Reputations-Desaster via needfollower.com

20. Juli 2009Eigentlich geht es auf diesem Blog hier über die Chancen und Möglichkeiten im Bereich der Sozialen Medien (Social Media). Es geht um gute Beispiele und auch weniger gute. Bei weniger …


Eigentlich geht es auf diesem Blog hier über die Chancen und Möglichkeiten im Bereich der Sozialen Medien (Social Media). Es geht um gute Beispiele und auch weniger gute. Bei weniger guten geht es um Firmen, die sich im Einsatz von Social Media verkalkulieren, übers Ziel hinausschießen andere Fehler machen, aus denen meine Leser und ich lernen können. Heute aber geht es nicht um irgendwelche Unternehmen. Heute geht es um mich, Ed Wohlfahrt. Ich habe mir nämlich unlängst gehörig ins Knie geschossen und das geht so:

Über den Tweet eines BarCamp Freundes und angesehenen Österreichischen Social Media Auskenners stoße ich auf NeedFollowers.com – die Site bringt via Safari angesteuert seit neuesten eine Pishing-Warnung… Spricht ja schonmal Bände… - und bin gleich mal hin und weg. 400 neue Follower pro Tag werden mir versprochen und das Hirn setzt darauf hin gleich mal aus. Retrospektiv kann ich das nur mit den nächtlichen Werbebotschaften für Bauchtrainer oder Abnehm-Drinks vergleichen. Ohne Sport ein Waschbrettbauch, ohne Sport und Hungern Pfunde verlieren, ohne Dialog hunderte neue Twitter-Follower, einfach cooooool!

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Gesagt getan. Nachdem 200 Dollar – Social Media darf doch wohl etwas kosten… – über den Ladentisch gegangen waren und nicht nur das: Ich händigte meinem US-amerikanischen Gegenüber gleich auch meinen Twitter-Usernamen inklusive (!) Passwort aus, schwoll mein Postfach gewaltig an. Hunderte neue Follower trudelten ein und minütlich wurden es mehr. Toll! Also Abnehmen ohne Hungern, Waschbrettbauch ohne Schwitzen. Das Paradies auf Twitter? Mitnichten!! Was mir nämlich im Kaufrausch entging, waren die Terms of Serice des Unternehmens, die unter anderem vorsehen, dass über meinen Account Tweets wie dieser hier verschickt wurden.

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Einige Tage später war die negative Überraschung groß, als folgende Tweets und Direct Messages bei mir einliefen. 

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oder auch hier. Wenn ich sagen würde, dass mich das nicht kratzt, es wäre gelogen. Autsch!!!
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Die Kritik an meinem Vorgehen ist / war absolut berechtigt. Hatte ich doch so schließlich alle Regeln über Bord geworfen die ich seit Jahren predige. Welche Regeln meinste? Dass Qualität vor Quantität geht, dass sich online Gespräche nicht beliebig skalieren lassen, dass es um Passion und um nichts anderes geht! Oder wie es ein guter Freund so treffend formulierte "Tausende Follower zu haben ist scheißegal. Es geht um die paar hundert die dir wirklich zuhören" Wie schön, dass mir das nach meinem Social Media Ausrutscher auch wieder einfällt!

Ach ja! Ginge es hier nicht auch um Reputation? Genau! Auch diesem, für als Berater so zentralen Aspekt, ließ ich angesichts eines so tollen Angebotes völlig außer acht. Ganz einfach dadurch, weil ich online einen Ton anschlug und Botschaften hämmerte, die meine Zuhörerschaft so von mir schlicht nicht gewohnt war. Insofern hat Andreas Schepers, einer meiner geschätzten Zuhörer auf Twitter, mit seinem Tweet leider absolut recht.

