Social Media Monitoring: Einheitliche Standards verzweifelt gesucht

30. April 2010"Die Zukunft der Medienbeobachtung liegt in richtiger Selektion", spült mir meine selbst gestrickte Medienbeobachtung – von der ich mich hier am Blog eigentlich schon losgesagt hatte – gerade in die …


"Die Zukunft der Medienbeobachtung liegt in richtiger Selektion", spült mir meine selbst gestrickte Medienbeobachtung – von der ich mich hier am Blog eigentlich schon losgesagt hatte – gerade in die Inbox. Wie wahr, denke ich mir und gehe dann doch ein wenig tiefer. Interessiert mich schließlich dieses Thema. Andererseits habe ich die vergangene Woche damit verbracht, die Social Media Aktivitäten eines Kunden zu evaluieren und mich mit Rohdaten herumgeschlagen, die manchmal top (Facebook, YouTube, Feedburner) manchmal flop (Flickr, Panoramio) waren. Ganz schwer hier qualitativ alles über einen Kamm zu scheren ohne sein Gegenüber einmal mit einem Info-Überangebot zu quälen und woanders kaum über quantitative Aussagen hinaus zu kommen. Zurück zum pressetext Artikel!

Experte Marcus Mayer (==> Xing-Profil) von Media Market Observer spricht im Interview über den durch online Medien hervorgerufenen Wandel in der Medienbeobachtung. Davon beispielsweise, dass es nicht (mehr) um die Quantität der Daten geht sonder um deren Qualität. Davon dass es auch im Social Media Monitoring eine Tendenz zur Regionalisierung gibt. Oder auch davon, dass man laufend auswerten, Themenkarrieren (schönes Wort!) langfristig beobachten sollte, um geeignete "kommunikative Gegenmaßnahmen" setzen zu können. Gegenmaßnahmen gefällt mir jetzt schon wieder nicht so gut, weil damit der Eindruck entsteht, es ginge darum, etwas abzuwehren, was für mich eindeutig negativ besetzt wäre (Stichwort: Bedrohungsszenario). Dann aber großes Augenreiben bei mir über diese Satz. Die Frage dazu lautete übrigens: Wie wird vor dem Hintergrund der neuen Medien sortiert?

Was bisher an Auflagezahlen und Zielgruppenanalysen abzulesen war, wird neuer Methoden bedürfen – etwa dem Verweisgrad in andere Foren oder der Anzahl an Fans einer Community. Allerdings gibt es dahingehend noch keine einheitlichen Standards. Es gibt unzählige Ansätze, aber noch keinen allgemein anerkannten Parameter. Eine europaweite Einigung der PR-Verbände wäre dahingehend jedenfalls wünschenswert.

Hm…. Kann es diese einheitlichen Standards überhaupt (irgendwann) geben oder ist es in der Welt der Medienbeobachter nicht vielmehr so, dass die Großen der Branche ihre eigenen Parameter aufbauen und kleinere Medienbeobachter wiederum an ihren speziellen Suppen kochen (Stichwort: Regionalisierung)? Das denke ich nämlich. Ich glaube auch, dass man bis zum viel besungenen Sankt Nimmerleinstag warten wird, wenn man sich in der Erstellung von Parametern auf eine Einigung irgendwelcher PR-Verbände verlässt. Ich weiß, dass es zwischen den Medienbeobachtern und der PR-Branche enge Interdependenzen oder zumindest große gegenseitige Interessenslagen gibt. Dennoch sehe ich derzeit weit und breit keine einheitliche Lösung hinsichtlich Messgrößen und Parameter. Außerdem: Was soll die PR jetzt noch alles festlegen? Der Vergleich mit den Lehrern, die die Schüler doch bitte gleich auch ein wenig mit-erziehen sollen, liegt nahe. Andererseits hat die PR-Branche imho doch wohl das größte Know-how wenn es darum geht, die Kommunikation von Unternehmen zu planen, zu strukturieren und (hoffentlich auch) zu monitoren und zu messen, oder?!

Klar wäre es jetzt wunderbar einen Standard zu haben nach dem gemessen wird und der Zahlen gebiert, die dann allgemein anerkannte Messgrößen darstellen. Diese Lingua Franca des Social Media Monitorings wird es imho auf absehbare Zeit aber nicht geben. Andererseits gleicht das Web insbesondere das Social Web heute einer Müllhalde. Alles liegt umstrukturiert herum und dennoch lassen sich gelegentlich Perlen zu Tage fördern. Die Frage ist jetzt, wer dieses Chaos in absehbarer Zeit strukturieren wird (in etwa so, wie Google vor mehr als zehn Jahren den Suchmaschinen-Markt aufgeräumt hat…) Möglicherweise liege ich dann mit meiner Vermutung, es würde in absehbarerer Zeit keine einheitlichen Standards im Social Media Monitoring geben doch falsch?

Ein Gedanke zu “Social Media Monitoring: Einheitliche Standards verzweifelt gesucht

  1. Es gibt nicht nur keine einheitlichen Standards im Bereich Social Media Monitoring:
    Dies betrifft die gesamte Medienbeobachtung und PR-Evaluierung.
    Wäre ja ein Wunder, wenn es bei Social Media Monitoring Standards gibt, die es auch in der „klassischen“ Eavluierung bis dato nicht gibt.
    Ich bin bereits 17 Jahre in der Branche tätig und wundere mich über die Aussagen des „Experten“ Mayer: Alles was er für den Bereich Social Media anspricht, hat auch für die klassische Medienbeobachtung Gültigkeit, also nix Neues.
    Professionelle Medienbeobachtung beinhaltet Print, Radio/TV, Internet und wurde um das Social Web erweitert, also eine zusätzliche Säule.
    Es ist anscheinend modern, „Social Media Monitoring“ hinauszuposaunen. Es handelt sich dabei um ein zusätzliches Element, das sich in einer sehr spannenden Entwicklungsphase befindet – nicht mehr und nicht weniger. Trotzdem sollte man die klassische Medienbeobachtung nicht vernachlässigen.
    Zurück zu den einheitlichen Standards: Weder PR-Verbände noch die internationale Vereinigung der Medienbeobachter FIBEP haben das bisher geschafft und werden es auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht schaffen. Einerseits sind die regionalen Märkte zu spezifisch, andererseits haben viele Unternehmen Eigenlösungenn gebastelt und wollen ihren(vermeintlichen)Wissensvorsprung nicht teilen. Natürlich ist dies kurzsichtig, aber dieses Problem nicht zu realisierender, einheitlicher Standards existiert auch in anderen Branchen.
    Dies hilft uns nicht weiter, ist aber eine traurige Tatsache.