Telekom Austria: Reputations-Kill via YouTube

3. März 2009Im Textzeitalter hieß es so schön "Jedes Schriftl ist ein Giftl". Was heißt dieser Ösi-Kauderwelsch? Er meint, dass alles, was in Textform vorliegt, gegen einen selbst verwendet werden kann, sollte …


Im Textzeitalter hieß es so schön "Jedes Schriftl ist ein Giftl". Was heißt dieser Ösi-Kauderwelsch? Er meint, dass alles, was in Textform vorliegt, gegen einen selbst verwendet werden kann, sollte es in falsche Hände geraten. Soviel zu Gutenberg.

Heute, im Frühjahr 2009 sind es andere Medienformate, die einem übel mitspielen können. Jüngst öffnete sich die digitale Büchse der Pandora für die Österreichische Telekom, genannt Telekom Austria. In der Form nämlich, dass unhaltbare Aussagen, die der Personalvorstand vom Podium einer Veranstaltung aus tätigte, plötzlich auf der Jedermann-Videoplattform YouTube aufgetaucht waren. Welches Malheur! 

http://www.youtube.com/v/sXK_ko50uGM&hl=de&fs=1

Da hieß es zurückrudern und den Schaden zu begrenzen, so gut es zu diesem Zeitpunkt noch möglich war. Viel ging natürlich nicht mehr, weil es online mittlerweile zum guten Ton gehört, Fundstücke mit dem eigenen sozialen Graphen (also allen Freunden zB auf Facebook oder anderen Netzwerken) abzugleichen und Videos für diesen Zweck auch mal auf der eigenen Festplatte zu sichern. So nach dem Motto "Was ich habe, das hab' ich". Clever ist diese Vorgehensweise in jedem Fall. Nicht selten sind die digitalen Fundstücke nämlich kurze Zeit später vom Server verschwunden, eine Seite offline genommen oder ein Link tot. In Zeiten wie diesen jedoch, und das Telekom Video zeigte diesen Umstand mehr als deutlich, werden Inhalte nicht nur geteilt sondern darüber hinaus verändert, gespeichert und archiviert. Ein Umstand, der nicht zuletzt großen Unternehmen reichlich Stoff zum Nachdenken geben sollte.

Was ist seit dem Auftauchen des Videos passiert? Es ist einmal nicht verschwunden, sondern ist immer noch aufrufbar. Es ist mutiert, also heute in mehreren Versionen abrufbar, die von unterschiedlichen Usern online gestellt wurden. Einen User mit einer Klage zu bedrohen würde also kaum etwas bringen. Und da wäre auch noch der Spillover-Effekt: Die Mainstream-Medien, also vornehmlich Print und TV haben das Thema dankend aufgegriffen und darüber berichtet. Ich selbst hab einen Beitrag in der Österreichischen ZiB 1 und ZiB 2 im ORF und darüber hinaus ein einigen Tageszeitungen gesehen. Und bei Karsten Füllhaas lese ich gerade, dass es das Thema sogar auf die erste Seite der Financial Times Deutschland oder den Schweizer Tagesanzeiger geschafft hat. Auch der Micro-Blogging Kanal Twitter trug und trägt seinen Teil dazu bei, dass sich der Telekom-Brouhaha in Windeseile verbreitete und hier durch entsprechende #Hashtags auch noch Monate später (im Grunde genommen ewig) auffindbar sein wird. Dass Twitter für viele durch die Stern-Funktion auch als Social Bookmarking Tool eingesetzt wird und sich Inhalte dadurch noch tiefer ins kollektive Online-Gedächtnis eingraben können, sei hier nur an Rande erwähnt. Auch hier auf Twitter wurde der Fall von verschiedenen OnlinePR Auskennern natürlich entsprechende gecovert. Ebenfalls seinen Niederschlag fand das Thema natürlich in den Blogs. Unter anderem in der Wissenslounge, der Crossmedialen Kommunikation

Interessant beim Fall der Telekom Austria: Berichtet wurde hierbei nicht primär vor dem Hintergrund der Digitalen Reputation des Unternehmens, nicht natürlich auch vor dem von Social Media Policies, wie sie für Unternehmen dieser Größe nur gut, recht und billig sind (nur im vorliegenden Falle so gut wie gar nichts gebracht hätten bzw. auf den konkreten Fall kaum anwendbar gewesen wären). Auch wurde nicht gefragt, wie es sein könne, dass derlei Informationen plötzlich an die Öffentlichkeit gelangen können, nein! In den erwähnten  Berichten ging es einzig um den Inhalt des betreffenden Videos und darum, dass der Personalvorstand der Österreichischen Telekom Anleitungen gibt, wie der Konzern gegenüber MitarbeiterInnen vorzugehen gedenke, die den "Golden Handshake" verweigern. 

Da geht es sehr schnell ums Eingemachte, also um die Reputation, um die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens, das nebenbei auch ein überaus wichtiger Arbeitgeber ist und als solcher natürlich ein vitales Interesse daran haben dürfte, nicht nur für High-Potentials entsprechende Strahlkraft zu haben. Und da macht sich ein solches Video natürlich weniger gut…

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