Bloginterview mit Mag. Cornelia Leitner vom Caritasverband Kärnten

21. Dezember 2009Der Caritasverband Kärnten war in der Vorweihnachtszeit medial sehr stark präsent. Dies lag einerseits an der bundesweiten Campagne "Caritas & Du", die unter anderem für das Thema Armut sensibilisierte, andererseits …


Der Caritasverband Kärnten war in der Vorweihnachtszeit medial sehr stark präsent. Dies lag einerseits an der bundesweiten Campagne "Caritas & Du", die unter anderem für das Thema Armut sensibilisierte, andererseits aber auch an Aktionen, die im öffentlichen Raum gesetzt wurden. So veranstaltete die Caritas ein Frühstück im Freien oder stellte auf einem belebten Platz Klagenfurts Betten auf, um damit auf jene aufmerksam zu machen, die abends nicht ins warme Bett kriechen können. Diese Aktivitäten fanden neben den klassischen Medien auch im Social Web ihren Niederschlag. Beispielsweise auf der Webseite 

Mag. Cornelia Leitner youngCaritas KärntenYoungCaritasKärnten, der dazugehörenden Facebook-Fanpage sowie auf einem Twitter-Kanal. Ich habe mit Mag. Cornelia Leitner, verantwortlich für Kommunikation & youngCaritas Kärnten über die Social Media Aktivitäten des Kärntner Caritasverbandes folgendes Bloginterview geführt.

Ed Wohlfahrt Der Kärntner Caritasverband setzt neuerdings verstärkt auf Soziale Medien wie Twitter oder Facebook. Was erhofft man sich davon?

Cornelia Leitner: Es ist Aufgabe der Caritas als Hilfsorganisation, den Puls der Zeit zu spüren und zu verstehen, wo Entwicklungen sich hinbewegen. Das gilt für die zeitgemäße Schaffung von Hilfsangeboten ebenso wie für die Kommunikationskanäle. Die Kommunikation der Caritas richtet sich einerseits immer an die Menschen,  für die wir unsere Hilfsangebote schaffen und die unsere Hilfe in Anspruch nehmen sollen, aber ebenso an jene, die wir um ihre Solidarität und Unterstützung in jeglicher Form bitten. Von den Möglichkeiten des Web 2.0 erhoffen wir uns einen für die Caritas neuen Kanal, um mit Menschen in Kontakt zu treten, die wir auf klassischen Wegen nicht oder nur schwer erreichen.

F: Welche Strategien verfolgt der Caritasverband durch den Einsatz Sozialer Medien, welche Ziele hat man sich mit den Social Media Engagement gesetzt?

A: Dahinter steht keine besondere Strategie, sondern lediglich die Idee, unsere Angebote und Anliegen sehr schnell mit Menschen zu teilen, die unsere Botschaften auch hören möchten. Menschen zeigen sich durch unser adden solidarisch, haben die Möglichkeit Stellung zu beziehen, Fragen an uns zu richten, und das alles sehr schnell und unkompliziert. Die Caritas ist wohl beinahe jedem ein Begriff, aber oftmals sehr abstrakt. Auf Facebook wird sie auch „angreifbar“.

F: War es schwierig, Vorgesetzte davon zu überzeugen, in der Kommunikation stärker auf das Thema Web 2.0 zu setzen? 

A: Nein. Wie gesagt ist die Caritas, und das gilt vor allem für die Führungsebene, immer am Ball der Zeit. Entscheidungen müssen häufig sehr schnell getroffen werden und zum Wohle und zum Nutzen der Menschen, für die wir täglich im Einsatz sind, müssen wir uns der Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft anpassen. 

F: Was bzw. welcher Umstand führte letztlich dazu, dass man sich letztlich für den Einsatz von Social Media entschied?

A: Es ist kein Geheimnis, dass das Durchschnittsalter der Spenderinnen und Spender weit über 50 liegt. Ein Beispiel dazu aus Wien: Die Spenderstruktur in Wien aus dem Jahr 2006 sah wie folgt aus: 60 % waren über 65 Jahre, 0,003 % unter 25 Jahre (ein einziger Spender!). Wir sind also seit jeher bemüht, auch jüngere Menschen anzusprechen, auf uns und unsere Themen aufmerksam zu machen. Dazu müssen wir aber selbst jung sein und das ist die Caritas Kärnten trotz ihrem stolzen Alter von 88 Jahren. Wir möchten via Facebook nicht unbedingt Spenden sammeln, aber die Menschen für soziale Themen sensibilisieren.

