Achtet die ‚Geringsten‘ nicht gering

10. April 2009Vor wenigen Tagen erschien nachfolgender Leserbrief des freiberuflichen Journalisten und Bloggers Bernhard Torsch in der Kärnten Ausgabe der Kleinen Zeitung. Mit freundlicher Genehmigung des Autor wird er hier veröffentlicht. Als …


Vor wenigen Tagen erschien nachfolgender Leserbrief des freiberuflichen Journalisten und Bloggers Bernhard Torsch in der Kärnten Ausgabe der Kleinen Zeitung. Mit freundlicher Genehmigung des Autor wird er hier veröffentlicht. Als Ostergeschichte zum Nachdenken sozusagen.

Achtet die "Geringsten" nicht gering

Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." Das hat Jesus Christus gesagt – und das ist einer jener Sätze Christi, die in ihrer moralischen Eindeutigkeit bis heute nachvollziehbar machen, warum das Christentum ein zivilisatorischer Sprung nach vorne war und warum die Worte Jesu', ob sie nun von ihm selbst stammen oder ihm zugeschrieben wurden, auch 2.000 Jahre später immer noch die Herzen der Menschen berühren. Die "Geringsten", das waren zu den Zeiten Jesu' die an Lepra erkrankten Aussätzigen, die Zolleintreiber, die Huren, die Sklaven, die Feinde, die Frauen und die Kinder.

Heute sind die "Geringsten" Obdachlose, durch Armut Ausgeschlossene, Alte und Kranke, traumatisierte Asylwerber, ungeborene Kinder, Pflegebedürftige, Drogensüchtige, verliebte Priester und die Hunderttausenden, die sterben müssen, weil sie das Pech haben, in Weltgegenden geboren zu werden, wo Nahrungsmittel, Trinkwasser und ärztliche Versorgung unleistbare Luxusgüter sind. Der hart arbeitende Vater, der trotz größter Anstrengungen seine Familie kaum mehr ernähren kann, gehört ebenso zu diesen "Geringsten" wie die allein erziehende Mutter, die ab der Monatsmitte nicht mehr weiß, was sie ihren Kindern zu essen geben soll.

Die "Geringsten", von denen Jesus sprach, gibt es also immer noch, egal ob in Afrika oder in Klagenfurt und die Botschaft, nein, der Imperativ von Jesus gilt heute ebenso wie im Jahre null: Wer die "Geringsten" bedrängt und deren Leben auf Erden zur Hölle macht, der darf sich auf ein hartes Urteil einstellen, wenn das Jüngste Gericht tagt, denn wer die "Geringsten" misshandelt, der misshandelt Gottes Ebenbild und damit Gott selbst.

Das ist eine Handlungsanweisung, die über dem tagespolitischen Hickhack steht. Man muss es klar aussprechen: Wer gegen die "Geringsten" hetzt, um dadurch einen tagespolitischen Vorteil zu erringen, der handelt gegen die christlichen Grundideen und damit auch gegen die Grundfesten unserer Kultur. Um das zu erkennen, muss man nicht einmal an Jesus glauben. Es reicht, menschlich zu sein.

Bernhard Torsch

2 Gedanken zu “Achtet die ‚Geringsten‘ nicht gering

  1. Sehr wahre Worte, nur fehlte unter den Geringsten noch eine Gruppe von Lebewesen, denen wir Menschen am grausamsten zusetzen: Die Tiere, deren Rechte,und Leben wir mit Füßen treten.

  2. Kann ich nur unterschreiben und dass wir das auch immer vor Augen haben!