Human Resources Management via Social Media

27. Oktober 2009Es ist schon ein paar Jahre her, da saß ich als Junior-Berater bei einem Unternehmen. Es war nicht gerade klein und hatte damals 3.000 Mitarbeiter und ca. 800 Mio. Euro …


Es ist schon ein paar Jahre her, da saß ich als Junior-Berater bei einem Unternehmen. Es war nicht gerade klein und hatte damals 3.000 Mitarbeiter und ca. 800 Mio. Euro Jahresumsatz. Was mit von diesem PR-Meeting in Erinnerung blieb, war das Klagelied der Manager in Sachen Human Resources. Auf die Zeitungsanzeigen des Unternehmens würden sich keine passenden BewerberInnen mehr melden, klagten sie. Die wirklich guten Leute würden sich bei weit kleineren Unternehmen bewerben, die für Absolventen jedoch attraktiver wären als das eigene Unternehmen. Ein echtes Kommunikationsproblem, würde ich sagen, das natürlich stark zu tun hat mit Eigen- und Fremdsicht des Unternehmens, mit seinem Image und seiner Reputation. 

Unternehmen, ja im Grunde ganze Wirtschaftsstandorte befinden sich heute im Kampf um die besten Köpfe, um das ganze mal martialisch auszudrücken. Die Universum Student Survey 2009 hat sich unter 4.000 AbsolventInnen umgehört und weist nun Österreichs beliebteste Arbeitgeber aus (==> PRESSE Artikel). In diesem Jahr führt Getränkehersteller Red Bull vor McKinsey und Google. Soweit so gut. Was aber können Unternehmen tun bzw. was tun sie bereits jetzt, um sich die besten Köpfe zu sichern? Richtig! Sie treten mit ihnen – ganz wichtig! – bereits während ihrer Ausbildung in Dialogbeziehungen, die sich über die Zeit hinweg intensivieren (können) und vielleicht, wer weiß, in ein konkretes Job-Offert münden. Und wenn man sich die Zielgruppe ansieht, um die es sich dabei handelt, also Menschen, die heute zwischen 25 und 30 Jahre alt sind, ist kaum verwunderlich, dass diese Gespräche auch über Social Media Kanäle geführt werden (müssen). Als Beispiel möchte ich hier die Mobilkom Austria anführen, die meiner Meinung nach sehr gut deutlich macht, worum es geht.

HR Management Ed Wohlfahrt

Viele der größeren Seiten haben heute Landingpages, die speziell auf die Zielgruppe der High Potantials zugeschnitten sind. So auch die Mobilkom, die diese Site klever mit einer Facebook-Fanpage verknüpft hat. 

Mobilcom Austria auf Facebook

Hier stellt sich das Unternehmen nicht nur mit dem dar, was es "kann" wer es ist, was Absolventen geboten wird, etc. hier geht es vor allem auch um das Gespräch um digitales "Anbandeln", das wohlgemerkt in beide Richtungen geht. Also als ich mich damals 1999 durch die Liste möglicher Arbeitgeber (und deren Homepages) geklickt habe, gab es diese Möglichkeit sicher noch nicht, in ein Unternehmen hineinzuschnuppern, online mit Menschen zu sprechen, die im betreffenden Unternehmen bereits arbeiten, über Social Media informelle Kontakte zu knüpfen, die mir beim Bewerbungsgespräch dann vielleicht Türen öffnen können, etc. Damals gab es bestenfalls Homepages mit einem eMail Formular der Marke "Bewerben Sie sich hier!". 

Und jetzt zurück zum Thema Unternehmenskommunikation! Zurück zum Ausgangspunkt, wo es um das Problem ging, dass sich beim betreffenden Unternehmen zu wenig wirklich gute Leute bewerben würden. Hm… Ich glaube, dass die Attraktivität, die ein Unternehmen bei potentiellen BewerberInnen besitzt, oder eben nicht besitzt, damit zu tun hat, wie diese das Unternehmen wahrgenommen bzw. kennenlernen durften. Hier gehts um Reputation und um Strahlkraft eines Unternehmens bzw. einer Marke. Und diese wiederum hat nicht zuletzt damit zu tun, wie sich diese Marke online präsentiert. Wie erlebbar sie hier für BewerberInnen wird, wie und ob überhaupt die Möglichkeit vorsieht, mit dem betreffenden Unternehmen online ein wenig zu kuscheln, vorzufühlen, warm zu werden, mich vielleicht sogar als Fan des Unternehmens zu outen, es zu gruscheln oder was immer… Ich denke man erkennt, woraus ich hinaus will. Es geht um die Reputation der Marke es geht vielleicht um den Vorgeschmack um einen Einblick, den mir das eine Unternehmen über diverse (Social Media) Kanäle ermöglicht, und das andere Unternehmen eben nicht. In Wirklichkeit geht es beim Aufbau von Kommunikationsbeziehungen immer um das Schlagen von Brücken. Und klevere Unternehmen beginnen damit nicht erst dann, wenn sie erkennen müssen, dass sie zu wenig gute Bewerbungen bekommen. Zu diesem Zeitpunkt ist meiner Einschätzung nach schon längst Feuer am Dach.

Wer kennt weitere Unternehmen, die in ihrem Human Resources Management Social Media einsetzen? Würde ich mir sehr gerne ansehen. Thx!

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