Unternehmen im Twitter-Blindflug

8. Mai 2009Seit gestern bin ich ein "Gschichterl" reicher. Ich habe von der Social Media Bruchlandung eines heimischen Unternehmens gehört und möchte diese Case-Study der besonderen Art mit den LeserInnen dieses Blogs …


Seit gestern bin ich ein "Gschichterl" reicher. Ich habe von der Social Media Bruchlandung eines heimischen Unternehmens gehört und möchte diese Case-Study der besonderen Art mit den LeserInnen dieses Blogs teilen. Abschließend aber auch Wege und Möglichkeiten besprechen, wie man sich Social Media Kanäle – in diesem Falle Twitter – als Unternehmen zu Nutze machen kann.

Es geht um den Österreichischen Versicherer Allianz 24 bzw. die angeblich ungewollten Twitter-Aktivitäten, die dem Unternehmen schon einiges Ungemach eingebracht haben. Nehmen wir einfach mal an eine Marke beginnt zu twittern und außer der betreuenden Werbeagentur weiß niemand davon. Nicht das Unternehmen, nicht seine Kommunikationsverantwortlichen, niemand. Die betreuende Agentur weiß davon und sie denk, sie handle im Interesse des Kunden, indem sie Twitter nutzt um eine URL bekannt zu machen. Zu diesem Zweck wurde in den ersten 19 Tweets gleich 14 Mal auf die betreffende Seite verlinkt. Unter anderem mit werbetechnischen Ergüssen der Marke "Prämienersparnis bis zu 40%" oder "Versicherung wechseln leicht gemacht". Das geht voll rein. Auf das will ich aber nicht hinaus.

Allianz Ed Wohlfahrt Twitter

Wer weiß wie es zwischen Agenturen und Kunden manchmal zugeht bzw. zugehen kann, der wird mir zustimmen. Manchmal geschehen Dinge, von denen man denkt, sie wären völlig ok und hätten ohnehin nur das große Ganze zum Ziel. Und sollte dieses lauten eine URL bekannt zu machen. Also wer könnte etwas dagegen haben, wenn man sich zu diesem Zwecke dem Microblogging-Dienst Twitter bedient? 

Böld ist es dann, wenn Medien anrufen und das Unternehmen zu seinen Twitter-Anstrengungen befragen möchte. Allein, das Unternehmen hat keinen blassen Schimmer davon, worum es geht… Das macht gleich mehrfach keinen schlanken Fuss, oder? Was also tun? Ich schlage ein paar einfache, ach was sag ich!, stupide Dinge vor, die jedes Unternehmen gleich umsetzen könnte. Es könnte natürlich auch die betreuende Agentur tun, sofern sie beim nächsten Jour fixe mit der Sprache herausrückt und nicht klammheimlich damit beginnt die Pressestelle links und rechts zu überholen.

#1 Sichern Sie sich den Twitter-Namen zu ihrem Unternehmen. 
Und zwar unabhängig davon, ob Sie dann wirklich aktiv twitter wollen oder nicht. Nur so bleiben Ihnen Twitter-Schicksale wie jenes des Fruchsaft-Herstellers Pago erspart. Mir Paola Gould herumraufen möchte ich mich nämlich nicht. Sie hat sich den Twitter-Nutzernahmen "Pago" gesichert und ist in L.A zu Hause…
Auch der ÖAMTC hat beispielsweise auf YouTube schon schlechte Erfahrungen gemacht. Warum? Weil er zu langsam war!

#2 Beobachten Sie die Twitter-Sphäre nach für Sie relevanten Inhalten
Über Search.Twitter.com oder andere Tools behalten Sie einen leichten Überblick über die hier stattfindenden Gespräche und Aussagen. Niemand hindert Sie hier auch daran, den Mitbewerb im Auge zu behalten, den Markt zu checken oder nach speziellen Kundenwünschen Ausschau zu halten.

#3 Holen Sie sich den Newsfeed der Twitter-Suche auf den Schirm
Wollen Sie nicht jeden Tag Twitter-Suchen durchführen, so empfiehlt es sich, dass sie vom Newsfeed Gebrauch machen, der zu jedem Suchergebnis angeboten wird. In Kombination mit einem RSS-Reader, warum nicht den von Google (Google-Reader) beginnt das sehr schnell Sinn zu machen. Und noch wichtiger: Die Angst, vor sie betreffenden Twitter-Inhalten, die Sie nicht kennen, ist schlagartig vorbei.

Alles andere, gemeint ist die strategische Planung, die zu jedem Social Media Kanal einfach dazugehört, möchte ich hier gar nicht lange ausbreiten. Das kommt vielleicht ein andermal. Aber mit den drei oben genannten Punkten hat man einfach kein Bauchweh mehr bzw. kann ein Fall wie jener der Allianz 24 nicht mehr vorkommen. Man kann so immer noch entscheiden ob man aktiv oder doch lieber passiv sein möchte und das beste: Man braucht dazu keine Social Media Schlaumeier. Das kann man selbst. Geht ganz einfach und ist bloß einen Klick entfernt!

Ein Gedanke zu “Unternehmen im Twitter-Blindflug

  1. Gut so. In diesem Fall war dem Auftraggeber wirklich nicht bewußt was hier geschah. Es wurde lediglich „Social Media Marketing“ gebucht. Somit ging es beim Output um reine Quantitätswerte.
    Sowie du schreibst, empfehle ich anfänglich immer eine intensive Beratung, damit das Unternehmen in solchen Channels selber agieren kann. Sollte längerfristig Kommunikation aufgebaut werden, gehts nur auf diesem Weg.