Nachsatz: Ich hab ein wenig hin und her überlegt das hier zu bloggen oder nicht. Schließlich gestehe ich hier eine Riesen-Dummheit ein. Aber wenn es hier am Blog schon um gute und schlechte Beispiele aus der Sozio Sphere gehen soll, dann bitte auch um meine eigenen. Schließlich bedeuten Social Media für Unternehmen – und im Grunde bin ich ein solches – nicht nur Sonnenschein-Kommunikation sondern auch die verdammte Pflicht Fehlern einzugestehen, Besserung zu geloben und (öffentlich) dazuzulernen. Genau das habe ich vor und genau aus diesem Grunde entschuldige ich mich hiermit bei allen meinen Followern, die ich gespamt und gegen mich aufgebracht habe. Auf bald wenn es hoffentlich wieder um positivere Beispiele von Ed Wohlfahrt PR & Social Media geht!

34 Gedanken zu “Reputations-Desaster via needfollower.com

  1. Transparenz ist immer gut. Mich würde noch interessieren: Was waren das für Follower? Amerikaner oder Deutschsprachige?

  2. Sehr lesenswerter Beitrag, finde ich in der Offenheit sehr mutig. Da fallen mir diverse Beispiele Anderer ein, in denen mit eigenen Fehlern nicht offen umgegangen wird, sondern sie allenfalls abgestellt werden.
    Mir als Leser bringt es was, wenn anhand Reflektion des eigenen Tuns Learnings beschrieben werden.

  3. Hej Ed,
    danke für die gezeigte Offenheit. Bin vor einigen Tagen auch auf die Phishing-Warnung gestoßen und habe die Site daraufhin ignoriert. Schön und vor allem auch beruhigend, finde ich an deinem Beispiel und Blogpost auch, dass man sich auf bestimmte Mechanismen im Web (zentraler Phishing-Schutz) heute einen guten verlassen kann.
    Merkens- und an anderer Stelle auch zitierenswert finde ich auch den Satz deines guten Freundes über die Zahl der Zuhörer unter den Followern. Auch dies sollte vielen deutschsprachigen Twitternutzern ein Anlass sein, Qualität wieder über Quantität zu stellen.
    Viele Grüße,
    Oliver

  4. Wow! Ich sag hier 1fach mal danke. Schätze ich habe über Social Media noch nie soviel gelernt wie während der letzten 24 Stunden. Danke an alle für die vielen Kommentare und eMails. In Wirklichkeit geht es mir nun um den geordneten Rückzug auf jene Zahl an Twitter Followern, die heute bei mir am Blog waren (ca. 800), die mir wirklich zuhören und mit denen es beiderseits Sinn hat im Online Gespräch zu sein und zu bleiben.

  5. Hä? Ich versteh nur Bahnhof… follow was? Das sind die kleinen Autos am Flughafen, oder? Warum willst 400 von denen??

  6. hi ed,
    wo gesurft wird fallen Spänne – aber im Vergleich zu andere PR Leuten bekennst du Farbe und stehst dazu. Respekt
    mike

  7. Wie jetzt ? Du hast Geld gezahlt um Follower zu kriegen ?
    Und dem Dienst auch noch das Paßwort für deinen Account zu Verfügung gestellt ?
    Ich bin sprachlos…
    Naja, den Fehler hast du ja eingesehen… aber welcher Teufel hat dich geritten, als du das gemacht hast ? Warst du besoffen ? :-)

  8. Twitter Trains: Von Follower-Kufen und Phishing-Problemen

    Twitter-Trains bringen mehr Followers und sind fr Phishing-Betrger ein willkommenes Werkzeug zum Sammeln von Accountdaten. Worauf muss man achten, wenn man schon unbedingt Geld fr mehr Twitter-Followers ausgeben mchte?

