PhoCusWright / ITB09 Takeaways

26. März 2009Die ITB liegt jetzt zwei Wochen zurück. Leider hatte ich vorher keine Sekunde um das hier ins Blog zu bringen, doch möchte ich mich von dieser Hier-Jetzt-Sofort-Mentalität des Bloggens ohnehin …


Die ITB liegt jetzt zwei Wochen zurück. Leider hatte ich vorher keine Sekunde um das hier ins Blog zu bringen, doch möchte ich mich von dieser Hier-Jetzt-Sofort-Mentalität des Bloggens ohnehin verabschieden. Dinge müssen abliegen wie guter Speck. Und um dieses Bild fortzusetzen: Die vielen interessanten Eindrücke und Gespräche Bei PhoCusWright aber natürlich auch abseits davon wollten erst mal verdaut werden. Aber nun im "Medias Arrest".

War die ITB ein dreidimensionaler Hammer, so war die PhocusWright Blogger-Konferenz mein ganz persönliches Sahnehäubchen drauf. Gleich vorweg: Die eingeladenen Referenten waren größtenteils superspannend – dazu später – wenngleich Ausnahmen wie immer die Regel bestätigen – auch dazu später mehr! Beeindruckt hat mich jedoch vor allem die stringente Abwicklung der einzelnen Sessions und die Professionalität im Design der Veranstaltung. Elend langes Schwafeln gab es ebenso wenig wie Überziehen. Am beeindruckendsten war für mich jedoch, wie PhoCusWright die Interaktion zwischen Publikum und Podium bewerkstelligte. Hatte man Fragen, so konnte man sich nicht nur via Handheben, Homepage-Formular, e-Mail oder SMS an eine Nummer bemerkbar machen. Auch Twitter spielte in den Feedbackschleifen eine wichtige Rolle und wurde von den vernetzten TeilnehmerInnen der Konferenz optimal angenommen. Die mit einem #Hastag versehenen Fragen wurden einfach aggregiert, erschienen dann auf einem großen Bildschirm (Twitter-Wall) und flossen so in die Diskussion ein. Jetzt aber mal eine Stufe tiefer. Folgende Dinge bewegten mich inhaltlich und beeinflussen meine Denke in Sachen online Tourismus seither maßgeblich.

Klaus Hildebrandt, Chefredakteur des Branchenmagazins FVW und selbst Blogger, sprach in seinem Beitrag von einer Kluft zwischen Tourismusanbietern einerseits und der Social Media Community andererseits und legte insofern nach, als dass Web 2.0 Aktivitäten eines Unternehmens, einer Destination "from the Top" stattfinden müssten. Seiner Meinung nach reiche es nicht aus, dass irgendein Spezialist aus dem Unternehmen heraus mit super-coolen Dingen daherkommt, die er seinem Chef aufschwatzt. Die Chefs selbst hätten die Pflicht, sich mit derlei Technologien zu beschäftigen, kommen dieser Aufgabenstellung laut Hildebrandt jedoch zu wenig nach bzw. fühlen sich dem Thema Social Web gegenüber nicht genügend verantwortlich. Ich finde diesen Punkt extrem spannend, weil er impliziert, dass der Gang über die Marketingabteilung eines Unternehmens vielleicht gar nicht so sehr zielführend ist, wenn der "Kopf" des Unternehmens die Veränderungen im kommunikativen Umfeld seiner Firma noch nicht entsprechend antizipieren konnte. Diesen Umstand weiter denkend könnte es also nach wie vor weniger um das Verkaufen von mehr oder weniger angreifbaren "Web 2.0 Produkten" wie Blogs, Schnittstellen, Monitorings, etc. als um das Thema Bewusstseinsbildung gehen. Feedback hierzu supergerne!

Interessant auch die Aussagen von Martin Schobert, Social Web Mastermind der Österreich Werbung. Ihm zufolge hätten viele Tourismusorganisationen noch nicht gelernt mit dem Neuen Web und den sich darin abspielenden User generierten Inhalten, Meinungen und Feedback umzugehen. Martin unterstrich zudem, dass es im heutigen Social Web viel weniger um Inhalte als um den Zusammenhang, den Kontext ginge, in dem diese Inhalte sichtbar und konsumierbar gemacht werden.  Ein irrsinnig spannender Punkt, der auch die Frage der Darstellung bzw. Abbildung multimedialer und aus unterschiedlichen Quellen stammender Inhalte aufwirft. Letztlich ginge es darum, sonder einhellige Tenor, Nutzern zum richten Zeitpunkt die richtigen Inhalte bereitzustellen und ihnen so entsprechenden Sinn zu stiften. Hier wäre man jedoch noch ganz am Anfang, hieß es.

