. Ein Umstand, der im einen oder anderen Kommunikationskonzept mit Sicherheit Sinn macht.

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