Zügellos: Ford Fiesta launcht Social Media Kampagne

9. April 2009Autokonzerne machen dieser Tage in erster Linie mit Schleuderpreisen von sich reden oder damit, dass sie – wider Erwarten – doch mehr Kohle vom Staat benötigen, von Obama für ihre …


Autokonzerne machen dieser Tage in erster Linie mit Schleuderpreisen von sich reden oder damit, dass sie – wider Erwarten – doch mehr Kohle vom Staat benötigen, von Obama für ihre nicht gerade weitsichtigen Rettungspläne ausgeschimpft werden etc. Jetzt aber schwappt ein Lichtblick über den großen Teich, der mit einem der größten Autobauer überhaupt, mit FORD zu tun hat.

Ford Fiesta Ed Wohlfahrt11

Man muss sagen, dass Ford in Sachen Social Media schon immer zu den eher ausgeschlafeneren Unternehmen gezählt hat, wenngleich nicht immer alles auf Anhieb so funktionierte wie man sich das vorgestellt hat. Na jedenfalls sorgte vor ca einem Jahr bereits eine Social Media Kampagne von Ford zum Ford Fiesta für einigen, nicht nur positiven Buzz – nachzulesen beispielsweise hier beim PR-Blogger.

Nun hat sich Ford dazu entschlossen, eine Stufe tiefer in die Materie einzutauchen. Das ist toll. Andere Unternehmen hätte die Learnings wohl dazu benutzt, vom Mitmach-Web unter lautem Geschrei – aua! – wieder Abstand zu nehmen. Nicht so Ford. Die Vertiefung unter Zuhilfenahme der aus der ersten Kampagne erlernten Dinge ist klever. Schließlich kann man seinen Erfahrungsschatz erweitern, gemachte Fehler nicht noch einmal machen – dafür neue! – und seine Marke nachhaltiger in der Social Media Sphere verankern als man das könnte, würde man nach dem ersten Engagement bereits die Flinte ins Korn werfen.

So. Was macht Ford jetzt? 100 Leute werden ausgewählt und bekommen 100 Ford Fiesta's für ein halbes Jahr zum Probefahren. Versicherung und Benzin inklusive. Ist also kein ganz billiger Spaß, dem in der Umsetzung wie man hier lesen kann auch Ford-intern nicht von Beginn an uneingeschränkte Zustimmung entgegen gebracht wurde. Aber was soll man machen! Jetzt in der Krise der Automobilkrise, der Mutter aller Krisen sozusagen? Wann innovativ sein und marketingtechnisch verdammt noch mal Neuland beschreiten wenn nicht jetzt??! Bei den Autobauern ist eh schon dermaßen viel im A. dass man in Wirklichkeit eh nichts mehr verbocken kann. Wie sehen meine Leser diesen Umstand eigentlich?

Ausgewählt für die Kampagne wurden die 100 Leutchens übrigens an Hand von Kriterien, auf die ich hier kurz näher eigenen möchte. 

a) Vernetzungsgrad. Man hat sich angesehen, wie viel Online Kontakte die Bewerberinnen so mitbringen, auf wie vielen Plattformen über das Netz verteilt sie vertreten sind. Wie nützlich sie als Sprachrohr mit einem Wort sind. Also auch hier geht es um Kontakte um Reichweite um Vernetzung. Auf den ersten Blick zumindest. Hier mit Sicherheit auch eine Rolle gespielt haben dürfte die Online Reputation der betreffenden Bewerber. Logisch: Wer massenhaft unzusammenhängenden Müll produziert ist wenig vertrauensvoll und kann wohl auch nicht viele LeserInnen / Netzwerkpartner an sich binden.

b) Fittness im Bereich Online Video. Ford schaute sich die BewerberInnen auch anhand ihrer Video-Kenntnisse an und suchte jene aus, die nachweislich Videos zu produzieren in der Lage sind, die Aufmerksamkeit erreichen. Brad Nelson, einer der 100 glücklichen Gewinner hat mit seinem Video wohl einen Volltreffer gelandet. Mit dieser elenden Honda-Kiste in Stadjäger-Ausführung sei ihm das aber auch von ganzem Herzen vergönnt.

http://www.youtube.com/v/DWSjlEe9hx0&hl=de&fs=1

Nun gut. Man wird sehen welche Inhalte durch diese auf den ersten Blick völlig ungesteuerte Social Media Kampagne ausgelöst werden, welche Gespräche sich daran entzünden und ob dies am Ende des Tages gemeinsam mit all dem anderen Marketing-Aufwendungen zusammen den Unterschied macht respektive Ford dabei hilft, absatztechnisch den Kopf aus der Schlinge zu bekommen. Wobei: Ob die Kampagne von Ford nun gänzlich ungesteuert ist, wird sich noch herausstellen. Nachdem doch einige Kohle im Spiel ist, habe ich hier schon so einige Zweifel, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.

Was macht die Social Media Kampagne aus meiner Sicht interessant? Da ist zum einen ein Unternehmen, das neue Wege geht. Wobei ein entfernt vergleichbares Projekt gab es auch schon in Österreich. Die Agentur Martrix launchte für KIA in Österreich die Automarke C'eed und lud vier Blogger ein die das Auto auch eine Zeitlang testfahren konnten und darüber im dazu eingerichteten Blog Inhalte produzierten. Das Blog von damals ist nicht mehr auffindbar. Die URL zeigt heute auf diese Page. Was ich von er Agentur so höre lief die Sache ganz ok ab. Ford jedoch lässt die Zügel wie es aussieht gänzlich locker und wartet einmal ab, was die 100 Leutchens an Inhalten so produzieren. Ein Blick auf die Auswahlkriterien jedoch macht deutlich, worum es Ford unter anderem oder vor allem (?) geht: Um User Generierte Inhalt der Marke Bewegtbild. Es geht um Vieos um die Macht der bewegten Bilder darum, die Claims auf den dazu gehörenden Video Plattformen abzustecken. Ist eine Marke nicht hier, dann ist sie nirgendwo, könnte man allgemein paraphrasieren… Vielleicht ist diese Denke aber schon längst in den Ford-Köpfen, wer weiß?

Nachsatz: Ich habe durch Zufall einen Begleitbrief weitergeschickt bekommen, mit dem gemeinsam eine Österreichische Kommunikationsagentur Testhandys verschickte. Holla! Das war ganz schön heftig, was hier alles verlangt wurde. Sogar wie und wo die zu produzierenden Inhalte zu taggen seien stand da auf drei Seiten. Penibel angeführt wurden in dem Schreiben auch die formalen Anforderungen an Blogbeiträge. So wurde zB dem Wunsch Ausdruck verliehen, die Kommentarfunktion am eigenen Blog zu disablen und als Ersatz einen entsprechenden Link auf eine alle Inhalte aggregierende Plattform zu setzen. Weil hier alles zentral abrufbar und erlebbar sei. Das zB nenne ich alt testamentarisches Kirchturmdenken in Reinkultur!!

Naja. Zu solchen Dingen wird sich Ford in seiner aktuellen Kampagne – sie startet noch dieses Monat – ja wohl nicht hinreißen lassen. Ich für meinen Teil lege mich auf die Lauer und schaue mir an, welche Inhalte nun in Sachen Ford die Social Media Portal-Seiten hinaufklettern werden. Input hierzu ist hier am Blog bitte jederzeit herzlich willkommen.

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