Twitter stellte auf der PhoCusWright Konferenz generell ein riesen Thema dar. Der Microblogging-Dienst war am Podium so stark im Gespräch, dass Uwe Frers meiner Meinung nach völlig richtig versuchte, die Relationen (insbesondere im Vergleich zu Facebook) zurechtzurücken. Er fragte einfach, worin die touristische Relevanz von Twitter liege und wies auf die hier schlummernden Potentiale von Facebook hin, die bis zu diesem Zeitpunkt kaum zur Sprache gekommen waren. Letzlich gehts nämlich hier und da um Money, eh klar! In Sachen Twitter wusste Kavin May von britischen Travolution-Blog zu berichten, dass es beim Micoblogging-Dienst in Großbritannien 2008 einen Nutzer-Zuwachs von sage und schreibe 875 Prozent (!) gegeben hat. 

Ebenfalls interessant war die auf Uwes Einwurf hin stattfindende Diskussion um die Wertigkeit von Facebook verglichen mit Twitter hinsichtlich Conversations und Conversions. Schon interessant wie die Meinungen hier auseinandergingen.

In diesem Zusammenhang wurde auch über die touristische Relevanz unserer sozialen Graphen (also unsere "Freunde" auf den verschiedenen Plattformen) gesprochen und das zunehmend auf uns zu kommende Thema Cross-Publishing – also das Verbreiten von Inhalten über eine Schnittstelle hin zu vielen Plattformen oder virtuellen Orten an denen diese Inhalte dann sichtbar / einsehbar sind – angesprochen. Hier zB fällt mir spontan die iPhone App Pixelpipe ein über die man mit einem Klick viele Plattformen auf einmal bedienen kann.

Sozialer Graph Ed Wohlfahrt

Ein weiterer Aspekt, der bei mir hängen geblieben ist, ist das große Thema "Brand Story Fragmentation". Ich halte es aus touristischer Sicht hoch aktuell und spannend zugleich. Was ist damit gemeint? Nun, Regionen und Destination verbringen in der Regel viel Zeit damit, ihre Marke zu transportieren, die in ihrer Region stattfindenden Besonderheiten (Geschichten) und Angebote zu erzählen. Sie besuchen Messen, drucken Folder, bezahlen Agenturen, etc. In Zeiten wie diesen sehen sie sich jedoch anderen Erzählern gegenüber die "andere" Geschichten erzählen und so zur Erosion bzw. im Vorfeld zur Fragmentierung der ursprünglich reinen und "unvefälschten" Brand-Story beitragen. Kein ganz unspannender Prozess, der, und das ist der eigentlich wichtige Aspekt, für so gut wie alle Anbieter touristischer Angebote und Dienstleistungen gleichermaßen zutrifft. Die Frage wird also sein, wie mit dieser Verwässerung seitens dieser "neuen Unternehmenssprecher und Marketingbotschaftern" vonSeit der  touristischen Regionen umgegangen werden kann bzw. sollte. Der mich sehr interessierende Themenbereich "Story Telling" erscheint vor diesem Hintergrund in ganz neuem Licht. Feedback hierzu supergerne!

7scenes

Ja und dann ging es ganz massiv auch noch um ein Thema, ein Spielzeug (?) sozusagen, dass mich die drei Tage in Berlin exakt 225,56 Euro gekostet hat. Erraten: Um das Mobile Internet und insbesondere das iPhone. Laut Meinung von Ronald Lenz, Co-Founder und Kreativ-Direktor der Holländischen Agentur 7scenes wird das iPhone immer mehr die Funktion eines kulturellen Kompass' übernehmen. Ein ungemein spannendes Bild. Hier gehts zum YouTube Video, das Lenz im Anschluss an seine Session gab. 
Ich habe mich im Rahmen meiner PR-Tätigkeit einige Jahre intensiv mit Stadtmarketing beschäftigen dürfen. Und was Lenz während seiner Session auf die Wand geworfen hat, war auch vor diesem Stadt- und Regionalalmarketing-Hintergrund extrem erleuchtend. Ist es Zukunftsmusik, Leute über ihre mobilen Endgeräte "in die Stadt / in die Region" zu holen und hier – durch die Vermittlung maßgeschneiderter Inhalte – die Verweildauer zu erhöhen? Nach der ITB meine ich: Definitiv nicht mehr! 

Wieder mal geht es nun darum, aus der Web-Zukunft in die Österreichische Social Media Wirklichkeit einzufliegen. Raumschiffe haben irgendwelche Kacheln unten dran, die sie beim Eintritt in die Erdatmosphäre schützen. Die habe ich nicht. Ist mir aber auch egal! Die Frage "brauche ich das alles" bleibt mehr denn je aktuell. Ein Blick aus dem Bürofenster lässt mich unweigerlich an den Satz irgendeines Kaisers denken, der einst sagte "Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung, die sich gegenüber dem Pferd aber nie durchsetzen wird."  Da fahren ganz schön viele Autos durch die Priesterhausgasse in Klagenfurt…

2 Gedanken zu “PhoCusWright / ITB09 Takeaways

  1. 225 Euro für Mobiles Internet? Na servas… wie oft könnte man von diesem Geld einen lang nicht mehr gesehenen Freund wie den Jürgen zum Bier einladen??? 😉