PRVA Studie: Brauchen Klein- und Mittelbetriebe PR?

26. Februar 2009Der Public Relations Verband Austria (PRVA) widmete sich im Rahmen einer Studie mit der Frage, wie Public Relations in Österreichischen Klein- und Mittelunternehmen verstanden, eingeschätzt und letztlich zur Anwendung gebracht …


Der Public Relations Verband Austria (PRVA) widmete sich im Rahmen einer Studie mit der Frage, wie Public Relations in Österreichischen Klein- und Mittelunternehmen verstanden, eingeschätzt und letztlich zur Anwendung gebracht werden. Die Ergebnisse, die vom Markt- und Meinungsforschungsinistitut GfK zusammengetragenen Studie, die auf der Befragung von 300 KMU’s in Ganz Österreich im Zeitraum zwischen 12. August und 26. August 2008 basiert, machen teilweise Staunen, stellen für PR-Treibende aber durchaus auch eine gute Möglichkeit zur Erdung dar. 

Zu den Einzelheiten: Rund 81 Prozent der befragten Unternehmen geben an Public Relations zu betreiben, wobei es zwischen Unternehmen mit 10-49 Mitarbeitern (78 Prozent) und Unternehmen über 50 Mitarbeitern (85 Prozent) nur geringe Unterschiede gibt. Auf die Frage, was denn überhaupt alles Public Relations wäre, sind die Antworten breit gestreut. Mit 95 Prozent Zustimmung steht die PR-Maßnahmen Pressemitteilungen / Medieninformationen ganz vorne. Auf den weiteren Plätzen landen Pressemappe und Tag der offenen Tür (87% verstehen darunter PR), Webseite (86%), Pressekonferenz, regelmäßige Journalistenkontakte, Kundenveranstaltungen (alle jeweils 85%) oder die Kundenzeitschrift (84%). 

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Am Ende der Fahnenstange Rangieren das schwarze Brett sowie Mitarbeitermitteilungen, die nur von 45% der Befragten als PR-Maßnahme gesehen werden. Auch das Krisenmanagement wird von den Österreichischen KMU’s nicht sonderlich wertgeschätzt. Lediglich 51% sehen darin eine PR-Maßnahme. In Sachen Web 2.0 interessant: Nachgefragt wurde auch das Weblog, das 64% als PR-Maßnahme begreifen. Immerhin 23% der Befragten setzen Blogs in ihrer Unternehmenskommunikation ein. 

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Interessant ist, dass PR in KMU’s Chefsache ist. In 55% der Fälle übernimmt hier die Geschäftsleitung die PR und wendet dafür angeblich etwas mehr als einen (!) Arbeitstag pro Woche auf. Die Hälfte der Befragten KMU’s gibt an über ein PR-Budget zu verfügen und beziffert es durchschnittlich mit 20.000 Euro pro Jahr. Für mich vor allem auch interessant: Die PR-Aktivitäten Österreichischer Klein- und Mittelunternehmen sind meist kurz- und mittelfristig geplant. Ob es PR-Menschen nun gefällt oder nicht: So sieht es aus!

Fazit: PR wird unter heimischen Klein- und Mittelunternehmen mehrheitlich als kundenorientierte Maßnahme gesehen. Andere Teilöffentlichkeiten gehen bei den PR-Maßnahmen häufig leer aus. So Sackt der Prozentsatz deutlich ab, wenn es um die Frage geht, auf wen der durch PR erzielte Vertrauens- und Reputationsgewinn vor allem abzielt. 88% sehen als primären Adressaten den Kunden, 66% nennen „sonstige Ansprechpartner“, 62% Journalisten, 55% Interessensvertreter und nur 49% die eigenen Mitarbeiter. Ein Umstand, der PR-Treibende schon einigermaßen nachdenklich stimmen sollte.

Die Studie sieht bei den KMU’s noch großes Potential und das ist gut. In die Hände spucken sollte die PR-Branche aber auch in Sachen Bewusstseinsbildung in Sachen „Was kann – was leistet PR?“. Nur 42% der Befragten nämlich halten ihre Kenntnisse von PR für gut oder sehr gut.

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hier die ganze Studie auf Slideshare:

Ein Gedanke zu “PRVA Studie: Brauchen Klein- und Mittelbetriebe PR?

  1. Ich habe mir heute abend auch die PRVA-Veranstaltung hierzu gegeben, bei der die Studie nochmals ausführlich präsentiert wurde. Die Kernbotschaft lautete: KMUs vertreten einen sehr diffusen PR-Begriff, der stark Absatz orientiert ist. Wenn man gleichzeitig behauptet, dass das PR-Potential der KMUs groß ist – was ich der Studie nicht entnehmen kann – stellt sich natürlich die Frage, wie kann man als PR-Agentur dieses Potential nutzen? In einer sehr interessanten Diskussion, die zum Teil mit praktischen Erfahrungen mit und aus KMUs untermauert wurde, kristallisierten sich zwei wesentliche Aspekte heraus: 1. Wer mit KMUs ins Geschäft kommen will, sollte nicht unbedingt an einem „reinen“ PR-Begriff fest halten, sondern sich den Gegebenheiten in den KMUs anpassen, ansonsten machen andere das Geschäft, z.B. Werbe- oder Marketingagenturen. 2. Ein großes Manko der PRler besteht darin, dass ihnen das betriebswirtschaftliche Grundverständnis ähnlich abgeht wie den Betriebswirten das Verständnis für PR. Wie soll ein/e PR-Mann/Frau sich mit dem Chef eines KMU („PR ist Chef-Sache“)über PR unterhalten können, wenn er nicht verstehen will, dass der Absatz wichtiger ist als alles andere, und dies gar nicht verstehen kann, weil ihm die Grundlagen hierzu fehlen?
    Also: Die Lehre ist mal wieder gefordert.