Google Wave: Vorgeschmack auf die Social Media Zukunft

1. Oktober 2009Google Wave ist nicht mehr oder weniger als der Vorgeschmack auf eine mögliche Zukunft des Social Webs. Das kann, das wird auf online Kommunikation auf online Marketing oder Online-PR nicht ohne Wirkung bleiben.


Google hat etwas Neues in seinem Bauchladen. Hm… Google bringt immer mal etwas Neues, gibt Dingen, die man von anderswo her kennt, einen neuen Anstrich (gMail) oder zückt einfach mal das Scheckheft (Feedburner, YouTube). Im vorliegenden Fall ist es jedoch anders, handelt es sich doch um ein "homegrown" Tool, an dem Google seit fast zwei Jahren schraubt und an dem unter anderem jene Personen werken, die schon bei Google Maps die Finger im Spiel hatten. Das ganze nennt sich Google Wave.

Ed Wohlfahrt google_wave_logo_final

Was ist Google Wave? Das neue Pferd im Google-Stall bietet seinen Nutzern in gängigen Web-Browsern die Möglichkeit zur Kommunikation und Kollaboration in Echtzeit. Nun werden Sie durchschnaufen und sagen, kann mein Instant Massaging System alles auch. Stimmt, doch Google Waves funktionieren in Echtzeit. Was heißt das? Personen die sich in einer Wave befinden, können in Echtzeit multimediale Inhalte miteinander austauschen bzw. editieren. Es können Waves zu allen möglichen Topics anlegen und andere in die Wave eingeladen werden. Kommt durch drag and drop (absolut cooles Feature!) nachträglich ein Benutzer hinzu, so kann dieser sich die History der Wave ansehen, also den Verlauf des Gespräches wie es geführt wurde. Wenn der Newbie möchte aber auch nur die Dialoge die Person A mit Person B geführt hat. Ein weiterer Vorteil: Die API der Google Wave ist offen (derzeit noch nicht voll, aber das wird sich bald ändern). Das heißt, dass Entwickler Google Wave auf ihre Bedürfnisse hin anwenden können, auf GoogelWave basierend neue Anwendungen und Erweiterungen (Extension) programmieren und anderen anbieten können. Das Killer-Feature von Google-Wave ist meiner Meinung nach jedoch die Möglichkeit, Waves sehr einfach auf externen Seiten einzubetten. Die Widget-Technologie oder die Möglichkeit, Videos zu embedden gibt es ja nun schon einige Zeit. Google Wave geht jedoch einen entscheidenden Schritt weiter. Ändert sich das Aussehen einer Wave zu einem x-beliebigem Thema, beispielsweise durch das Hinzukommen eines neuen Kommentars, so ändert sich gleichzeitig auch die dazugehörige Wave, die irgendwo im Netz auf einem Blog oder einer Homepage abgebildet ist. Großes Kino würde ich sagen…

Google-wave-main

Jetzt haben wir mehrere Möglichkeiten mit Google Wave umzugehen

  1. Google Wave zu hypen, klar.
  2. Google Wave abzutun als ein weiters Tool, mit dem sich Google unersetzbar machen und seinen Erzrivalen Facebook auf Distanz halten will 
  3. Google Wave als das hinzustellen was es derzeit ist, nämlich eine noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Kommunikations- und Kollaborationsplattform mit entsprechender Breitenwirkung. Gestern bekamen die ersten 100.000 Personen exklusiven Zugang zu Google Wave. 

Ich persönlich tue mir mit einer Einschätzung schwer, da ich Google-Wave noch nicht selbst testen konnte und es generell zu früh ist, die jüngst präsentierte Kommunikationsplattform auf konkrete Beispiele hin anzuwenden und daraufhin zu testen (Stichwort: Performence orientierte Kommunikation thx Mr. Gattereder :). Was also ist Google Wave dann? 

Google Wave ist nicht mehr oder weniger als der Vorgeschmack auf eine mögliche Zukunft des Social Webs. Für mich ist spätestens nach der Keynote, mit der Google seine Wave auf die Reise schickte, klar, dass Google damit Facebook den Fehdehandschuh hinwirft und sich selbst zur Meta- bzw. Mega Kommunikations-Plattform aufzuschwingen versucht. Klar ist mittlerweile auch, dass Google nunmehr voll auf die Macht des sozialen Internets bzw. die Keimzelle dieser Macht, das Gespräch (!) der einzelnen Nutzer untereinander, abzielt. Schließlich ist die Zielsetzung, ja eigentlich sogar die Daseinsberechtigung von Google Wave die Interaktion.

