Social Media Monitoring: Ist die Hochblüte selbstgestrickter Lösungen vorüber?

14. Dezember 2009In meinen Folien, die ich für Workshops und Keynotes zu diversen Social Media Themen verwende, befinden sich ca. zehn Slides zum Thema "Clever Zuhören mit RSS". Ich hab die Folien …


In meinen Folien, die ich für Workshops und Keynotes zu diversen Social Media Themen verwende, befinden sich ca. zehn Slides zum Thema "Clever Zuhören mit RSS". Ich hab die Folien natürlich immer wieder mal umgebaut, die Aussage ist jedoch immer die selbe: 

a) nutzen Sie RSS, es bringt ihnen etwas 
b) verwenden Sie einen RSS-Reader zB. Google Reader und
c) behalten Sie die für Sie wichtigsten Begriffe im Auge. 

Nun. Daran habe ich mich selbst natürlich auch zu halten und monitore zB fleißig alles, was zu meinem Namen im Mitmach-Web so auftaucht. Hier ein Beispiel für ein solches selbstgestricktes Cockpit.

Online Monitoring
 

Eigentlich sollte mir dieses Monitoring dabei helfen, den Überblick zu bewahren. Es sollte mich über für mich relevante Gespräche im Netz informieren, sodass ich a) davon weiß, was wo über mich gesagt wird und ich b) in weiterer Folge abwägen kann, ob ich dazu etwas sagen will bzw. muss. Soweit zur Theorie.

Meine Beobachtungen der letzten Monate zeigen aber, dass mein Monitoring über frei im Netz verfügbare Tools wie Omgili, Google Blog Search, Social Mention, blogpulse, itpints, topsy, etc. zum überwiegenden Teil Schrott liefert. Die Ergebnisse, die über mein Cockpit zum Stichwort "Ed Wohlfahrt" bei mir ankommen nutzen mir kaum noch, da sie zum Teil veraltet sind (das gilt übrigens auch für Google-Alerts). In Wirklichkeit ist es um die Suchergebnisse aber noch viel schlimmer bestellt: Sie kosten mir nämlich wertvolle Zeit! Ein Blick in meinen Monitor, ich habe ihn mir "praktischerweise" in die Lesezeichenleiste im Browser gelegt, zeigt mir, dass es angeblich gerade 95 Orte im Netz gibt, in denen der von mir beobachtete Begriff, nämlich "Ed Wohlfahrt" vorkommt. 

Mir alle diese 95 Ergebnisse durchzusehen und dann auch noch die eintrudelnden Google Alerts zu checken, kostet mir ohne Übertreibung einen Vormittag. Und noch schlimmer ist: Es ist verschenkte Zeit, da die gefundenen Ergebnisse eben zu 99,9 Prozent Schrott sind. Viel wichtiger aber noch: Die Ergebnisse liefern keinerlei Aussage darüber, ob ich mich auf Linie mit meiner eigenen Social Media Strategy befinde, ob das, was online über mich gesagt und gefunden wird diese Strategie unterstützt oder aber auch zuwider läuft. Aber das wäre ja gerade, was ein Monitoring Tool für mich spannend machen würde.

Es geht mit einem Wort nicht mehr um die Quantität der Daten. Und ich frage mich, ob mein selbstgestrickter Monitor dazu in der Lage ist, diese Daten zu liefern oder ob an einem Profi-Tool kein Weg vorbeiführt. Daten gibt es bekanntlich zuhauf. Das worum es in Zeiten wie diesen geht, sind clevere Daten. Daten, die mich darin unterstützen, den angestrebten und in meiner Social Media Strategy klar definierten Kommunikationszielen messbar näher zu kommen. Daten, die beispielsweise belegen, dass die für Kunden XY gesetzten Social Media Maßnahmen diesen oder jenen konkreten Output erzielt haben. Dann nämlich bleiben Social Media nicht mehr der labbrige Pudding (den viele irgendwie an die Wand zu nageln versuchen) sondern werden in ihrer Performanz in ihrem Potential mess-, beleg- und verstehbar. Und genau dahin geht die Reise! Für mich ist Social Media Measurement, also das klare Belegen dessen, was wir tun, eines der wichtigsten Social Media Themen des kommenden Jahres. Heute noch weit verbreitete Aussagen wie "Hurra, wir machen eine lustige Fanpage" oder "Jipieeee, wir haben 1.000 Follower auf Twitter" sind dann hoffentlich von gestern.