F: Verglichen mit den anderen PR-Maßnahmen, wie viel Prozent der Mittel gehen in klassische Kanäle (Anzeigen, Schaltungen), wie viele gehen in den Online Bereich bzw. ins Social Web?

A: Die Caritas ist auf das Wohlwollen und die Unterstützung von Menschen und Firmen angewiesen. Das gilt erst recht für Medien und PR-Maßnahmen. Es gibt kaum bezahlte Berichterstattungen, die Medien drucken uns dankenswerter Weise unsere Berichte kostenlos. Mit Inseraten gehen wir mehr als sparsam um, Erlagscheinbeilagen werden uns zu Sozialtarifen genehmigt, Sendeplätze für TV- oder Kinospots kostenlos eingeräumt etc. Natürlich haben wir eine Homepage, die betreut werden muss. Ansonsten fließen keine Mittel in den Online-Bereich, abgesehen von Arbeitszeit, die wir aber nicht auf Kostenstellen zurechnen. Unsere Schützlinge im Mittelpunkt all unserer Anstrengungen betrachtend, tun wir, was getan werden muss, um den immer komplexer werdenden Hilfsmaßnahmen gerecht zu werden.

F: Wie viel Zeitbudget wird für die online Kommunikation derzeit aufgewendet? Wird zukünftig mehr Zeit in die online Kommunikation investiert werden müssen oder eher weniger?

A: Es geschieht innerhalb der Caritasarbeit immer das, was zu geschehen hat und derzeit gerade Priorität hat. Der Onlinekommunikation wird natürlich viel Aufmerksamkeit geschenkt und man kann davon ausgehen, dass sich dies in Zukunft verstärkt.

F: Gibt es Richtlinien für die Online Kommunikation von MitarbeiterInnen des Caritasverbands wie beispielsweise verbindliche Regeln, Policies, etc.?

A: Wir haben uns in Kärnten darauf geeinigt, dass wir unseren Freunden und Followern einfach zeigen möchten, was wir tun. Mit Statusmeldungen, Beiträgen, Videos und Fotos. Wir möchten diese Plattform nicht dazu verwenden, aufdringlich, mahnend oder parteipolitisch zu werden. Es soll informieren, aber nicht zu ernst werden, es soll Freude bereiten, mit uns befreundet zu sein.

F: Worin liegt der konkrete Nutzen, den die Caritas Kärnten aus ihrem Social Media Engagement zieht / ziehen möchte?

A: Nach den ersten Erfahrungswerten liegt der Nutzen vor allem darin, dass die Caritas plötzlich „angreifbar“ wird. Die Menschen schreiben uns, chatten uns an, richten Fragen, aber auch Angebote an uns. Das würden sie über die klassischen Kanäle wie Telefon oder Email nicht tun. Sie kommentieren unsere Beiträge usw. Das heißt, dass wir bis dato einfach das Gefühl haben, den richtigen Weg gewählt zu haben. Diverse Ideen sind durch die sozialen Netzwerke bereits entstanden, Menschen beteiligen sich an Aktionen, bieten uns ihr Know-how an und es ist auch schön für uns, Rückmeldungen zu unserer Arbeit zu bekommen. Denn wer greift heute schon zum Telefon wenn ihm etwas in der Zeitung gefallen hat, oder zum Stift und schreibt noch einen Brief, um uns seine Meinung mitzuteilen?

F: Nach welchen Kritierien werden die im Social Web unternommenen Anstrengungen gemessen oder bewertet?

A: Wir messen keinerlei Anstrengungen mit einer der gängigen Möglichkeiten und Methoden. Wir versuchen in der Kommunikation sehr breit zu sein, um möglichst Viele zu erreichen. Das breite Thema „Mensch“, der immer im Mittelpunkt unserer Arbeit steht, ist so vielseitig wie die Menschen selbst und geht daher alle etwas an. Wir möchten die ältere Frau, die sonntags in die Kirche geht, ebenso erreichen wie jene, die um diese Uhrzeit noch im Land der Träume sind. Die Menschen müssen jeweils dort abgeholt werden, wo sie sind, mit den Themen, die si
e interessieren und auf den Wegen, auf denen man sie erreicht. 

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