Ich habe auf diesem Blog schon oft über online Gespräche geschrieben. Für diese Gespräche brauchten wir bislang unterschiedliche Tools wie eMail, IM, Chat, Newsgroups, Wikis, Kommentarfunktion, etc. Google bietet nun alles aus einer Hand im Rahmen der Google Wave und Nutzern zudem die Chance, diese Gespräche in Echtzeit zu führen. Das kann, das wird auf online Kommunikation auf online Marketing oder Online-PR nicht ohne Wirkung bleiben.

Hier der Link zur Keynote anlässlich der Präsentation der Google Wave. Achtung! es dauert 1 Stunde 20 Minuten, gibt aber einen guten Überblick über Google Wave.

5 Gedanken zu “Google Wave: Vorgeschmack auf die Social Media Zukunft

  1. Das interessante ist, dass Google Wave zumindest teilweise Open Source werden soll, und vermutlich wird man auch eigene Installationen von Google Wave hosten koennen. Auch das Protokoll wird offen sein.
    Dadurch muss man sich durch die Verwendung von Google Wave nicht in die Abhaengigkeit von Google geben. Ausserdem setzen sie sich selber Wettbewerb mit anderen Betreibern aus, was sicher zu weiterer Innovation auf diesem Gebiet fuehren wird.
    Das wird sicher spannend und koennte unser Leben im Internet nachhaltig veraendern. So wie auch Facebook schon viel veraendert hat, mit dem Unterschied, dass Facebook primaer Unterhaltung ist, das Ziel von Google Wave aber mehr Zusammenarbeit ist.
    Plepe.

  2. @Robert Du hast natürlich recht, es ist sehr früh. Aber als eine mögliche Social Media Zukunft erscheint mit Google Wave mehr als brauchbar. Es ist imho eine interessante Antwort auf die Frage, wohin wir uns bzw. die Social Media Blase und deren kultureller Unterbau hin bewegen. Ich brauch jetzt unbedingt Zugang und werde mir dann einige Anwendungsszenarien anschauen. Wobei mich natürlich in erster Linie Möglichkeiten im Bereich online Kommunikation interessieren
    @shippingzweinull: danke für den Link. Das Usability-Thema ist natürlich ein wichtiges Thema. Ein zweites wichtiges Thema: Derzeit haben bloß 100.000 Zugang zur Wave. Sollen es einmal 10 Mio. sein aber ich werde sogar dann noch schwer damit tun, beispielsweise als Unternehmen, Bürgerinitiative oder Verein, genügend Leute zusammen zu bekommen, die die Wave kennen und nutzen, sodass ich sie mittels Drag n‘ Drop zu meiner „passion based wave“ hinzufügen kann. Weil der ganze Spaß macht imho ja erst dann wirklich Sinn, wenn ich nicht alleine bin in der Wave :)

  3. Dank entsprechender Plugins – heißen bei Wave Robots und Gadgets – kann man seine kompletten Social Media Aktivitäten dort abbilden. Schaue mir das gerade seit gestern Abend an und muss sagen, dass es extrem cool – aber auch noch sehr erklärungsbedüftig ist. Google muss noch mehr auf Usabilty achten, damit die breite Masse mit Wave zurecht kommt.
    Ein kürzeres und gut erklärendes Video (ca. 8min) gibt es übrigens hier: http://redir.ec/googlewave

  4. Noch gibt es viel zu wenig Erfahrung mit Google Wave um wirklich etwas vorauszusehen. Natürlich ist der Hype im Moment enorm. Allein die Anfragen per Twitter nach einem Invite gehen schon fast Richtung Spam 😉
    Es wird aber zumindest einige Zeit brauchen, bis größere Gruppen herausgefunden haben, wozu Wave alles taugt. Spannend wird dabei die Frage, ob bzw. wann der „Massenmarkt“ nachzieht oder Wave nur ein weiteres Tool der „Webfreaks“ wird.