9 Gedanken zu “Social Media Monitoring: Ist die Hochblüte selbstgestrickter Lösungen vorüber?

  1. Hallo Elke, danke für dein Kommentar!
    @ Tipps, Ideen, Erfahrungen: Tappe hier auch noch ziemlich im Dunkeln. Teste gerade mehrere Systeme durch, die alle auch vorgeben, den deutschsprachigen Raum zu beherrschen. Die Frage ist halt, wie es mit der Qualität der gelieferten Daten aussieht und wie man mit diesen dann weiterarbeiten kann. Also ganz platt gesagt, was mir die zutage geförderten Datenmengen „sagen“ können, in welchen Punkten und wie sie mich unterstützen, etc.

  2. Professionelle Tools nutzen prima, aber welche gibt es, die den deutschsprachigen Markt, die deutschsprachigen Blogs, Foren und Netzwerke berücksichtigen.
    Die teuren Tools bieten Workflows und Übergabe von Fragen und Aufträgen an Mitarbeiter und haben jeder ihre nicht standardisierte Art Engagement zu messen :), aber den deutschen Raum decke ich damit nicht ab.
    Tipps, Ideen, Erfahrungen?

  3. Sehr interessanter Beitrag, der die Sache auf den Punkt bringt: Was nix kostet ist in diesem Fall leider auch nicht viel Wert. Hinter einem professionellen Social Media Monitoring steckt viel Arbeit und Know-how (ich spreche da aus Erfahrung im Kampf gegen den Informationsmüll im Web!). Und Arbeit und Know-how kostet Geld. Besonders solche Unternehmen, deren Produkte im Fokus der Community stehen kommen um eine Profilösung nicht herum. Denn allein das Diskussions-Volumen würde jede selbstgestrickte Lösung sprengen.

  4. Was die Messung von Zielen mit den Feeds zu tun? Messung ist die Überprüfung der Resonanz einer Kampagne, Feeds liefern mir was da draußen passiert. Ich frage mich eher, ob hier der Sinn der Feeds richtig verstanden wurde.

  5. Das Umdenken der Auftraggeber wird wohl noch einige Jahre dauern. Die meisten sind halt von TV/Radio/Print Werbung gewohnt, den *Erfolg* mittels (theoretisch erzielbarer) Reichweite zu messen. Bei eMarketing ist es sogar noch cooler, da wir jeden einzelnen Click messen können.
    Ich würde das Thema Social Media Marketing eher mit guter Öffentlichkeitsarbeit vergleichen. Brand Building ist da ein nicht unwichtiges Stichwort – das vertehen auch so manche Auftraggeber 😉

  6. Gratislösungen besser als gar nichts. Dem stimme ich voll zu. Sie sind ein Anfang was das Zuhören anlangt und deshalb immens wichtig. Was professionelle Lösungen anlangt, so macht es bestimmt nicht für jedes Unternehmen Sinn monatlich 500 Dollar in Monitoring zu stecken. Andererseits frage ich mich, worin mir meine selbstgestrickten Cockpits helfen, wenn ich Auftraggebern gegenüber harte Fakten auf den Tisch legen soll oder meine Social Media Strategien auf ihre Wirksamkeit hin überprüfen muss. Hierfür sind sie meiner Meinung nach weitgehend ungeeignet.
    PS: Wenn jemand Tools kennt, die hier noch nicht genannt wurden und die Sinn machen (auch qualitativ), dann bitte nennen! Danke.

  7. Sehr richtig! Wenn man die Tools genauer unter die Lupe nimmt, wird man recht schnell merken, dass kostenfreie Angebote eben nur das eine sind, nämlich „umsonst“ :-)
    Wer wirklich ein gutes und effizientes Monitoring haben möchte, kommt um eine Bezahlvariante nicht drumherum, wo neben einer umfassenden Datenbasis auch eine qualitative Auswertung inkl. Alertfunktion angeboten wird. Jeden Tag 100 Beiträge zu bekommen, ist sinnfrei – da kann ich auch googeln 😉
    Und selbst eine automatisierte Bewertung ist meist nur die halbe Wahrheit, weil die wirkliche Bedeutung eines Nutzerpostings eine Maschine niemals erfassen kann. Das schafft nur ein Bearbeiter manuell.
    VG Jan