  9. @Ed: Cooler Beitrag! Wobei: grundsätzlich funktionieren diese Twitter-Trains ja eh gut, es gibt aber einige schwarze Schafe, nachdem das in US *der* Hype der letzten Wochen war… das geilste ist ja, dass ich mich bei NeedFollowers gar nie eingeloggt habe, hab das dann extra nochmal in der History überprüft. Es gibt mittlerweile ziemlich viele US Mash-Ups, die gutes biz damit machen, dass sie aquirierte Twitter-Adressen verkaufen: online Betrug halt. Nachdem ich mir ziemlich *jedes* Service ansehe, muss ich halt mit etwas Kollateralschaden leben, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt :mrgreen:
    @Wolfgang Tonninger:
    der punkt ist ja, dass du von leuten wie @datadirt dazu inspiriert wurdest. der hatte aber zu diesem zeitpunkt offensichtlich das gleich problem – er geht jedoch damit so um, dass er auf antworten bzw fragen einfahc nicht reagiert.
    „Leute wie“… hehe… made my Day. Ist es echt so schwierig, mal nachzusehen, bevor man untergriffigen Blödsinn über andere verbreitet? Ja, ich weiß schon: wenn man sich persönlich nicht kennt, dann geht das echt einfach. Aber zum Glück dokumentiert das Web 2.0 ja eh alles mit. Ich hoff, du hast mich inzwischen entfollowed, das war sicher nicht mein letzter „Fehler“:
    http://twitter.com/datadirt/status/2650238954
    http://twitter.com/datadirt/status/2650242761

  10. Hallo Ed! Es ist der absolut richtige Weg, offen über Fehler zu sprechen, die jeder macht und die jedem passieren können. Es ist im Sinne des „sozialen“ Handelns im Internet, nicht nur eigene Fehler einzugestehen, um seine eigene Reputation wiederherzustellen bzw. Fehlerursachen offenzulegen, sondern auch andere vor diesen Fehlern zu bewahren. Diese Erfahrung zu teilen, ist der Spirit des Web und sorgt dafür, dass genau solche Fehlentwicklungen publik werden.
    sg, Karim

  11. Schöner und ehrlicher Beitrag. Fehler passieren allen mal, wichtig ist, was man daraus lernt. Und wie du damit umgegangen bist, verdient ein großes „Thumbs up“!

  12. Hallo Ed,
    finde es sehr gut, dass, und wie Du dieses Thema behandelst.
    Da ich nur als Privatmann twittere (@pix4pix – derzeit 700 Follower), ist es für mich sicher nicht so wichtig, möglichst viele Follower zu haben.
    Ich frage mich aber oft, was es den Leuten bringt von jedem Mist dieser Welt verfolgt zu werden. Wohl wissend, dass das ausser einer sichtbaren hohen Zahl überhaupt nichts bringt.
    Deshalb habe ich schon nach knapp einem Monat Mitgliedschaft bei Twitter damit angefangen meine Followerschaft auf (von mir so genannte) #1A-Follower zu reduzieren und habe darüber auch einen kleinen Blogeintrag geschrieben. Siehe http://beta.nordbayern.de/netz/2009/07/21/wer-oder-was-sind-1a-follower-bei-twitter/
    Schöne Grüße vom #Twitter-Darwin

  13. Danke Ed für deinen Beitrag!
    Nobody is perfect – auch nicht die ach so unfehlbare Social Media Szene.

  14. hallo ed,
    ich finds gut dass du hier deine Erfahrungen schilderst! Es gibt zu viele dieser Abzocker / Massenfollower – und die Leute, die du damit dazubekommst sind einfach nichts wert. Die meisten Konversationen führe ich mit Menschen mit denen ich im realen Leben mal geredet habe. Wild drauf los zu followen ist wirklich nicht zielführend, wenn man auch Resonanz auf seine Tweets haben will.
    Was mich wirklich nen bissl aus den Socken gehauen hat: Du hast dafür Geld gezahlt?

