Info-Blackout bei den Klagenfurter Stadtwerken

16. November 2009Im neuen Jahr halte ich am eDay der Kärntner Wirtschaftskammer wieder Impulsreferate. Diesmal zum Thema "Online Reputation als Schlüssel zum Erfolg". Seit Tagen gehe ich jetzt mit Ideen für meine …


Im neuen Jahr halte ich am eDay der Kärntner Wirtschaftskammer wieder Impulsreferate. Diesmal zum Thema "Online Reputation als Schlüssel zum Erfolg". Seit Tagen gehe ich jetzt mit Ideen für meine Keynote schwanger. Heute Abend durfte ich jedoch selber spüren, was es heißt, einem Unternehmen zu vertrauen oder eben zu misstrauen. Was war geschehen? Stromausfall in meinem Stadtteil. Kein großes Thema, es sei denn im oberen Stock wohnt eine 83Jährige Dame und hat Angst. Es sei denn das Baby braucht Fläschchen. Es sei denn das Haus wird mit Stom geheizt.

Was hat das mit der Homepage meines Stromversorgers zu tun? Was mit Vertrauen, mit (online) Reputation und alledem? Eine ganze Menge wie ich finde. 

In diesen Minuten, in denen ich mit der Taschenlampe durch die Wohnung tappte, hätte es extrem gut getan, hätte man auf der Homepage des Stromversorgers einen Ticker vorgefunden, der auf die Netzprobleme hingewiesen hätte. Von einer Dark-Site gar nicht erst zu sprechen! Das wäre überhaupt keine große Sache gewesen, wegen der man hätte Presseaussendungen verschicken müssen. Eine Minimal-Info-Architektur hätte dafür völlig ausgereicht. "Achtung – Stromausfall in Klagenfurt /Waidmannsdorf – voraussichtliche Dauer 20 Minuten" oder dergleichen. Diese einfache Maßnamen hätte dafür gesorgt, mir und vielen anderen Sicherheit zu geben, hätte dazu beigetragen, Vertrauen zu schaffen in einen Stomversorger, der mit mir spricht, der für mich da ist wenn ich ihn mal brauche und das nicht bloß in Form eines Aktuell-Buttons auf seiner verdammten Homepage.



Als ich mich durch besagte Homepage klickte, fielen mir all diese super-bescheuerten Textbausteine auf, all der PR-Sprech, den ich schon selber nicht mehr hören kann. Er kotzt mich schlicht und ergreifend an, in seiner, an allen meinen (Informations-) Bedürfnissen geschickt vorbeizielenden Art. Wer redet hier mit mir, ein Konzern, eine Agentur, ein System? Wer glauben die wer ich bin? Kann es sein, dass hier Leute sitzen, die ernsthaft annehmen, ich würde mich für die Historie des Konzerns interessieren, für den Lyrikpreis, für das Gewinnspiel Jazz-Club, für Bilder vom Vorstand oder aber für salbungsvolle Texte wie diesen hier:



Mehr als 50.000 Stromkunden vertrauen uns und sind Partner der Energie Klagenfurt GmbH. Wir liefern diese unverzichtbare Energie rund um die Uhr unseren Kunden direkt ins Haus, zum Arbeitsplatz oder ins Unternehmen. Auch ein Großteil der Klagenfurter Betriebe aus Industrie, Gewerbe und Handel arbeitet seit Jahren eng mit uns zusammen und schätzt unser umfangreiches Servicepaket. Strom als Quelle für Licht, Wärme und Kraft ist längst allgegenwärtig. Aber auch die boomende Informations- und Kommunikationstechnologie ist ohne Strom undenkbar.

Wir stehen unseren Kunden als verantwortungsvoller Energiedienstleisterjederzeit gerne mit Rat und Tat zur Seite. Dabei setzen wir auf regionale Stärke und die Kompetenz unserer erfahrenen Mitarbeiter. Die Nähe zum Kunden und deren beste Betreuung ist unser oberstes Unternehmensziel. Unser Motto:"Rundum Sorglos". 

Solcher PR-Sprech ist nicht nur eine Zumutung für den Lesefluss, er ist vielmehr eine persönliche Beleidigung. Ja ich fühle mich von Unternehmen die auf ihrer Homepage so mit mir sprechen beleidigt (ich sag gar nicht geistig unterfordert). Ich bin sauer auf Unternehmen, die denken, mich würde derart gequirlter Unternehmens-Quatsch interessieren, mit dem sie sich hier selbst ins beste Licht zu rücken versuchen. Mit dem sie nicht über meinen Nutzen sondern einzig über sich selbst reden. Tragen solche Inhalte dazu bei, Vertrauen aufzubauen? Geben sie Konsumengen Sicherheit? Sind sie in der Lage einen konkreten Nutzen zu stiften?



Mir ging es mit diesem Post gar nicht mal ums Web 2.0. Nein! Das wäre nun für Kärntner Verhältnisse doch entschieden zu weit gedacht. Ein Twitter-Stream der Stadtwerke Klagenfurt, in unverdächtigen Zeiten hochgezogen und über die Monate hinweg konsequent verfolgt, hätte in Minuten wie diesen goldeswerte Informationen liefern können. Ich würde den Stadtwerken Klagenfurt auf Twitter selbstverständlich followen, da sie mir im Fall des Falles ja rasche und damit unglaublich relevante Infos zB zu einem Blackout in meinem Stadtteil liefern könnten. Wie wäre es auch mit einem SMS Dienst? Aber was die Stadtverwaltung in San Francisco in Sachen Customer Care tut, das brauchen wir doch nicht. Da fällt mir schon wieder ein neuer Slogan ein für die nächste Landtagswahlen in Kärnten: "Klagenfurt darf nicht San Francisco werden"…



4 Gedanken zu “Info-Blackout bei den Klagenfurter Stadtwerken

  1. >Eine Minimal-Info-Architektur hätte dafür völlig ausgereicht. „Achtung – Stromausfall >in Klagenfurt /Waidmannsdorf – voraussichtliche Dauer 20 Minuten“ oder dergleichen.
    Am besten Lautsprecher. Ich fürchte nur das nutzt bei 83jährigen auch nichts (eventuell schwerhörig). Und Banner im Internet schon gar nicht.
    Ich stell mir die Schlagzeile richtig vor.
    „Elektriker musste mit der Reparatur warten, weil das Banner noch nicht fertig war!!!“

  2. hab mich wirklich ärgern müssen. Das beste jedoch war ein auf der HP geschalteter Banner-Ad der Kärntner Messen. Jedesmal wenn man ihm mit der Maus zu nahe kam tönte aus dem Lautsprecher „Alle Jahre Wieder….“

  3. Ja, lieber ED dem ist wohl nichts hinzu zu fügen ausser dass ich dir wirklich recht gebe und gratuliere. Du bingst es mal auf den Punkt. Ich schau mir das mal mit der Salzburg AG an, dürfte aber ähnlich laufen. Die haben ja auch in letzter Zeit einen Werbe-Bock geschossen.
    Alles Gute
    Thomas