  15. Moin Ed,
    fast mag ich es nicht glauben, haste das wirklich irrtuemlich und aus Versehen gemacht? Oder haste nur etwas rumspielen wollen?
    Ich haette dafuer ja einen Fake-Account zum Ausprobieren erstmal genommen, um zu sehen, wem ich da meine Daten – und somit nicht zuletzt auch einen Teil meiner Online-ID – anvertraue. Selbst wenn ich dann doppelt zahle, wenns gut ist, aber dann bin ich wenigstens ueberzeugt. Und im negativen Falle hab ich nur einen Fake-Account beschaedigt, den ich wieder loeschen kann.
    Ich hab gestern erfahren, dass rumaenische Anbieter fuer 40 Euro 100 Tweets anbieten, egal was. So kommt man ggf auch zu Followern? Oder zu einer gewissen Form von Corporate Twitter PR? Waer ja auch eine Idee fuer #vodafail in .de… =;)
    Servus,
    GAP

  16. Ed, du hast das einzig Richtige getan: aus einem Fehler nicht nur selbst zu lernen, sondern deine Community zu warnen, denselben Fehler auch zu begehen. Da wir alle nicht perfekt sind, hätte es jede/n – auch die SM-Althasen – treffen können.
    Du hast sicherlich etliche Leute vor lästigen Erfahrungen bewahrt.

  17. Fehler offen eingestehen und andere vor den gleichen Fehlern warnen, ist ein Zeichen von Größe. Ich würde mal sagen, Online-Reputation erfolgreich wieder repariert – und den Link auf diesen Blogeintrag schicke ich heute noch ein paar Leuten, die auf ähnliche Dienste reingefallen sind.

  18. der punkt ist ja, dass du von leuten wie @datadirt dazu inspiriert wurdest. der hatte aber zu diesem zeitpunkt offensichtlich das gleich problem – er geht jedoch damit so um, dass er auf antworten bzw fragen einfahc nicht reagiert. übrigens: diese blöden SPAM-mails bekommt man bei diversen pishing-adressen auch schon, wenn man gar nicht bezahlt, sondern nur mal reinschaut, um zu sehen, wie die das machen und wie sie USER locken. ich habs auch gemacht: vor einem Monat – wollte mich informieren und hab twitter accounf plus passwort angegeben, weil ich sonst nichts darüber erfahren konnte. und schwups: das waren sie die ersten SPAMS. habs gottseidank schnell abdrehen können.
    was mich ärgert, ist, das viele sogenannte alpha-twitterer sich genau dieser instrumente bedienen und wir mit stars konfrontiert sind, die kaum relevante follower besitzen. das ist der letzte mist dort … damit wir beim nächsten punkt wären: auto-follow // auto-unfollow usw ….
    gratuliere zur mutigen entscheidung, darüber mehr zu sagen!
    lg
    wolfgang tonninger

  19. Einfach ehrlich – klasse. Wo Licht ist ist auch Schatten, und diese Art öffentliches Feedback hilft allen, die sozialen Medien besser zu nutzen. Danke!

  20. Hallo Ed,
    klar clever war das nicht, aber wer macht mal keinen Quatsch! 😉
    Das öffentlich zu machen, die eigenen Fehler einzugestehen und damit auch eine Prävention zu leisten ist super. Wollen wir nur hoffen, dass sich diese Beispiele fortsetzen und eine tollerantere Fehlerkultur in Deutschland entsteht. Ich finde es gut!
    BTW: …und schon haste einen Follower mehr 😉
    Gruß,
    Moritz

  21. Kann ja mal passieren, wir probieren hier alle nur herum.
    Dieser Post zeigt, dass du es verstanden hast: Offenheit, Fehler eingestehen, abwatschen lassen, aus Feedback lernen und neue Fehler machen …

  22. Hallo Ed,
    solche Geschichten machen einen erst recht sympathisch :)
    Ich schätze die, die ihre Eigentore ebenso posten um so mehr

  23. Hi Ed,
    das scheint ja echt ein „böser“ Service zu sein 😉
    Die Seite wurde bei mir mit einem Betrugsversuch-Hinweis geblockt.
    So was kann ja mal passieren 😉 Ich finde es gut, wie Du damit umgehst.
    Vielleicht solltest Du sicherheitshalber Dein Twitter PW ändern – wer weiß, was da noch alles in den Terms of Service drin steht.
    Gruß,
    Michael